Am 19. September findet der vierte Marsch für das Leben in Köln gemeinsam mit Berlin statt. Mona gehört zu den Menschen, die den Kölner Marsch für das Leben von Anfang an mitorganisieren. Im Gespräch erzählt sie, warum ihr das Thema auch 2026 wichtig ist, was sie in den vergangenen Jahren bewegt hat und warum sie sich eine offene und menschliche Debatte über das Lebensrecht wünscht.

Mona, am 19. September findet der vierte Marsch für das Leben in Berlin und in Köln statt. Was bedeutet dieser Tag für dich inzwischen?
Für mich ist der Marsch viel mehr als eine einzelne Veranstaltung. Er ist ein Fest für das Leben. Ein Tag, an dem wir wieder mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammenkommen, durch die Innenstadt ziehen und zeigen: Jeder Mensch ist wertvoll und jeder Mensch soll willkommen sein.
Wir wollen Hoffnung schenken und zeigen, dass eine Gesellschaft möglich ist, in der wir füreinander einstehen. Eine Gesellschaft, in der wir gerade dann zusammenhalten, wenn das Leben schwierig wird.
Wir kommen aus unterschiedlichen Generationen und haben ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Aber uns verbindet die Überzeugung, dass jedes Leben wertvoll ist und niemand vergessen werden darf.
Was motiviert dich daran, dich für dieses sensible Thema einzusetzen?
Ich bin davon überzeugt, dass wir als Gesellschaft danach beurteilt werden, wie wir mit den Menschen umgehen, die sich selbst am wenigsten schützen können. Ein ungeborenes Kind kann nicht für sich selbst sprechen. Ein schwer kranker Mensch kann vielleicht nicht mehr selbst entscheiden. Ein Mensch mit einer Behinderung braucht möglicherweise besondere Unterstützung. Gerade dann müssen wir füreinander da sein.
Für mich ist das keine Frage von Leistung oder Nützlichkeit. Ein Mensch ist nicht deshalb wertvoll, weil er etwas leisten kann. Er ist wertvoll, weil er Mensch ist. Und diese Überzeugung möchte ich nicht nur für mich behalten, sondern gemeinsam mit anderen sichtbar machen.
Außerdem möchte ich den Menschen gerne zeigen, dass es unglaublich viele Wege gibt, sich für das Lebensrecht zu engagieren. Es muss nicht immer gleich die Organisation eines Marsches sein. Man kann zum Beispiel einer schwangeren Frau von ganzem Herzen zu ihrem Wunder gratulieren. Einer Mutter mit Kindern muss man nicht sagen: „Oh wow, Sie haben ja allerhand zu tun“ oder „Warten Sie nur, bis die in die Pubertät kommen.“ Man kann ihr stattdessen einfach zulächeln oder ihr sagen, dass sie einen tollen Job macht.
Was mich dabei besonders glücklich macht: Ich sehe immer wieder junge Menschen, die sagen: „Wir wollen nicht einfach wegschauen.“ Das macht unglaublich viel Mut.
Warum engagieren sich deiner Meinung nach besonders viele junge Menschen für den Lebensschutz?
Wir sind in einem Alter, in dem wir sehr wohl Verantwortung übernehmen wollen. Wir sind eine Generation, der oft gesagt wird, sie sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Beim Marsch erlebe ich etwas ganz anderes. Da stehen junge Menschen auf, investieren ihre Zeit und sagen: „Wir wollen, dass jeder Mensch eine Zukunft bekommt“. Das finde ich großartig.
Und ich glaube, dass gerade junge Menschen verstehen, wie wichtig Freiheit und Gerechtigkeit sind. Viele haben ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Sie wollen nicht einfach akzeptieren, dass der Wert eines Menschen davon abhängt, ob er geplant war, gesund ist oder gerade in das eigene Leben passt. Und Freiheit bedeutet für mich eben nicht nur, möglichst viele Möglichkeiten für sich selbst zu haben. Freiheit bedeutet auch, Verantwortung für andere zu übernehmen.
Ich erlebe dabei sehr unterschiedliche Menschen: Studierende, Berufstätige, junge Familien, Menschen mit ganz unterschiedlichen politischen und persönlichen Hintergründen. Was sie verbindet, ist die Überzeugung, dass gerade die Schwächsten unseren Schutz verdienen.
Man könnte aber fragen: Was verändert ein Marsch überhaupt? Einmal im Jahr durch Berlin und durch Köln zu gehen ist das eine – aber was bewirkt das darüber hinaus?
Der Marsch kann nicht alles sein. Ein Tag im Jahr verändert keine Lebensentscheidung. Keine Grundeinstellung. Keine Gesellschaft. Aber er kann ein Anfang sein.
Der Marsch für das Leben ist das Sprungbrett, nicht das Ziel. Wer hingeht, geht nicht nur mit einem großartigen Erlebnis nach Hause, sondern auch mit einer Aufgabe. Beratung, konkrete Hilfe für Schwangere, Begleitung von Frauen in Not, politische Arbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Jugendarbeit und vieles mehr: Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich einzubringen. Jeder kann die Aufgabe finden, die den eigenen persönlichen Talenten entspricht und sie zur Entfaltung bringt.
Der Marsch ist für mich deshalb vor allem ein sichtbarer Moment, an dem viele Menschen gemeinsam sagen: Dieses Thema ist uns wichtig. Wir wollen nicht wegschauen.
Wie kommt es, dass ihr mit guter Laune auf die Straße geht, obwohl das Thema an sich oft traurig und belastend ist?
Weil das Leben selbst ein Grund zur Freude ist!
