Dating-Coaches begegnen uns heute überall – besonders auf Social Media. Sie werben mit prägnanten Slogans und vermitteln einfache Ansichten über Männlichkeit und Frauen. Unseriöse Coaches versprechen schnellen Erfolg im Dating und verdienen damit oft viel Geld, ohne wirklich dabei zu helfen, an sich selbst zu arbeiten. Dabei vermitteln sie teilweise auch gefährliche Werte, die Frauen und den Feminismus untergraben. Ein Kommentar.
Dating-Coaches bieten Beratung, Training oder Programme an, in denen sie versprechen, mehr Selbstbewusstsein, bessere Kommunikation oder mehr Erfolg bei potenziellen Partner:innen zu erreichen. Sie helfen angeblich dabei, Online-Dating-Profile zu optimieren, am Mindset zu arbeiten oder vermitteln bestimmte Techniken. Manche veranstalten sogar Flirt-Workshops im öffentlichen Raum. Doch gerade einige der Techniken, die dort vermittelt werden, sind hochgradig manipulativ.
Oft liegt der Fokus stark auf dem Mann, weniger auf der potenziellen Partnerperson. Der Mann wird als grundsätzlich richtig dargestellt, während Frauen angeblich schuld daran seien, dass Dating für viele Männer anstrengend und erfolglos bleibt. Dating-Coaches setzen dabei häufig auf die Einsamkeit von Menschen, die wenig enge Freundschaften pflegen und oft wenig romantische Erfahrungen gesammelt haben. Auch der hohe Leistungsdruck auf dem Dating-Markt spielt ihnen in die Hände.
Unrealistische Dating-Versprechen und oberflächliche Tipps
Gerade durch Dating-Apps vergleichen sich Menschen heute stärker mit anderen, wodurch die gefühlte Konkurrenz größer wird. Dating-Coaches wie Lasse Landeck versprechen hier viele Dates in kurzer Zeit. Doch viele Dates zu haben bedeutet noch lange nicht, tatsächlich eine passende Partnerperson zu finden. Überschriften, die schnelle und einfache Lösungen versprechen, sind daher häufig irreführend.
Hinter diesen großen Versprechen stecken oft keine echten Strategien. Beispielsweise beantwortete Lasse Landeck die Frage, wie man herausfinden kann, ob eine Frau Interesse an einem Treffen hat, schlicht damit, sie einfach zu fragen. Solche Antworten wirken banal und stehen in keinem Verhältnis zu den teilweise sehr teuren Coaching-Angeboten.
Beim Online-Dating kommt außerdem die starke Oberflächlichkeit hinzu. Menschen werden häufig ausschließlich anhand von Fotos bewertet. Personen, die nicht einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen, werden schnell aussortiert. Durch die große Anzahl potenzieller Partner:innen kommt es zudem häufiger zu Ghosting oder zu gar keiner Rückmeldung.
Warum Dating-Coaches bei Zurückweisung und Unsicherheit ansetzen
Zurückweisungen können den Selbstwert verletzen oder ein Gefühl von Ohnmacht auslösen. Genau an dieser Stelle setzen Dating-Coaches an. Sie versprechen Planbarkeit und Techniken, die angeblich verhindern sollen, dass es zu Ablehnung kommt. Ihre Methoden wirken leistungsorientiert, praktisch und zielgerichtet.
Diese Art von Coaching ist stark männlich codiert und grenzt sich bewusst von Therapie ab. Während eine Therapie emotional sein kann und Zeit braucht, versprechen Coaches schnelle Ergebnisse und hohe Erfolgsraten. Dadurch entsteht nicht das Gefühl, man sei schwach oder müsse an tiefgehenden Problemen arbeiten.
Gleichzeitig vermitteln manche Coaches problematische Ideale. Menschen, die angeblich nicht attraktiv genug seien, sollen zunächst ihr Aussehen verändern. Beispielsweise wird suggeriert, dass vermeintlich zu dicke Menschen erst abnehmen müssten, um Erfolg beim Dating zu haben.
Seriöse vs. unseriöse Dating-Coaches: Woran erkennt man den Unterschied?
Seriöse Dating-Coaches legen den Fokus auf persönliche Entwicklung und realistische Erwartungen. Sie versprechen nicht „garantiert zehn Dates im Monat“, sondern betonen, dass es keine Erfolgsgarantie gibt. Stattdessen arbeiten sie an Kommunikation, Selbstreflexion und emotionaler Kompetenz.
Solche Coaches legen Wert auf emotionale Reife, Empathie, Grenzen und Konsens. Sie verwenden keine Begriffe wie „Alpha“ oder „Beta“ und schüren keine Wut oder Opferrollen. Außerdem arbeiten sie transparent, mit klaren Preisen und ohne künstliche Verknappung.
Der Verbraucherschutz warnt ausdrücklich vor unseriösen Coaching-Angeboten. Häufig wird dort Druck aufgebaut, damit Verbraucher:innen schnell kaufen, ohne den Vertrag genau zu prüfen. Laut Verbraucherzentrale enthalten manche Verträge Klauseln, durch die Kund:innen plötzlich als Unternehmer:innen gelten.
