Dubai ist gerade viel in den sozialen Medien zu sehen, aufgrund der aktuellen politischen Lage und den Angriffen im Iran. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind aus Steuergründen nach Dubai bzw. in die Arabischen Emirate gezogen. Vor allem Influencer:innen sind nach Dubai gezogen und polarisieren nun gerade auf TikTok.

Zwei große Aspekte nach Dubai zu ziehen sind Steuervorteile und das Luxusleben, welches aus Dubai heraus stark glorifiziert wird. Weniger Bürokratie und das Fehlen der Einkommensteuern auf persönliches Einkommen scheinen sehr attraktiv zu sein um den Weg nach Dubai einzuschlagen. Außerdem ist Dubai berühmt für seine große Sicherheit, wenig Kriminalität und extremen Luxus. Riesige Einkaufszentren und Hotels oder Gebäude wie der Burj Khalifa stellen eine perfekte Kulisse für Fotos und Videos dar. Der Content mit vermeintlichem Luxusleben und Kooperationen mit Luxusmarken bringen viele Klicks und zusätzliche Einnahmen durch Werbepartnerschaften ein. Dadurch ist Dubai zu einer Art Influencer:innen Hotspot geworden.
Dubai = Sicherheit?
Viele dieser Influencer:innen argumentieren mit der Sicherheit in Dubai. Statistisch gesehen ist Dubai auch sehr sicher, jedoch ist dabei zu beachten, dass Menschenrechte dort stark eingeschränkt sind und Gefängnisstrafen, Geldstrafen und Ausweisungen deutlich strenger vollzogen werden; durch hohe Polizeipräsenz und starke Überwachung wird diese Sicherheit gewährleistet. Hierbei fällt aber auf, dass der Datenschutz dabei nicht besonders hochgehalten wird, da viele Informationen, wie biometrische Daten und Verhaltensweisen, aufgezeichnet werden.