Diese Lebensfreude ist für mich kein Widerspruch zum Ernst des Themas. Sie ist sogar ein Teil unserer Botschaft: Wir sind überzeugt, dass Leben Zukunft bedeutet. Dass jeder Mensch etwas zu unserer Gesellschaft beitragen kann. Dass wir Hoffnung haben dürfen. Für Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Deshalb gehören für mich Musik, Begegnungen und eine gute Atmosphäre genauso dazu wie die ernsten Inhalte.
Wir dürfen traurig über menschliches Leid sein und gleichzeitig die Freude am Leben feiern. Beides widerspricht sich nicht.
Was wünschst du dir für die gesellschaftliche Debatte über Abtreibung und Lebensschutz?
Ich wünsche mir, dass wir wieder stärker miteinander statt übereinander sprechen. Wir dürfen unterschiedliche Meinungen haben. Aber wir sollten den Menschen hinter der Meinung nicht vergessen.
Eine Frau in einer schwierigen Schwangerschaft ist keine politische Debatte. Sie ist ein Mensch, der vielleicht Angst hat und Unterstützung braucht. Und jemand, der sich für das ungeborene Leben einsetzt, sollte nicht automatisch in eine Schublade gesteckt werden. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wir uns gegenseitig mehr zutrauen: dass wir schwierige Situationen gemeinsam bewältigen können, dass wir füreinander Verantwortung übernehmen und dass wir nicht vorschnell sagen: Das geht nicht.
Für mich ist es nicht das Ziel, in einer Gesellschaft zu leben, in der Abtreibung verboten ist, sondern in einer Gesellschaft zu leben, in der Abtreibung undenkbar ist.
Wenn eine Frau sagt: „Es ist mein Körper, meine Schwangerschaft und deshalb auch meine Entscheidung“ – was antwortest du ihr?
Ich würde ihr sagen: Ich verstehe, warum du das so empfindest. Eine Schwangerschaft betrifft deinen Körper, dein Leben und deine Zukunft ganz unmittelbar. Deshalb müssen deine Ängste, deine Wünsche und deine persönliche Situation unbedingt ernst genommen werden.
Gleichzeitig würde ich sie fragen: Geht es bei einer Schwangerschaft wirklich nur um meinen Körper? Denn da ist noch ein anderer Mensch, der von Anfang an ein eigenes Leben trägt, auch wenn er vollkommen von seiner Mutter abhängig ist und sich selbst noch nicht schützen kann.
Die meisten Frauen wollen nicht abtreiben, weil sie „kein Bock“ auf das Kind haben. Es sind meistens andere Umstände wie: Geld, Unterstützung des Partners, gesellschaftliche Anerkennung oder die bloße Angst, ihr Leben könnte aus den Fugen geraten. Deshalb ist unsere Aufgabe, ihr zu sagen: Du bist nicht allein. Wir helfen dir. Wir finden gemeinsam einen Weg.
Du sprichst viel davon, Frauen zu unterstützen. Aber am Ende bleibt die Frau es, die Schwangerschaft und Geburt tragen muss. Wie kann man deshalb für das ungeborene Leben eintreten, ohne ihr das Gefühl zu geben, über ihr eigenes Leben werde hinwegentschieden?
Ich finde, wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir über das Leben einer anderen Frau urteilen. Ich kenne ihre Geschichte nicht und ich möchte niemanden verurteilen. Aber ich glaube, wir dürfen zwei Dinge gleichzeitig sagen: Ja, eine Schwangerschaft kann eine enorme Belastung sein – und ja, das ungeborene Kind ist trotzdem ein Mensch, dessen Leben schützenswert ist.
Deshalb möchte ich die Frage nicht bei „Was soll die Frau jetzt tun?“ stehen lassen. Ich möchte sie weiterdenken: Was können wir als Gesellschaft tun, damit sie diese Situation nicht als unlösbares Problem erleben muss?
Wenn eine Frau Angst vor Armut hat, brauchen wir Unterstützung. Wenn sie um ihre Ausbildung fürchtet, brauchen wir Lösungen. Wenn der Partner sie unter Druck setzt, braucht sie Menschen, die hinter ihr stehen. Und wenn sie einfach Angst vor der Zukunft hat, braucht sie jemanden, der ihr Mut macht.
Ich glaube, echte Wahlfreiheit entsteht dort, wo eine Frau nicht aus Angst oder mangelnder Unterstützung das Gefühl bekommt, nur einen einzigen Ausweg zu haben. Genau dafür möchte ich mich einsetzen.
Was möchtest du Menschen mitgeben, die am 19. September noch überlegen, ob sie nach Berlin oder Köln kommen sollen?
Ich würde sagen: Kommt nach Berlin oder Köln und erlebt den Tag selbst! Ihr müsst nicht auf jede Frage schon eine fertige Antwort haben. Vielleicht bringt ihr eure eigenen Fragen mit, vielleicht eine persönliche Geschichte oder einfach die Neugier, einmal zu sehen, wie man das Leben feiern kann.
Für mich ist der Marsch eine Einladung, gemeinsam darüber nachzudenken, in welcher Gesellschaft wir leben möchten. In einer Gesellschaft, in der jeder Mensch willkommen ist. In der niemand mit seinen Ängsten und Sorgen allein gelassen wird. In der wir Frauen in schwierigen Situationen unterstützen und gleichzeitig für diejenigen einstehen, die selbst keine Stimme haben.
Ich freue mich deshalb auf die vielen Menschen, die gemeinsam auf die Straße gehen, auf Begegnungen, Gespräche, Musik und ganz viel Lebensfreude. Wir wollen zeigen: Lebensschutz bedeutet, füreinander einzustehen.






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