Letztes Jahr Weihnachten investierte ich Geld, um zu lernen, wie ich besser mit meinem Geld umgehen kann. Klingt bescheuert, war aber tatsächlich der beste Onlinekauf, den mein konsumgesteuertes Hirn bis dahin getätigt hatte. Meine Erwartung war: ein System zu erlernen, wie ich meine Finanzen endlich besser einsehen kann und nicht weiter jeden Monat mehr ausgebe als ich besitze. Was mir dann gezeigt wurde war aber viel mehr und vor allem: Spaß

Heute bekomme ich keine Schweißausbrüche, wenn ich daran denke mich mit meinen Finanzen zu beschäftigen. Heute habe ich so viel Spaß daran, dass ich nach neuen Büchern Ausschau halte, vollkommen natürlich darüber nachdenke, was gerade gut läuft oder wo ich mir ein System überlegen sollte.
Und ja ICH überlege MIR ein System. Der wichtigste Grundsatz ist nämlich, dass du selbst weißt, was mit deinem Geld passiert. Es ist nichts Kompliziertes mehr daran, wenn man erst einmal verstanden hat, dass man selbst wissen muss, was man tut. Und solange du weißt, was du tust – oder anders gesagt, was dein Geld tut – kannst du sorgenfrei dein Geld anlegen, sparen oder ausgeben und hast richtig Spaß dabei.
Die innere Schranke
Nun habe ich mir durch den Kurs erhofft, die richtigen Tools zu bekommen, um zu sparen und langfristig Vermögen aufzubauen. Und das habe ich auch. Und weil es so einfach ist und mir so viel Spaß macht, wünschte ich all meinen Bekannten, dass sie es auch lernen würden. Jedoch stoppt es bei vielen bereits an diesem einen Punkt:
„Ich habe gerade kein Geld über, dass ich anlegen könnte.“
Und jeder Versuch das Gegenüber vom Gegenteil zu überzeugen, verläuft im Sand, da eine innere Schranke herunterfährt und die Person nicht weiter zuhört.
Daher versuche ich es nun auf diese Weise. In der Hoffnung, dass es jemanden gibt, der den Text bis zum Ende liest und den Spaß am Weiterbilden in diesem wichtigen Thema entdeckt.
Wenn du es bis hierhin geschafft hast, möchte ich dir schon einmal danken und dir gratulieren, denn du bist drei Absätze davor einen Satz zu lesen, der dein Leben verändern wird.
Mindset
Finanzen sind schwierig – man möchte irgendwie gar nicht drüber reden. Man tröstet sich gerne damit, dass wenn man wenig hat, es nichts zu sparen gibt und deswegen die Systeme der anderen nicht funktionieren, denn sie hatten ja vorher schon viel mehr Geld übrig als ich. Das kann ich verstehen. Auch mich nervt es zu hören oder zu lesen, dass ein „gutes mittleres Gehalt“ bei 2600€ Netto liegt. Und derjenige, der gerade von sich erzählt, dieses Gehalt zu verdienen ein Sparpotenzial von 300€ hat.
Das ist natürlich vollkommen irreal und ein Gedanke, der Wut hervorruft, wenn man selber jeden Monat mit der Hälfte Netto oder weniger seine Wohnung und Lebensmittel zahlt. Aber trotzdem. Oder eher gerade deswegen, musst du diesen ersten Schritt machen und die Schranke öffnen.
Die Krux des Geldes
Der Gutverdiener von oben hat die lächerlichen 300€ Sparpotenzial, da mit mehr Geld automatisch mehr Wünsche kommen. Das ist ein sehr schneller und zugleich schleichender Prozess. Mit jeder Gehaltserhöhung um 100€ im Monat, geben wir 100€ mehr aus. Weil wir es einfach gewohnt sind, unser Konto bis zum Ende des Monats ausgeschöpft zu haben. Wenn ich mit 20€ auf den Weihnachtsmarkt gehe, gebe ich 20€ aus. Gehe ich mit 50€, gebe ich die 50€ aus; das ist dasselbe Prinzip.