Coaching-Programme, Verträge und versteckte Kosten
In manchen Fällen entstehen dadurch sogar pyramidensystemähnliche Strukturen. Kund:innen sollen neue Teilnehmer:innen anwerben und geraten so in ein Netzwerk aus kostenpflichtigen Programmen. Seriöse Coaches gestalten ihre Verträge dagegen transparent und verständlich.
Es muss klar ersichtlich sein, welches Konzept gekauft wird und welche Leistungen enthalten sind. Außerdem grenzen seriöse Coaches ihre Arbeit deutlich von therapeutischer Behandlung ab. Wenn Anzeichen für psychische Erkrankungen wie Depressionen vorliegen, empfehlen sie professionelle Hilfe.
Viele seriöse Coaches haben zudem eine fachliche Grundlage. Häufig verfügen sie über psychologische Kenntnisse, Ausbildungen oder Trainings. Vorsicht ist geboten, wenn Coaches toxische Männlichkeit fördern oder Frauenfeindlichkeit verbreiten.
Wenn Dating-Coaching zu toxischen Ideologien führt
Seriöse Coaches schaffen keine Feindbilder und präsentieren keine Schuldigen. Sie erkennen die Grenzen ihrer Kompetenz und behaupten nicht, auf jede Lebensfrage eine Antwort zu haben. Einige unseriöse Coaches hingegen geben vor, in allen Lebensbereichen helfen zu können.
Manche werben damit, Methoden wie Achtsamkeitsübungen zu vermitteln, die auch in der Psychologie genutzt werden. Das klingt vertrauenswürdig, setzt aber entsprechende Qualifikationen voraus. Ohne fachliche Ausbildung kann dies problematisch sein.
Viele dieser Coaching-Angebote verbreiten gefährliche Mechanismen. Sie profitieren von Radikalisierung und Echokammern im Internet. Gleichzeitig positionieren sie sich häufig als Gegenbewegung zum Feminismus.
Dating-Coaches als Gegenbewegung zum Feminismus
Einige Coaching-Modelle reagieren direkt auf gesellschaftliche Veränderungen. Gleichberechtigung, neue Rollenbilder und die wachsende Autonomie von Frauen führen bei manchen Männern zu Verunsicherung. Traditionelle Rollen verlieren an Bedeutung.
Viele Männer erleben dadurch Unsicherheit im Dating und ökonomischen Druck. Manche fühlen sich übergangen oder glauben, nicht mehr gebraucht zu werden. Früher waren Frauen häufig finanziell abhängig von Männern, heute können sie ihr eigenes Geld verdienen.
Einige Coaches greifen genau diese Gefühle auf. Sie propagieren eine Re-Traditionalisierung, bei der der dominante Mann und die untergeordnete Frau im Mittelpunkt stehen. Dabei wird eine klare Hierarchie betont, die dem feministischen Ideal von Gleichwertigkeit widerspricht.
Gefährliche Narrative über Frauen und Beziehungen
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat in ihrem TikTok-Format @generation_klartext erläutert, wie Dating-Coaches problematische Ideologien verbreiten. Dort wurden mehrere typische Thesen solcher Coaches analysiert. Frauen werden häufig abgewertet oder als Objekte dargestellt.
Teilweise wird behauptet, der Wert von Frauen sinke, wenn sie viele Sexualpartner hatten. Damit wird Frauen ihre sexuelle Selbstbestimmung abgesprochen. Gleichzeitig wird suggeriert, Männer müssten Ablehnung ignorieren und rücksichtslos handeln.
Grenzüberschreitendes Verhalten wird teilweise sogar glorifiziert. Außerdem wird vermittelt, Männer seien grundsätzlich überlegen und Frauen müssten sich ihnen unterordnen. Viele Frauen wünschen sich jedoch heute Beziehungen auf Augenhöhe und geteilte Verantwortung.
Die „Male Loneliness Epidemic“ und ihre Instrumentalisierung
Dating-Coaches reagieren häufig auf das Phänomen der sogenannten „male loneliness epidemic“. Dabei handelt es sich nicht um einen medizinischen Begriff. Vielmehr beschreibt er Studienergebnisse aus den USA und Europa, die zeigen, dass Männer heute weniger enge Freundschaften haben als früher.
Der Anteil der Männer ohne enge Bezugsperson ist gestiegen. Laut einer Studie der WHO ist weltweit etwa jede sechste Person von Einsamkeit betroffen. Mehr als 871.000 Todesfälle jährlich werden mit Einsamkeit in Verbindung gebracht.
Dabei werden verschiedene besonders betroffene Gruppen genannt, etwa Menschen aus der LGBTQ-Community oder Menschen mit Behinderungen. Männer werden jedoch nicht als eigene Risikogruppe aufgeführt. Trotzdem berichten junge Männer häufiger von sozialer Isolation.
