Was haben Asterix, Lucky Luke und der Kleine Nick gemeinsam? All diesen Figuren hauchte der französische Comic-Autor René Goscinny Leben ein. Wie kaum ein Zweiter prägte er die europäische Comic-Welt und gab dem Medium neues Profil. Am morgigen 14. August 2026, wäre Goscinny 100 Jahre alt geworden. Grund genug, um auf ein sein Leben und einige besondere Klassiker zurückzublicken.

ReneGoscinny –
Foto: Studio Harcourt, Public domain, Wikimedia Commons (CC0)
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Seinen Humor zum Beruf machen und die Menschen einfach zum Lachen bringen; dieser Wunsch bestimmte das Leben des René Goscinny. Doch der Weg dahin war für den in Paris geborenen Sohn osteuropäischer Juden kein leichter. Bereits ein Jahr nach seiner Geburt, im Jahr 1927, verschlug es die Familie nach Argentinien, wo Goscinny eine französische Schule besuchte und seine gesamte Kindheit und Jugend verbrachte. 1943 verstarb sein Vater. Zusammen mit seiner Mutter wanderte Goscinny nach New York aus. Das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ stellte ihm jedoch zahlreiche Hindernisse in den Weg. Er hatte sprachliche Schwierigkeiten und musste sich von Job zu Job hangeln.
Goscinny und Uderzo
1950 führte es René Goscinny nach Europa, zunächst nach Brüssel und später nach Paris. Der belgische Zeichner Maurice de Bévère (bekannt als „Morris“) hatte ihn zuvor darin bestärkt, weiter an Comics zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt konnte beide noch nicht ahnen, dass sie bis zu Goscinnys Tod gemeinsam die Geschichten des Cowboys Lucky Luke erzählen würden.
1951 traf Goscinny auf den Zeichner Albert Uderzo. Das Zusammentreffen sollte das Leben des beiden komplett verändern. Goscinny und Uderzo schufen zusammen zahlreiche Figuren, allen voran den unbeugsamen Gallier Asterix. Im Jahr 1959 gründeten sie mit weiteren Freunden das Jugend-Magazine Pilote. Asterix war von Beginn an Teil der wöchentlichen Ausgaben. Die Geschichten des gallischen Kriegers wurden in dem Magazin Seite für Seite veröffentlicht und erschienen später als gesamtes Album.
Goscinny als Texter, Chefredakteur und Mensch
René Goscinny war von 1963 bis 1974 Chefredakteur von Pilote. Sowohl seine Persönlichkeit als auch seine Arbeit als Texter prägten das Magazin. So war Goscinny, wie er selbst sagte, ein sehr schüchterner Mensch, der viel aus Ängsten heraus handelte. Schon als Kind sei er allein aus Angst vor Ärger ein guter Schüler gewesen. Mit seinem Humor versuchte er diese Ängste zu überdecken. Seine Weggefährten berichten, dass Goscinny eine Neigung zu Extremen hatte. Sei es seine penible Ordnung, seine warmherzige Freundlichkeit aber auch sein Hang zur Verzweiflung und Zornigkeit gewesen.
Da René Goscinny in erster Linie selbst Schreiber war, hatte er in seiner Position als Chefredakteur von Pilote viel Verständnis für die Ideen der Autoren. Er ließ ihnen große Freiheit in der Gestaltung ihrer Comics und ermutigte die einzelnen Künstler stets, das zu kreieren, was ihnen am Herzen lag. Möglich war diese künstlerische Freiheit allein durch den enormen finanziellen Erfolg der Asterix-Reihe.
Stil und Humor
Der Erfolg von René Goscinny lag nicht zuletzt in seiner Art Geschichten zu schreiben. Wichtiger Bestandteil der Comics waren die „Running Gags“, die sich sowohl durch einzelne Episoden als auch durch gesamte Reihen zogen. Laut dem französischen Zeichner Jean Giraud gehe es dabei um „das Beruhigende in der Wiederholung“. Man kann dadurch immer wieder zu bekannten Aspekten der Erzählung zurückkehren und wird darin bestätigt, „wie gut man die betreffende Figur kennt“.
Der französische Schriftsteller Didier van Cauwelaert sieht in Goscinnys Werken eine „wahre Liebe zur menschlichen Natur mit allen ihren Schwächen“. René Goscinny konnte seine Figuren in Szene setzten, er ließ sie sich entwickeln und lernte sie selbst von Zeit zu Zeit zu verstehen. Er ließ seine Figuren „sie selbst sein“ und schuf mit ihnen einen Humor, der nicht nötig hatte, jemanden herabsetzten.
