Manche Momente treffen einen mitten ins Herz. Nicht geplant – und doch spürt man sofort: Sie sind geführt. So erging es mir, als ich gedankenverloren an einem Morgen in Medjugorje in der Kirche saß und plötzlich die Stimme und Worte von Innocent Mbarushimana alles in mir wachrüttelten. Wenig später wurde aus einer zufälligen Begegnung ein Gespräch, das mir zeigte, wie tief Glaube, Authentizität und echtes Zeugnis wirken können. Eine Geschichte voller Hoffnung, Heilung und Berufung – die auch dein Herz verändern kann.

Ein Morgen, den ich so nicht geplant hatte
Eigentlich wollte ich an diesem Morgen gar nicht in die Frühmesse gehen. Ich war erschöpft von den letzten schönen Tagen und dachte, diesmal wäre die Abendmesse besser. Doch irgendetwas in mir drängte klar: „Geh jetzt.“ Also saß ich da, in der Kirche von Medjugorje – ohne große Erwartungen, nur bemüht, mich zu konzentrieren.
Und dann geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Ein Priester, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, begann zu predigen: Innocent Mbarushimana. Seine Worte machten mich wacher, aufmerksamer – sie richteten mich innerlich auf. Es war, als ob er direkt zu mir sprach.
Er sagte: „Medjugorje, Kibeho, Fatima, Lourdes, Guadalupe – das sind keine Orte für die Perfekten. Es sind Orte für die Suchenden, die Verwundeten, die Heimkehrenden. Du musst nicht perfekt sein, um geliebt zu werden. Du musst nur offen sein. Ein kleines ‚Ja‘ reicht, und Gott kann dein Leben verändern.“
Genau das traf mein Herz. Denn im Januar, bei meinem elften Besuch in Medjugorje, durfte ich mehr denn je Heilung erfahren. Und nun, im Herbst, bei meinem zwölften Aufenthalt, bekam ich durch diese Predigt eine Bestätigung: Gott sieht uns nicht als Bruchstücke, sondern immer als Ganzes – und er macht aus allem etwas Neues und noch Besseres.
Begegnung im Bücherladen
Nach der Messe wollte ich eigentlich nach Hause gehen. Doch irgendetwas in mir drängte: „Geh noch in den deutschen Buchladen – Tiberias.“ Dieser Ort ist für mich seit Jahren ein besonderer Platz – inspirierend, lebendig, voller Begegnungen. Schon oft habe ich dort Menschen getroffen, die mich berührt und weitergeführt haben.
Und so stand ich da, stöberte zwischen den Regalen, suchte nach einem Buch – und gerade als ich zur Kasse ging, um zu zahlen, öffnete sich die Tür. Herein kam Innocent. An seiner Seite Traude, die er liebevoll „Mama“ nennt – Traude Schröttner, eine Frau, von der ich bis dahin nichts wusste. Später erfuhr ich, dass sie seit Jahrzehnten in Ruanda aktiv ist, Schulen und Projekte aufgebaut hat und bis heute unzähligen Menschen eine Perspektive gibt. Eine zutiefst beeindruckende Frau!
Wir alle kamen ins Gespräch – locker, fast zufällig – und doch war sofort klar: Das war kein Zufall. Ich spürte, dass ich mehr über diese Menschen erfahren musste. Also setzten wir uns in ein Café, und dort begann Innocent, seine Geschichte zu erzählen – so offen, so tief, dass es mich von Anfang an fesselte.

Kindheit & Berufung
Wir bestellten Kaffee, lehnten uns zurück – und er begann zu erzählen. Nicht laut, nicht aufdringlich, sondern mit dieser ruhigen Tiefe, die sofort Aufmerksamkeit weckt. Seine Geschichte führte mich nach Ruanda, in seine Kindheit.
Innocent Mbarushimana wurde am 19. Dezember 1990 als eines von damals acht Kindern geboren. Seine Mutter starb früh. Der Vater heiratete erneut und so wuchs Innocent schließlich in einer Familie mit elf Geschwistern auf. „Meine Kindheit war nicht einfach“, sagt er leise. Armut, Verlust, Verantwortung – das waren prägende Erfahrungen. Doch mitten in diesem schweren Umfeld gab es einen Menschen, der ihn besonders unterstützte: Pater Ubald Rugirangoga, ein in Ruanda sehr bekannter Priester. Er förderte Innocent, ermutigte ihn, seinen Weg zu gehen.
