Vor 21 Jahren bekam die Gemeinschaft Cenacolo in Mogliano-Veneto, einer Gemeinde in der Provinz Treviso bei Venedig, eine Heimat. Ende Juni trafen sich dort viele Ehemalige und Freunde der Gemeinschaft. Matthias Chrobok war dort und schildert seine Eindrücke.

Wieder Italien? Bei dieser Hitze? Ja, wieder Italien, weil es dort etwas zu feiern gibt. Das Haus der Gemeinschaft Cenacolo, das in der Gemeinde Mogliano-Veneto steht, feiert Jubiläum. Doch die sechs Frauen, die dort leben, beten und arbeiten, feiern nicht allein: Hunderte Besucher waren es am 27. und 28. Juni auf dem Gelände rund um das Haus.
Ob Ehemalige, Freunde der Gemeinschaft, Frauen und Männer aus anderen Häusern oder Wohltäter – alle sind gekommen, um Gott für das große Werk zu danken, das Elvira Petrozzi 1983 gegründet hat. Sie hatte damals junge Menschen im Blick, die in tiefer Traurigkeit gefangen waren und sich in der Folge in der Abhängigkeit von Drogen verloren haben.


Ines Pavan, die ihren Ehemann verloren hatte, entschloss sich im Jahr 2005, ihr Landhaus der Gemeinschaft zu schenken. Das Haus entspricht ganz dem typischen Stil der Gemeinschaft: großzügig, von viel Land umgeben, ohne dass größere Renovierungsarbeiten notwendig waren – ein Geschenk, das von Herzen kam.
Mit der begeisterten Unterstützung der Eltern und Freunde bietet das Haus heute Frauen in Krisensituationen ein Zuhause. Gleichzeitig ist es ein wichtiger Anlaufpunkt für junge Frauen aus dieser Region, die den Wunsch haben, in die Gemeinschaft einzutreten. Neben den täglichen Arbeiten im Haus und der Bewirtschaftung eines großen Gemüsegartens fertigen die jungen Frauen Geschenkartikel und Gastgeschenke für besondere Anlässe an. Mit deren Verkauf unterstützen sie die Missionsarbeit der Gemeinschaft.

Sechs Jahre hat meine Frau in Mogliano-Veneto gelebt
Meine Frau hat sechs Jahre in diesem Haus gelebt, gebetet, anderen Frauen geholfen und das Haus geleitet. Ohne selbst eine Form der Abhängigkeit erlebt zu haben, hat sie durch ihre Zeit in der Gemeinschaft Cenacolo gelernt, sich über die kleinen Dinge des Alltags zu freuen. Neun Jahre nach ihrer Zeit in diesem Haus sind wir als Ehepaar dort und ich bin sehr dankbar, diesen Teil ihres Lebens nun vor Ort kennenlernen zu dürfen.
Anbetung, Heilige Messe und Begegnung von Herz zu Herz
Wir kommen am Samstagnachmittag in Mogliano an. Das Thermometer zeigt 38 Grad – gefühlte 40 Grad. Aber diese Herausforderung mindert die Freude nicht im Geringsten. Kaum sind wir vor dem Haus angekommen, empfangen uns die Menschen herzlich und familiär – so, wie ich es von der Gemeinschaft kenne. Es ist, wenn man so will, ein Nachhausekommen. Es fühlt sich gut an, hier zu sein. Das ist aber nicht selbstverständlich, und deshalb danken wir Gott und preisen ihn.

Don Andrea Dellatorre, einer der Verantwortlichen der Gemeinschaft, bringt das Allerheiligste in der Monstranz zum Altar. Wir beten den Rosenkranz, der musikalisch von einer Gruppe gestaltet wird. Ich bin sehr dankbar dafür, dass meine Frau diesen Weg gehen und Heilung erfahren durfte. Zwischen Gebet und heiliger Messe gibt es immer wieder die Gelegenheit zur Begegnung. Ich merke in der Herzlichkeit und der Freude, wie die Herzen zueinander sprechen. „Cor ad cor loquitur“, wie es der heilige John Henry Newman in seinem Wappenspruch definiert hat.
Das Herz spricht zum Herzen und das ist spürbar: Mit zwei älteren Damen schwelgt Claudia in Erinnerung an die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen. Regelmäßig waren diese Damen zu Gast und sind es noch heute, die mit den Mädchen basteln und Geschenke vorbereiten – mehrmals pro Woche. Doch damit nicht genug: Sie haben den Mädchen das Nähen und Häkeln beigebracht und waren für sie Familie, als die eigene Familie weit weg war. Das ist sehr emotional, vor allem dann, wenn ich merke, dass dieses Haus viele Emotionen weckt. „Wir haben hier gearbeitet, gebetet und auch geweint“, sagen Claudia und eine andere Ehemalige, als wir in der Kapelle im obersten Stock vor dem Tabernakel knien.

