Wer eine alte Kirche betritt, sieht meist mehr als nur Säulen, Fenster und einen Altar. Hinter dem scheinbar vertrauten Kirchenraum steckt eine jahrhundertealte architektonische Ordnung. Was unterscheidet Hauptschiff und Seitenschiff? Wo liegen Vierung, Chor und Apsis – und warum erinnert der Grundriss vieler Kirchen an ein Kreuz? Ein Blick auf die Basilika zeigt, wie Architektur den Kirchenraum bis heute prägt.

Die Ursprünge der Basilika als Bautyp
Im Lateinischen basilica und im Griechischen basilikē stoā steht das Wort für eine Königshalle. Auf dem Markt von Athen bezeichnete die Basilika das Amtsgebäude des archōn basileus. Dieser war für die Leitung von Opfern und religiösen Festen zuständig. Hingegen erfüllte die Basilika im Römischen Reich die Funktion einer langgestreckten Halle für Märkte und Gerichtsverhandlungen.
Bereits hier war der Bautyp in mehrere Bereiche unterteilt und teilweise sogar zweistöckig angelegt. Das Christentum übernahm dann nicht nur die Bezeichnung, sondern auch die römische Grundform für seine frühen Kirchenbauten im 4. Jahrhundert. Besonders bis zum Ausgang des Mittelalters blieb dieser Bautyp für abendländische Kirchenbauten bestimmend.
Zurückdrängungen, beispielsweise durch die Hallenkirche in der Spätgotik, erfolgten nur zeitweise, während sich an Standorten wie Ägypten, Byzanz und Armenien die Kuppelbasilika seit dem 6. Jahrhundert durchsetzte. Bauentscheidungen im 4. Jahrhundert legten den Grundstein für die architektonische Ausführung des Kirchenbaus im kreuzförmigen Grundriss, auch bekannt als Kreuzbasilika.

Das Hauptschiff (1)
Mit dem vorliegenden Schema sollen nun acht wichtige Bereiche einer Kreuzbasilika erläutert werden, die der persönlichen Orientierung im Kirchenraum dienen. Hierbei bietet es sich an, mit dem zentralen Raum der Kirche anzufangen. Diesen bezeichnet man als Hauptschiff bzw. Mittelschiff.
Häufig befindet sich hier für die Teilnehmer des Gottesdienstes das Kirchengestühl.
Die Seitenschiffe (2) und das Langhaus (3)

Durch Säulen, Pfeiler oder sogenannte Arkaden vom Hauptschiff getrennt, werden die angrenzenden Schiffe als Seitenschiffe bezeichnet. Sie sind niedriger ausgeführt als das Hauptschiff. Die Gesamtheit aus dem Hauptschiff und den Seitenschiffen bezeichnet man als Langhaus. Dies ist nicht mit dem Hauptschiff zu verwechseln. Zwar befindet sich in jedem Langhaus ein Mittelschiff, aber das Mittelschiff selbst ist lediglich ein Bestandteil des Langhauses.
Dreischiffig, vierschiffig oder fünfschiffig?
Häufig ist innerhalb der Kunstgeschichte von drei- oder sogar fünfschiffigen Basiliken die Rede. Die Anzahl ergibt sich aus der Summe von Haupt- und Seitenschiffen.

Querschiff/Querhaus (4) und Vierung (5)
Beitragend zur Bezeichnung der Kreuzbasilika verläuft im rechten Winkel zum Langhaus das Querschiff bzw. das Querhaus. Die Decke des Querschiffes entspricht von ihrer Höhe derjenigen des Mittelschiffs. Als Treffpunkt von Langhaus und Querschiff ist die Vierung eine architektonische Abgrenzung zum Chor.

Chor (6), Apsis (7) und Narthex (8)
Seit der karolingischen Zeit ist der Chor der geläufige Begriff für den Raum vor dem Hochaltar. Den östlichen Abschluss bildet die Apsis, in der sich meist der Altar befindet. Hingegen bezeichnet der Begriff Narthex die vergitterte Vorhalle zum Mittelschiff.
Fazit: Kirchen mit neuen Augen sehen
In Europa gibt es zahlreiche Beispiele für die Basilika als architektonischen Bautyp von Kirchenbauten. Von italienischen Bauten wie der in Ravenna gelegenen Sant’Apollinare in Classe bis hin zu den zahlreichen romanischen Basiliken in Köln: Die architektonische Vielfalt der Kirchenbauten lädt immer zum genaueren Hinschauen ein.
Besonders mit grundlegenden Kenntnissen der Kirchenarchitektur verändert sich der persönliche Blick auf den Kirchenbesuch.
Weiterführende Literatur
- Binding, Günther/Koepf Hans: Bildwörterbuch der Architektur, 4. Auflage, Stuttgart [2005].
- Hecht, Josef: Basilika, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. 1, Stuttgart [1937], Sp. 1480-1488.
- Untermann, Matthias: Handbuch der mittelalterlichen Architektur, Darmstadt [2009].






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