Innocent besuchte schließlich das Gymnasium in Cyangugu, ein Knabenseminar – eine Zeit, die ihn formte. Danach trat er ins Priesterseminar ein. Eigentlich wollte er nach dem Abitur Medizin studieren. „Ich wollte Menschen helfen – vielleicht als Arzt.“ Doch Pater Ubald sagte ihm: „Wenn du Priester wirst, kannst du noch mehr Menschen helfen – nicht nur körperlich, sondern auch geistig.“
Diese Worte brannten sich in sein Herz. Sie gaben ihm die Richtung vor. Innocent entschied sich, Priester zu werden, und studierte anschließend Philosophie (Bachelor) sowie Theologie (Master).
Priesterweihe & erste Aufgaben
Im Jahr 2020 erreichte Innocent einen entscheidenden Meilenstein: seine Priesterweihe. Es war der Moment, in dem aus seiner langen Vorbereitung, den Jahren des Studiums und Ringens, eine konkrete Sendung wurde. Mit dem Sakrament der Weihe begann für ihn ein neues Kapitel – nicht mehr Schüler, nicht mehr Seminarist, sondern Priester für die Menschen.
Seine erste Aufgabe führte ihn als Kaplan in eine Pfarrei namens Yove. Dort begleitete er die Gläubigen, spendete die Sakramente, besuchte Familien, hörte zu und wurde schnell Teil des alltäglichen Lebens der Gemeinde. Schon nach sieben Monaten folgte jedoch ein weiterer Auftrag: Als Ökonom des Priesterseminars im gleichen Gymnasium, in dem er früher selbst Schüler war – einem Knabenseminar in Cyangugu – übernahm er Verantwortung für Verwaltung und Organisation. Eine ganz andere Rolle, die ihn forderte, aber auch wachsen ließ.
Doch damit war sein Weg noch lange nicht festgelegt. Sein Bischof sah in ihm mehr und schickte ihn nach Nairobi, Kenia. Dort sollte er eine Ausbildung in Kirchenverwaltung absolvieren – und zugleich bereit werden für etwas, das Innocent damals kaum zu fassen wagte: „Wir wollen, dass du auch Medizin studierst – in Österreich. Aber zuerst musst du Deutsch lernen.“
Der Weg nach Österreich
„Ich hatte Angst“, erinnert sich Innocent. „Deutsch ist eine schwierige Sprache.“ Ende 2022 kam er dennoch nach Graz – voller Unsicherheit, aber auch Hoffnung. Neun Monate lang tauchte er in einen intensiven Deutschkurs ein. „Ich habe viel gebetet und gelernt – es war eine harte Zeit.“ Nach drei Jahren spricht er heute fast fließend – klar, präzise, verständlich. Ein beeindruckender Erfolg – man würde kaum glauben, dass er erst seit drei Jahren deutsch lern.
Sein eigentliches Ziel, die Aufnahmeprüfung für Medizin in Graz, schaffte er damals nicht. „Das war eine Enttäuschung“, gibt er offen zu. Doch was nach einem Rückschlag aussah, öffnete eine neue Tür. Sein Bischof entschied: „Du sollst Kirchenrecht studieren – unsere Diözese braucht dich dort.“
Weil es in Österreich kein eigenes Studienprogramm gibt, wählte Innocent München. „Ich wollte Österreich verbunden bleiben. Dort bin ich so herzlich aufgenommen worden, dass es wie ein zweites Zuhause für mich wurde.“ Heute lebt er genau in diesem Spannungsfeld: Von Montag bis Mittwoch studiert er in München im Doktoratsstudium Kirchenrecht, am Mittwochabend kehrt er zurück nach Österreich – dorthin, wo er Gemeinschaft und Heimat gefunden hat.
So zeigt sich in seiner Geschichte etwas, das er selbst immer wieder betont: Wege sind nicht immer gerade. Manchmal führen Umwege zu Aufgaben, die noch besser zu einem passen. Und scheinbare Niederlagen können zu neuen Berufungen werden.
Alltag: Zeugnis leben
„Priestertum ist für mich kein Beruf, sondern ein Leben“, sagt Innocent Mbarushimana. Sein Tagesrhythmus ist klar strukturiert – und doch spürt man in allem die Tiefe, mit der er lebt. Jeder Tag beginnt um sieben Uhr mit den Laudes und der Heiligen Messe. Danach widmet er sich seelsorglichen Aufgaben: Er besucht Kinder in den Schulen, begleitet Jugendliche und hat eine Gebetsgruppe gegründet, die er schlicht „Gebetsrunde“ nennt. Dort kommen die jungen Menschen einmal im Monat zusammen, um zu beten, sich auszutauschen und ihren Glauben zu stärken.