Dubai glänzt zwar durch Sicherheit, Infrastruktur und Luxus; die Schattenseiten des Lebens dort für viele der Bevölkerung sind allerdings mehr als dunkel. Zum einen sind die Arbeitsbedingungen in Dubai sehr schlecht. Neben niedrigen Löhnen und eingeschränkten Arbeitnehmer:innenrechte, ist auch die Sicherheit der Arbeiter:innen sehr gefährdet. In Dubai zu leben ist gerade für Menschen gefährlich, die nicht nach den Standards oder den Vorstellungen der Regierung leben. Menschen aus der LGBTQ-Szene sind sehr gefährdet, ausgewiesen oder bestraft zu werden. Ein besonders großer Kritikpunkt an Dubai ist auch die Meinungsfreiheit, die stark eingeschränkt ist.
Verträge zwischen Influencer:innen und Dubai zeigen auf, dass bestimmte Äußerungen auf Socialmedia nicht geduldet werden
Jan Böhmermann berichtete in der Vergangenheit in seiner Sendung ZDF Magazin Royal (Folge: Träume nicht dein Leben, sondern… zieh’ nach Dubai! Link unter “Quellen” unter diesem Artikel) bereits über diese Verträge, die Influencer:innen in dem einschränken, was sie posten dürfen. Auf einigen Websites wie dubai-auswandern.de, die für Geld dabei helfen, in Dubai Fuß zu fassen, informieren über diese Lizenzen. Dort heißt es, die Lizenzen dienen dazu, Verbraucher:innen zu schützen und die Branche professioneller zu gestalten.
Außerdem sollte die Lizenz sicherstellen, dass alle kommerziellen Absichten transparent und im Einklang mit den Gesetzen vor Ort einhergehen. Was nicht erwähnt wird, ist, ob diese Lizenz ein Verbot gewisse Inhalte zu posten beinhaltet., Allerdings wird davor gewarnt, dass ohne diese Lizenz Geldstrafen oder “mögliche weitere Rechtsverfahren” drohen.
Die strengen Gesetze der Arabischen Emirate verbieten unter anderem Kritik an der Regierung, den Herrscherhäusern oder Inhalten, die dem Ansehen des Staates schaden. Diese starke Überwachung führt zur Selbstzensur der Influencer: innen. Durch eben diese strengen Regeln vermeiden sie gewisse Themen bewusst. In Teilen der Verträge sind zudem angegeben, welche Content-Richtlinien Influencer:innen einhalten müssen, und erhalten damit klare Vorgaben, was sie zeigen dürfen und was nicht. Typische Regeln hierbei sind: Keine Kritik an der Politik oder Regierung zu äußern und nicht über sensible Themen wie Armut oder Arbeitsbedingungen zu posten.
Wie reagiert die Regierung in Dubai auf die drohenden Angriffe?
Die Regierung in Dubai hat auf unterschiedliche Weise auf die Angriffe reagiert. Sie propagieren weiterhin Sicherheit und Luxus und lassen kaum hinter die Kulissen schauen. Es wurden Warnmeldungen an die Bevölkerung geschickt, man solle sich sofort Schutz in Gebäuden suchen und sich von Fenstern und offenen Bereichen fernhalten. Es wurden ebenfalls Schutzbereiche und Evakuierungen organisiert, Flüge wurden gestrichen oder zu einem späteren Zeitpunkt abgefertigt. Die Emirate haben ihre Luftabwehrsysteme aktiviert um viele Raketen und Drohnen abgefangen; trotzdem gibt es weiterhin Gefahr durch herabfallende Trümmer.
Eine weitere und sehr fragwürdige Reaktion der Regierung ist die starke Kontrolle von Online-Inhalten. Behörden warnen davor, Informationen über Angriffe zu verbreiten. Es wurden auch bereits Menschen angeklagt, weil sie Videos von Raketen oder Einschlägen online gestellt haben, wie “Detained in Dubai” berichtet. Detained in Dubai ist eine Organisation, die Menschen unterstützt, die unrechtmäßig in Dubai verhaftet oder verfolgt werden. Detained in Dubai berichtet darüber auf ihrer Website (Link unter “Quellen” unter diesem Artikel)
Justiz in Dubai
Der Grund für die Einschränkungen der Berichterstattung lautet offiziell, man wolle das Schüren von Panik verhindern und zudem verhindern, dass militärische Informationen über die Luftabwehr preisgegeben werden könnten. Für Dubai haben die Angriffe wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen, Tourist:innen und Geschäftsleute verlassen Dubai, internationale Unternehmen evakuieren ihre Mitarbeiter:innen und Touristengebiete bleiben zeitweise leer. Dubai hat viel investiert, um sich ein Image aufzubauen, welches vor allem den Faktor Sicherheit hervorhebt. Dabei ist zu beachten, dass Dubai statistisch gesehen zwar weniger von Kriminalität betroffen ist, aber auch deutlich mehr Menschenrechte verletzt. In Dubai werden Menschen verhaftet und in Untersuchungshaft gehalten, ohne überhaupt eine Anklage erhalten zu haben. Dies ist so in Deutschland nicht möglich; zwar darf vorübergehend verhaftet werden, jedoch muss die verhaftete Person innerhalb von 24 Stunden einem Haftrichter vorgeführt werden, welcher anschließend entscheidet, ob die Person weiter in Haft bleibt oder freikommt.
Die Justiz in Dubai funktioniert generell etwas anders, wie wir es hier in Europa gewohnt sind, denn auch Teile der Scharia fließen mit in die Gerichtsbarkeit ein. So kann nicht nur moralisch, sondern auch strafrechtlich verfolgt werden, wenn beispielsweise außereheliche Beziehungen geführt werden. Zudem ist die Gerichtsbarkeit in Dubai nicht transparent; Anklagen und Strafen sind im Gegensatz zu Deutschland nicht öffentlich und daher ist oft fraglich, was mit inhaftierten Menschen passiert und ob sie sich noch in Haft befinden und wenn sie noch in Haft sind, für wie lange sie dortbleiben müssen.
Dubai wird oft kritisiert, weil sie Menschenrechte verletzen, aber welche werden konkret verletzt?
Zum einen ist die Meinungsfreiheit in Dubai stark eingeschränkt, es drohen Strafen, wenn die Regierung oder Herrschaftshäuser kritisiert werden. Aktivist:innen oder Blogger:innen werden überwacht und sogar verhaftet. Social-Media-Postings können zu Haftstrafen führen. Auch die Versammlungsfreiheit ist stark eingeschränkt; es darf nicht demonstriert werden und politische Parteien gibt es nicht.
Die Rechte von Arbeitsmigrant:innen sind ebenfalls umstritten. Ein großer Teil der Bevölkerung in Dubai besteht aus Gastarbeiter:innen aus Ländern wie Indien, Nepal oder Bangladesch. Pässe der Arbeiter:innen werden oft einbehalten, sodass sie nur schwer den Job wechseln oder das Land verlassen können. Niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen sind ebenfalls an der Tagesordnung. Auch Frauen und Menschen aus der LGBTQ-Szene haben in Dubai kein leichtes Leben. Homosexualität ist in Dubai grundsätzlich verboten und uneheliche Kinder zu haben, steht ebenfalls unter Strafe.
Dubai wird wenig durch Kriminalität geprägt, der Preis dafür ist jedoch hoch.
Influencer:innen berichten oft von der wenig vorhandenen Kriminalität in Dubai, was jedoch nicht berichtet wird, ist der Preis, den man dafür zahlen muss. Denn viele Rechte sind eingeschränkt oder werden verletzt. Oft wird berichtet, dass man sich in den Arabischen Emiraten im Gegensatz zu Berlin oft nachts nicht bewegen kann, ohne Angst haben zu müssen. Das ist oberflächlich betrachtet auch richtig. Der Unterschied ist jedoch, dass sich in Berlin jeder frei bewegen darf. In Berlin wird niemand verhaftet, weil er als Mann einen weiblichen Gang hat oder weil jemand eine andere Person einvernehmlich, aber außerehelich geküsst hat.
Natürlich gibt es auch Kritik am deutschen Rechtssystem und diese ist mitunter auch mehr als berechtigt. Trotzdem wird die Sicherheit in Dubai und den Arabischen Emiraten oft dadurch gesichert, dass sehr stark überwacht wird, die Polizeipräsenz sehr hoch ist. Polizeipräsenz ist an sich nichts Schlechtes. Wenn sie jedoch dazu führt, dass man Angst haben muss, für einen falschen Kuss, eine falsche Bewegung oder im schlimmsten Fall für ein Vergehen verhaftet zu werden, welches man selbst nicht begangen hat, dann ist diese Präsenz nicht unbedingt gut zu ertragen. Influencer:innen berichten viel über Dubai und seine Vorteile; die Schattenseiten bleiben aber weiterhin im Dunkeln.
Quellen:
Auswärtiges Amt:
https://www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/vereinigtearabischeemiratesicherheit-202332
Detained in Dubai:
https://www.detainedindubai.org/post/cybercrime-arrests-in-dubai-report-by-detained-in-dubai
YouTube:






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