Warum Männer heute häufiger einsam sind
Die „male loneliness epidemic“ beschreibt nicht nur fehlende romantische Beziehungen. Sie umfasst auch allgemein weniger soziale Kontakte. Männer haben heute im Durchschnitt weniger enge Freundschaften als früher.
Ein Grund dafür ist, dass soziale Räume verschwinden. Vereine, Stammtische oder andere Treffpunkte werden seltener. Viele Männer knüpfen Freundschaften über gemeinsame Aktivitäten, etwa Sport, Gaming oder Arbeit.
Wenn diese Kontexte wegfallen, entstehen auch weniger neue Beziehungen. Unsichere Arbeitsverhältnisse, späteres Ausziehen aus dem Elternhaus und Leistungsdruck verstärken dieses Problem zusätzlich.
Wie Dating-Coaches einfache Schuldige präsentieren
Genau hier setzen viele Coaches an. Statt gesellschaftliche oder wirtschaftliche Ursachen zu betrachten, präsentieren sie einfache Feindbilder. Häufig werden Frauen oder der Feminismus verantwortlich gemacht.
Typische Narrative lauten etwa, dass Frauen nur reiche und erfolgreiche Männer wollen. Oder dass Frauen durch Feminismus zu „Emanzen“ geworden seien. Solche Aussagen schaffen ein vereinfachtes Weltbild.
Dabei wird Männern vermittelt, sie selbst machten keine Fehler. Stattdessen seien Frauen oder gesellschaftliche Veränderungen schuld an ihrer Einsamkeit. Diese einfachen Erklärungen sind zwar leicht verständlich, aber selten zutreffend.
Social Media und aggressive Marketingstrategien
Dating-Coaches sind besonders dort präsent, wo viele Menschen verunsichert sind: auf Social Media. Ihre Sichtbarkeit ist oft strategisch aufgebaut. Sie nutzen gezielt die Mechanismen der Plattform-Algorithmen.
Typisch sind kurze provokante Clips mit Versprechen wie „3 Tricks, damit jede Frau dich will“. Häufig werden auch kostenlose Webinare oder Gratis-E-Books angeboten. Diese dienen meist als Einstieg in einen sogenannten Marketing-Funnel.
Am Ende dieses Funnels stehen teure Coaching-Programme. Die Werbung spricht gezielt Gefühle wie Einsamkeit, Frustration oder Ablehnung an. Gleichzeitig werden Status und Erfolg als Belohnung in Aussicht gestellt.
Polarisierung, Manipulation und wirtschaftliche Interessen
Viele Coaches arbeiten bewusst mit Polarisierung. Sie vereinfachen komplexe gesellschaftliche Probleme und weisen klare Schuldige zu. Dabei werden oft toxische Strukturen reproduziert.
Frauen werden pauschal negativ dargestellt. Gleichzeitig wird suggeriert, Männer hätten ein Recht auf romantische oder sexuelle Beziehungen. Wenn Frauen dieses Interesse nicht erwidern, seien sie angeblich vom Feminismus „fehlgeleitet“.
Dieses Narrativ hängt eng mit der Angst zusammen, traditionelle Rollen zu verlieren. Frauen haben heute Zugang zu Bildung, verdienen ihr eigenes Geld und sind nicht mehr auf eine Ehe angewiesen.
Wenn Einsamkeit zum Geschäftsmodell wird
Hinter vielen dieser Angebote stehen letztlich wirtschaftliche Interessen. Die Coaches profitieren davon, dass Männer sich verunsichert oder überflüssig fühlen. Ihre Verletzlichkeit wird monetarisiert.
Ein Beispiel ist Lasse Landeck, der auf seiner Website auf ein angebliches Institut für Verbraucherschutz verweist. Dieses Institut veröffentlicht sehr positive Berichte über ihn. Allerdings erstellt es solche Berichte gegen Bezahlung.
Damit ist es nicht unabhängig wie eine Verbraucherzentrale. Dennoch erweckt es den Eindruck einer neutralen Prüfinstanz. Solche Strategien können für Verbraucher:innen irreführend sein.
Einfache Lösungen für komplexe Probleme
Dating-Coaches nutzen gezielt die Ängste und Unsicherheiten vieler Menschen. Besonders Männer, die sich einsam fühlen oder Schwierigkeiten im Dating haben, sind eine wichtige Zielgruppe. Durch Social Media verbreiten sich einfache Weltbilder besonders schnell.
Viele dieser Coaches versprechen schnelle Lösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme. In Wirklichkeit profitieren sie jedoch vor allem finanziell von diesen Versprechen. Gleichzeitig verbreiten manche von ihnen problematische Ideologien.
Einsamkeit, Unsicherheit im Dating und gesellschaftliche Veränderungen lassen sich jedoch nicht durch einfache Tricks lösen. Nachhaltige Lösungen erfordern Selbstreflexion, soziale Unterstützung und oft auch gesellschaftliche Veränderungen.






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