Noch immer hält sich das Bild im Kopf: der Mann geht arbeiten, die Frau passt auf die Kinder auf. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass ein so starres Denken zu unflexibel für sich wandelnde Lebenssituationen mit kleinen Kindern ist. Als Vater auch regelmäßig bei den Kindern zu sein, kann sich nämlich positiv auf die ganze Familie auswirken.

Unser Sohn ist mittlerweile eineinhalb Jahre alt und über die letzten sechs Monate hat sich glücklicherweise eine recht zuverlässige Alltagsroutine entwickelt. So konnte ich zum Beispiel zu einem normalen Arbeitspensum in unserer Selbstständigkeit zurückkehren und es öffneten sich langsam, aber sicher wieder einige Freiräume für die gesamte Familie. Meine Frau hatte zudem den Wunsch, wieder für ein paar Stunden zur Arbeit zu gehen – erst einmal zwei bis drei Tage pro Woche. Da ich sehr flexibel und von zuhause aus arbeite und am Nachmittag in der Regel die Großeltern als Unterstützung bereitstehen, war die Kinderbetreuung innerhalb der Familie gesichert.
Zwischen Sorge und Realität
Seit Anfang Januar heißt es also für unseren Sohn: noch mehr Zeit mit dem Papa! Wir konnten zwar aufgrund unserer Situation von der Geburt an die Betreuung als Eltern gemeinsam übernehmen, aber dass ich regelmäßig sechs bis sieben Stunden alleine auf unseren Sohn aufpassen musste, kam eigentlich nicht vor. Entsprechend hatte ich einige Bedenken: Wird es unserem Sohn auffallen, dass die Mama nicht da ist? Was soll ich tun, wenn etwas passiert, wo nur die Mama trösten kann? Wird der kleine Mann gut essen, trinken und einschlafen?
Der erste Arbeitstag meiner Frau kam dann auch schneller als gedacht und der Papa war auf sich allein gestellt. Und was soll ich sagen? Es lief natürlich alles gut. Unser Sohn war besonders brav und meine Erklärungen, dass die Mama heute später komme, wurden von ihm tapfer hingenommen. So liefen die Tage ohne große Probleme und schnell etablierte sich auch für die neue Situation eine Art Routine. Wir nutzen die Arbeitstage meiner Frau inzwischen zum Putzen, Einkaufen und Backen – alles Tätigkeiten, die unserem Sohn erstaunlich viel Freude machen.
Sorgen mache ich mir inzwischen zum Glück keine mehr, da sich auch für schwierige Situationen mit dem Kleinen immer eine Lösung finden lässt. Man muss nur immer kreativ bleiben! Wenn die Dauer des Einkaufs das Kleinkind zum Weinen bringt, kann auch einmal die „Bewunderung“ für eine Kiwi Tränenströme zurückhalten. Im Ganzen hat sich also wieder bewahrheitet, was in einem Lied von Tom Petty zu hören ist: „Most things I worry about never happen anyway.“
Positive Auswirkungen
Und welche Auswirkungen hatte die neue Situation auf die Beziehungen innerhalb unserer kleinen Familie? Tatsächlich hatte unsere neue Routine bisher nur positive Auswirkungen. Unser Sohn hat durch die Papa-Tage eine noch bessere Bindung zu mir entwickelt. Auch lernt und versteht er, dass nicht immer alle Bezugspersonen die ganze Zeit über verfügbar sein können, auch die Mama nicht. Meine Frau kann durch ihre Arbeitstage die Zeit mit unserem Sohn nun noch mehr genießen und obendrein kann sie sich beruflich weiterentwickeln. Für mich ist es eine Freude, so viel vom Aufwachsen unseres Sohnes miterleben zu können, und ich bin auch erleichtert, dass die neue Lebenssituation sowohl dem Kleinsten als auch seiner Mama gut tut. So hat außerdem keiner das Gefühl, Verantwortungen für das Kind, Haushalt oder Broterwerb ganz alleine tragen zu müssen – ein enormer Pluspunkt für das Miteinander.
Fazit und Ermutigung
Ich kann am Schluss wirklich nur empfehlen, als Familie gemeinsam Lösungen zu suchen und offen für neue Situationen zu sein. Es hilft dabei, mehr Verständnis für den Partner zu haben, wenn man einen Einblick in die „Welt“ des Anderen erhält. Wenn es sich einrichten lässt, sind Lösungen ratsam, in denen kein Elternteil „nur arbeitet“ oder „nur das Kind betreut“. Ein solches Modell birgt Gefahr für Unzufriedenheit und Unverständnis. Glücklicherweise gibt es heutzutage beispielsweise durch Eltern- und Teilzeit sowie die Arbeit im „Home-Office“ alternative Möglichkeiten.
Auch für das Kind kann es nur von Vorteil sein, beide Elternteile als echte Bezugspersonen zu kennen. Wir sind mit unserer Entscheidung, dass unser Sohn möglichst viel Zeit mit der Mama und dem Papa verbringen kann, jedenfalls mehr als zufrieden. Besonders möchte ich die Väter ermutigen, sich nicht zu sehr „alten Rollenbildern“ zu verschreiben. Für ein Kind ist ein „Mehr“ an Zeit und Aufmerksamkeit weit bedeutender als ein „Mehr“ an Einkommen. Und schlussendlich ist und bleibt es unbezahlbar, die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen, ihren Charakter von Beginn an kennenzulernen und mit ihnen zusammen die Welt (neu) zu entdecken.





Glauben verbindet über Kontinente hinweg: als ghanaischer Katholik in Deutschland
Schreibe einen Kommentar