In diesen vielen Jahren gab es die eine oder andere Herausforderung, von der ich eine beispielhaft nennen möchte. Eines Tages war im Haus das Salz leer. Es gab keine Vorräte und auch in den Speisekammern suchten die Mädchen es vergeblich. Da die Gemeinschaft von Spenden lebt, hätten sie nicht einfach ins Geschäft fahren und welches kaufen können. Was also tun? „Beten“, sagte Mutter Elvira, die Gründerin der Gemeinschaft, immer.
Gott als Vater werde schon dafür sorgen, dass es gut geht. Und genau so war es: Nach intensivem Gebet stand auf einmal ein Mann vor der Tür, der noch nie da gewesen war und danach auch nie wiederkam; aber was war in seinem Kofferraum? Ein ganzer Karton voll Salz! Das sind die Wunder im Alltag, die wir oft übersehen, weil alles sofort und unmittelbar zur Verfügung zu stehen scheint.

„Unter uns sind Missionare aus Deutschland“
Am Sonntag steht alles im Zeichen der Mission. Auch die Freunde der Gemeinschaft sind wieder im Haus. Don Andrea spricht in der Predigt über seine Berufung zum Priester und seine Weihe. Der Bischof habe, so erinnert er sich zurück, gesagt, dass Jesus bei seinem Weg nach Jerusalem bewusst auf ein Eselfohlen gesetzt habe. „Dieser Esel seid ihr“, habe er den Priestern gesagt, aber nicht despektierlich, sondern, dass die Menge Jesus zugejubelt habe und nicht dem Esel. Dieser sei lediglich Instrument und Werkzeug gewesen. Und das seien die Priester: Diener und Überbringer der Frohen Botschaft. Sie dürfen die Sakramente der Kirche, also die Heilszeichen, spenden, Menschen aufrichten und mit Jesus bekannt machen.
Bei der Anbetung mit anschließendem Rosenkranz war es wieder möglich, danke zu sagen. Und da, muss ich sagen, hat mich die Gemeinschaft wieder überrascht. In seinen Worten erwähnte Don Andrea zwei Missionarspaare. Eine Ehemalige, die gemeinsam mit ihrem Mann nach Afrika gehen wird, um dort zu leben und zu wirken. „Und unter uns ist eine Ehemalige, die nach ihrem Austritt jemanden kennengelernt und geheiratet hat, mit dem sie heute hier ist“, sagt Don Andrea und fügt hinzu: „Sie leben in Deutschland und sind dort auf Mission!“
Ich bin sehr bewegt, als wir zum Altar gehen und ganz nah am Allerheiligsten sind. Was folgt, sind bewegende Zeugnisse von Frauen, die durch die Hilfe Gottes von der Dunkelheit ihres Lebens ins Licht geführt wurden. Ich sehe die Wunder täglich, die Gott tut, und er wird nicht müde, uns zu lieben und zu heilen. Alles, was wir dafür machen müssen, ist „Ja“ sagen und vertrauen, dass er es gut mit uns meint.
Cenacolo ermöglicht einen Weg raus aus der Traurigkeit
1983 hat die Ordensschwester Elvira Petrozzi die Gemeinschaft Cenacolo im italienischen Saluzzo unweit von Turin gegründet. Offen war und ist die Gemeinschaft für alle jungen Menschen – unabhängig von Nationalität und Religion –, die Sinnfragen quälen oder in Lebenskrisen stecken. Oftmals bricht sich diese unerfüllte Sehnsucht Bahn im Konsum von Drogen oder in anderen Abhängigkeiten. Gemeinsam machen sich die jungen Menschen auf den Weg, den Sinn ihres Lebens neu zu entdecken und einander zu helfen, der Macht von Drogen, Alkohol und anderen Süchten dauerhaft zu entkommen – durch die Hilfe der anderen und durch Gott.







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