Während ihres Lebens von 423 bis 502 vollbrachte sie zahlreiche Wundertaten, darunter auch Heilungen und Weissagungen. Sie bewahrte Paris vor den Hunnen und rettete Menschen vor der Hinrichtung durch den heidnischen König Childerich I. – so beschreibt es die „Vita Genovefa“, die kurz nach ihrem Tod verfasst wurde. Somit war sie eine wirkmächtige, religiöse Frau des Frühmittelalters.
Leben

Foto: Musée Carnavalet Acc.Nr.: P658, public domain, Wikimedia Commons (CC0)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:StGenevieve.jpg
Bereits als kleines Kind wurde sie in den Armen ihres Vaters in der Menschenmenge von Bischof Germanus als etwas Besonders erkannt. Er prophezeite ihr, dass sie einen außergewöhnlichen Lebensweg gehen wird und sie gab gleich das Keuschheitsgelübde ab; somit begab sie sich schon im Kindesalter auf den geistlichen Lebensweg.
Genovefa lebte weiterhin, auch im Erwachsenenalter bei ihren Eltern. Nach deren Tod kam sie bei Ihrer Patentante unter, denn heiraten und mit einem Mann leben durfte sie nicht. Sie ging auch nicht in ein Kloster; sie wirkte lieber auf ihre eigene Weise in der Welt und blieb stets ihrem Glauben und ihrer Unschuld treu. Sie betete regelmäßig, verpasste nie die Fastenzeit und hielt die Vigil (Nachtgebete) zu besonderen Anlässen.
Die Weissagung
Als die Hunnen vor Paris standen und drohten die Stadt zu zerstören, betete sie, denn sie war davon überzeugt, dass Jesus die Stadt beschützen würde. Sie rief sogar Matronen (wichtige, sozial angesehen Frauen) herbei, die ihren Anweisungen zum Fasten und Beten Folge leisteten. Währenddessen hielt Genovefa alle Männer, welche die Stadt verlassen wollten, dazu an, vor Ort zu bleiben, denn Jesus schützte die Stadt; auf dem Umland sei es nicht sicher. Die Männer gehorchten ihr. Dies war eine ihrer Visionen – sie wusste, dass das Umland zerstörte werden würde.
Genovefa muss eine bewegende Persönlichkeit gewesen sein, denn nur wenigen Menschen wurde so viel Glauben geschenkt. Es ist besonders bemerkenswert, dass ihr nicht nur geglaubt, sondern auch gehorcht wurde. Wahrscheinlich galt sie zu diesem Zeitpunkt bereits als eine weise Frau, denn ihre Vision sollte sich bewahrheiten: Paris blieb verschont.

Foto: Jastrow, Public domain, Wikimedia Commons (CC0)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ste_genevieve_st_etienne.jpg
Trotz der hohen Zahl an guten Taten hatte auch Genovefa Feinde. Es machten sich die Gerüchte breit, sie sei ein falscher Prophet, und die Menschen machten sich bereit sie zu steinigen. Der Bischof von Auxerre schritt ein und erinnerte sie an die Worte des Germanus, dass Genovefa bereits im Leib der Mutter von Gott auserwählt wurde. Diese Worte genügten um die Menge zu besänftigen.
Begenung mit dem Merowingerkönig
Eine äußerst bedeutende Begegnung hatte Genovefa mit dem Merowingerkönig Childerich I.
Die Merowinger, ein Königsgeschlecht des Frühmittelalters, waren zu diesem Zeitpunkt noch keine Christen, sondern Heiden. Dies macht die Darstellung der Begegnung in der Vita Genovefa besonders beindruckend, denn sie schaffte es nicht nur mit ihm zu sprechen, sondern brachte ihn auch dazu, Gefangene nicht hinzurichten. Dies war bei den heidnischen Merowingern eine gängige Praxis. Die Vita besagt sogar, dass sich die Stadttore eigenständig öffneten, als Genovefa den Gefangenen zur Hilfe eilte.
Kontakt zu Heiden und die Fähigkeit sie zu christlichen Taten zu bewegen oder sogar zu konvertieren, war im Frühmittelalter besonders hoch angesehen und war immer etwas Besonderes. Folglich wurden solche Begegnungen, wie auch in diesem Fall, gerne in Viten ausführlich beschrieben, besonders hervorgehoben und weitererzählt. Bei der Weitergabe der Geschichten, sei es mündlich oder schriftlich, wurde stets Wert auf stilistische Untermalungen gelegt.
Ihre Bedeutung
Auch heute sind diese Darstellungen vom Leben der Heiligen (in der Geschichtswissenschaft Hagiographien genannt) beindruckend zu lesen; sie bieten Einblicke in die Lebens- und Denkweise der damaligen Menschen.
Genovefa ist nicht nur aufgrund ihrer Wundertaten, sondern auch durch ihre Wirkung und den Handlungsraum, den sie hatte, beeindruckend. Bei Heilungen verwendete sie häufig das Kreuzzeichen, was sie von anderen Heiligen, welche ebenfalls keine Priesterweihe erfuhren, unterschied. Im Verlauf des Mittelalters wurde immer strenger reglementiert, wer es verwenden durfte. Hätte sie zu einer späteren Zeit gelebt, wäre das Kreuzzeichen den Priestern und Bischöfen vorbehalten gewesen.

Foto: Maximilian Kühl
Auch die Tatsache, dass sie nicht in ein Kloster gegangen war und ihr Menschen bei Weissagungen und Handlungsanweisungen gehorchten, ist bewundernswert. Zudem geht aus ihrer Vita nicht hervor, ob sie eine feste Rolle in der Katholischen Kirche spielte. Dennoch stiftete sie eine Kirche, welche vom Bischof genehmigt wurde.
Ihr Leben stellt den enormen Handlungsspielraum religiöser Frauen im Frühmittelalter dar, welcher nicht immer sofort sichtbar, aber aufgrund dessen umso interessanter ist.Nach ihrem Tod am 3. Januar 502 wurde sie in der Petrus und Paulus geweihten Kirche, die sie gestiftet hat, bestattet. Der Großteil ihrer Reliquien wurde 1793, während der französischen Revolution, öffentlich verbrannt. Die noch übergebliebenen Reste befinden sich in der le Notre Dame de Paris.






Warum Bewegung Ihre Seele trägt – und was ein Fitnessstudio mit Ihrem Wohlbefinden zu tun hat
Interessant! Gut gemacht, Max
Danke Christiane!