Ich sehe, dass ich die 100€ mehr habe, also denke ich mir, dass ich mir dann ruhig heute das besser belegte Brötchen beim Bäcker kaufen kann. Oder dieses Radio im Discounter, damit ich endlich Musik hören kann. Und am Ende des Monats ist genauso viel Geld übrig, wie in den Monaten davor – so gut wie nichts. Und so wird es jeden Monat weitergehen. Habe ich selbst mitgemacht? Es ist so. Mehr bekommen, geht einher mit dem Gedanken auch mehr ausgeben zu können.
Der Trick
Ich nenne es mal Trick, aber eigentlich ist es das überhaupt nicht. Es ist mehr ein natürliches Verhalten, dass jeder Mensch sich selbst aneignen sollte. Es tut weh, und ist schwierig. Aber tatsächlich, wenn wir es entsprechend unserer Mittel langsam machen, merken wir, dass wir uns diesen Blödsinn selbst einreden. Wir fühlen am Ende weder Schmerz noch merken wir eine steigende Belastung, wenn wir automatisch sparen.
Sobald das Gehalt da ist, gehen automatisiert 5€ in ein kostenloses Tagesgeldkonto; direkt als aller erstes. Noch bevor irgendwelche Mieten gezahlt, Brötchen gekauft oder Schulden beglichen wurden. 5€ hat jeder mindestens übrig, wenn er sie nicht im Verlauf des Monats für etwas Unnötiges ausgibt. Und es klingt nach nichts aber am Ende des Jahres sind es 60€, die du zurückgelegt hast. Die du nicht hättest, hättest du nicht automatisch gespart. Das setzt voraus, dass sich nicht an dem Geld bedient wird; auch wenn man gerade an etwas Schönes denkt. Das Konto wird am besten nicht angeschaut, nicht angefasst – sondern einfach ignoriert.
Und die 5€ sind nur der niedrigste Wert, den du nehmen solltest. Es sind 5€ für dich. 5€, die du dir selbst wert bist für dich zurückzulegen und langfristig – wichtiges Wort, denn sparen tun wir nicht nur ein Jahr, sondern mehrere – anzulegen. Da du dein Geld mit Zinsen angelegt hast, ist es sogar vor der Inflation geschützt und am Ende mehr als die 60€, die du gespart hast.
Der Effekt ist offensichtlich viel höher, wenn 15€ zurücklegt, werden. Denn das sind 180€ im Jahr, was sich immer noch nicht anfühlt, als wäre es die Welt, aber es sind 180€ mehr als du vorher gespart hättest.
Und wenn eine Gehaltserhöhung kommt, solltest du die 15€ um den Wert der Steigerung erhöhen. So verhinderst du, dass du dich an das „Mehr“ gewöhnst. Du hast bisher so überlebt, du wirst es auch noch weiterhin schaffen. Oder, wenn du dir zumindest ein bisschen des „Hartverdienten“ gönnen willst, nehme 80% und zahle sie ein und 20% ist dein Bonus für den Alltag.
Wenn eine Sonderzahlung kommt, gönne dir von der Hälfte etwas Schönes; den Rest zahlst du auf dein Tagesgeldkonto.
Das Ziel
So wirst du irgendwann zwangsläufig 2000€-5000€ angespart haben. Das ist dein Notgroschen. Der persönliche Notgroschen berechnet sich aus deinen monatlichen Kosten und der Anzahl der Monate, die du ohne Gehalt auskommen möchtest.
Wenn du diesen Punkt erreicht hast, bist du bereit für den nächsten Schritt! Super gemacht!
Nun kannst du deine Sparregel in einen ETF legen. Wichtig ist auch hier wieder das Wort langfristig, da ein ETF im Minus sein kann. Es wird der Moment kommen, wo du schon 500€ eingezahlt hast, aber der Wert nur noch 300€ beträgt. Dies wird höchstwahrscheinlich passieren. Aber genauso wird es wieder steigen. Ein ETF kann zu 98% nicht auf 0% fallen. Hab keine Panik. Im Gegenteil freu dich, denn wenn er niedrig ist, heißt das, dass du gerade günstig einkaufen kannst und wenn er wieder steigt, hast du umso mehr Rendite. (Rendite = Wert des ETFs – meine Kosten)
Ich habe selber bereits einmal einen ETF verkauft mit sehr viel Minus, weil ich Angst hatte. Heute hätte ich das doppelte an Plus rausbekommen, wenn ich stattdessen weiter eingekauft und gehalten hätte.