Am Abend beendet Innocent seinen Tag mit der Vesper und dem Rosenkranz – ein Gebet, das für ihn unverzichtbar ist, weil Maria eine zentrale Rolle in seinem Leben spielt.
Besonders prägt ihn ein Satz von Papst Paul VI., der 1969 als erster amtierender Papst Uganda besuchte. Dort sagte er: „Die heutige Welt braucht mehr Zeugen als Prediger.“
Dieser Satz ist für Innocent zu einem Leitmotiv geworden. Er will nicht nur reden, sondern durch sein Leben bezeugen, was er glaubt. Und genau das habe ich bei ihm gespürt: Seine Worte stehen nicht allein – sie werden von seinem Tun getragen. In seiner Art zu sprechen, in der Klarheit seines Alltags und in seiner Nähe zu den Menschen zeigt sich eine seltene Authentizität, die weit über Worte hinausgeht.
Kirchenrecht: Zwischen Recht & Barmherzigkeit
Wenn Innocent über sein Studium spricht, lächelt er kurz und sagt: „Kirchenrecht ist sehr trocken.“ Ein Fach voller Paragraphen, mehr Juristerei als Theologie. Und doch – gerade in dieser Trockenheit hat er etwas Wertvolles entdeckt.
Dass er Kirchenrecht studiert, war nicht seine eigene Entscheidung. „Unserer Diözese fehlt ein Kirchenrechtler“, erklärte ihm sein Bischof – und Innocent folgte diesem Auftrag. Heute steht er im Doktoratsstudium in München und sieht darin längst mehr als nur Pflicht: eine Möglichkeit, Menschen zu helfen, indem er Wissen weitergibt und Orientierung schenkt. „Viele Gläubige kennen ihre Rechte in der Kirche nicht. Dabei ist es essenziell, diese zu kennen – ob bei Sakramenten, Trauungen oder in anderen rechtlichen Fragen.“
Besonders beschäftigt ihn die Spannung zwischen Recht und Barmherzigkeit. „Jesus stellt die Barmherzigkeit an die erste Stelle. Aber es gibt auch Gesetze und Strafen.“ Diese Gegensätze zu verbinden – das ist für ihn keine Frage, die man einmal beantwortet und dann abhakt, sondern ein Prozess. „Ich suche noch meinen Weg darin. Für mich ist Barmherzigkeit das Wichtigste – und doch weiß ich, dass Recht unverzichtbar ist.“ Gerade diese innere Spannung treibt ihn an, tiefer zu forschen und seinen eigenen Platz als Priester und Kirchenrechtler zu finden.
Medjugorje: Frieden, der bleibt
Seine erste Reise nach Medjugorje verdankt Innocent Traude Schröttner, die er liebevoll „Mama“ nennt. Sie ermöglichte ihm diese Erfahrung – und schon bei seiner Ankunft spürte er etwas Außergewöhnliches: „Es war, als ob die Muttergottes mich hier angenommen hätte.“
Die Messen, Rosenkränze, Kreuzwege und Andachten berührten ihn tief. Doch noch stärker war das eine Gefühl, das alles durchzog: ein tiefer Frieden: „Ich habe dort einen Frieden gespürt, wie noch nie zuvor. Deshalb bin ich sicher: Ich werde fast jedes Jahr, vielleicht sogar zweimal im Jahr, nach Medjugorje zurückkehren – wenn Gott es will.“
Mein Fazit
Diese Begegnung hat mich mitten ins Herz getroffen. Als ich Innocents Geschichte hörte, wurde mir klar: Sein Lebensmotto – mehr Zeuge als Prediger zu sein – ist keine leere Phrase, sondern gelebte Wahrheit. Er hat die Gabe, Worte so zu wählen, dass sie ins Herz treffen, doch er bleibt nicht bei Worten stehen. Sein Leben selbst bezeugt, was er predigt: Bescheidenheit, Freude, Dankbarkeit, Einsatz für andere. Worte und Taten – bei ihm sind sie eins.
Anfang des Jahres fühlte ich mich schwach und suchend. In Medjugorje durfte ich wieder einmal Heilung erfahren. Nun, im Herbst, bekam ich durch Innocent noch die Bestätigung: Gott sieht uns nie als Bruchstücke, sondern immer als Ganzes. Und durch Menschen wie ihn erinnert er uns daran.
Innocent hat mein Herz berührt – und ich bin gewiss: Seine Authentizität wird noch viele Herzen bewegen. Solche Priester braucht die Welt.






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