Dein Depot ist dein langfristig angelegter Vermögenssparplan. Es gibt genug gute ETFs, um in Mehrere zu investieren und das “Risiko” zu verringern. Aber da du bereits deinen Notgroschen hast, an den du nur im äußersten Notfall rangehst, hast du überhaupt keinen Grund deine ETFs verkaufen zu müssen. Und somit auch kein Risiko.
Der ETF kann im Plus oder Minus rumdümpeln, wie es ihm gefällt. Dir ist das egal, denn über Jahre gesehen steigt der ETF immer an. Das lässt sich ganz leicht in den Charts der ETFs einsehen. Wenn du also drei ETFs besparst, beruhigst du damit deine Nerven, da nicht gleich alles im Minus ist und du noch den Rest hast, an den du dich klammern kannst, bis das Spiel sich dreht und der andere ETF wieder Rendite bringt und ein anderer sinkt. Das einzige tatsächliche Risiko sind nämlich deine Nerven, die dir panisch raten im Minus alles zu verkaufen. Darum sollte man es wie mit dem Tagesgeldkonto machen. Automatisiert einzahlen und ansonsten ignorieren.
Um darin Sicherheit zu bekommen, empfehle ich dir, dass du dich nur einmal eine halbe Stunde hinsetzt und schaust, was ein ETF ist. Länger braucht es nicht um tatsächlich zu begreifen, dass Geld anlegen im ETF kein Zocken ist, sondern ein dynamisches Tagesgeldkonto mit wechselndem Zinssatz, aber trotzdem hoher Sicherheit.
Was du nicht willst
Und spätestens jetzt denken viele, dass Ihnen das zu kompliziert ist und zu viel Arbeit und dass man dafür Bankkaufmann sein muss. Nein, musst du nicht.
Und der Bankkaufmann kann es vermutlich sogar nicht mal besser wie du, denn das richtige System, ist das, dass du selbst führst und verstehst und nicht, was dir jemand anderes verkauft oder für dich führt.
Du musst nicht mit Aktien spielen und täglich oder wöchentlich gewinnbringend verkaufen. Das ist tatsächlich auch sehr riskant. Und auf 10 Jahre gesehen gar nicht rentabler als das Sparprinzip oben. Der schnöde ETF-Sparer hat auf lange Sicht genauso viel oder eher sogar mehr Rendite als der aktive Trader, da dieser auch mal Verluste einberechnen muss. Darüber hinaus muss man erst viele Jahre Erfahrung sammeln, um überhaupt ein guter Trader zu werden. Das wollen wir aber gar nicht.
Unser Ziel ist es ein kleines Bisschen wenigstens für mich selbst zurückzulegen. Geld, dass dort liegt und für mich da ist. Das mehr wird und von welchem ich irgendwann dann mal einen kleinen Teil für mich nehmen kann, um mir etwas Schönes zu gönnen. Nicht, indem ich den ETF komplett verkaufe, sondern indem ich die 130€ Plus, die mir mein 800€ ETF gerade anbietet, runternehme. Also die Rendite, die er zu dem Zeitpunkt abwirft. 800€ eingezahlt = 930€ Wert, davon 130€ Rendite. So kann ich immer wieder etwas Schönes mit meinem Geld machen, ohne dass ich mein gespartes Geld tatsächlich aufbrauche. Es ist nicht unbedingt ein so hoher Wert, aber selbst 48€ (6% Rendite) würden mir schon ein sehr gutes Abendessen beim Italiener bringen.
Ende
Dass du bis hierher gelesen hast, freut mich sehr. Und ich hoffe sehr, dass dir der Text ein bisschen das Herz geöffnet hat und du nun bereit bist den ersten Schritt zu gehen und deine ersten 15€ (oder mehr) automatisch zu sparen. „Auch Kleinvieh macht Mist“, wie es so schön heißt. In diesem Fall hast du den Mist, den du kaufen würdest, wenn du 15€ im Portemonnaie hättest, verhindert und als Kleinvieh angelegt, damit du dir irgendwann den großen Mist (kommt daher wohl das Sprichwort stinkreich sein?) gönnen kannst. Ich wünsche es mir von Herzen für dich.
Finanzen sind nicht kompliziert. Sie bringen unglaublich viel Spaß, wenn du dich mit ihnen beschäftigst und sie selbst in die Hand nimmst.






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