Humoristisches Erbe
Ab 1968 entstanden innerhalb der Pilote-Redaktion mehr und mehr Differenzen, sodass Goscinny und Uderzo das Magazin im Jahr 1974 verließen. Zusammen gründeten sie unter anderem das Zeichentrickfilm-Studio Idéfix. Die neuen Asterix-Bände erschienen fortan ohne Vorabveröffentlichung als komplettes Album.
Am 5. November 1977 starb René Goscinny unerwartet an einem Herzinfarkt während eines ärztlichen Belastungstests. Er hinterließ seine Ehefrau Gilberte sowie ihre gemeinsame neunjährige Tochter Anne. Zudem hinterließ René Goscinny der Welt ein umfangreiches literarisches und humoristisches Werk. Trotz seines frühen Todes mit nur 51 Jahren konnte er ohne Zweifel seinen Wünsch verwirklichen, die Menschen einfach zum Lachen zu bringen.
Fünf Asterix-Lesetipps zum Einstieg
Laut Guy Vidal, einem Weggefährten Goscinnys und späteren Chefredakteur von Pilote, haben erst „dank Asterix Erwachsene angefangen, Comics zu lesen, ohne rot zu werden und sich zu schämen.“ Und tatsächlich ist Asterix auch heute noch eine humorvolle Unterhaltung für alle Altersgruppen. Aber wo sollte man mit dem Lesen und Lachen anfangen, wenn man die Reihe noch gar nicht kennt oder das letzte Lesen schon Jahrzehnte zurückliegt?
Diese kleine Liste mit fünf Titeln soll eine Einstiegshilfe in die Welt der unbeugsamen Gallier bieten. Es sind meine persönlichen Tipps; Alben, die mir immer wieder Freude bereiten und die, wie ich finde, die klassische Schaffenszeit von Goscinny und Uderzo gut repräsentieren. Die angegebene Jahreszahl bezieht sich dabei auf die Erstveröffentlichung der originalen französischen Ausgaben; die Band-Nummer entspricht jeweils der Reihenfolge der deutschen Übersetzung.
1. Asterix als Legionär (1967 / Band 10)
Eine erschütternde Nachricht erreicht das gallische Dorf, das den römischen Eindringlingen Widerstand leistet: Tragicomix, der Verlobte von Falbala, wurde in die römische Armee eingezogen und soll in Afrika für Cäsar in den Krieg ziehen. Asterix und Obelix handeln sofort! Um den Vermissten zu finden, müssen sie selbst in die Legion eintreten und treiben zusammen mit ihren Leidensgenossen die römischen Ausbilder in den Wahnsinn.
Der 10. Band der Reihe vereint alles, was an Asterix so liebenswert ist: eine schöne Geschichte, wundervoll geschriebene Charaktere, die typischen Running-Gags und ein Humor, der auch nach mehrmaligem Lesen noch seine Wirkung entfaltet.
2. Asterix bei den Briten (1966 / Band 8)
Asterix Vetter Teefax aus Britannien braucht Hilfe! Auch er lebt in einem Dorf, das den Römern noch Widerstand leisten kann. Begleitet von Asterix, Obelix und einem Fass voll Zaubertrank macht sich Teefax auf den Weg in seine Heimat. Doch die Reise bereitet mehr Schwierigkeiten als gedacht. Sobald die Römer von der geheimen Mission der Gallier erfahren, setzen sie alles daran, die Lieferung des Trankes aufzuhalten.
„Asterix bei den Briten“ zeigt hervorragend, wie Goscinny und Uderzo mit Stereotypen spielen und diese für ihren Humor einsetzen. Ob Tee, britisches Essen oder Sportbegeisterung – die Autoren karikieren die Inseleuropäer in gekonnter Weise. Ein wahrer Lesespaß mit Lachgarantie!
3. Asterix bei den Olympischen Spielen (1968 / Band 12)
Dass Asterix bei den Olympischen Spielen sich einen Platz in dieser Liste sichern konnte, liegt nicht allein an der Tatsache, dass der Band mein persönlicher Liebling ist. Ohne dem Geist der Reihe untreu zu werden, macht der Comic einiges anders. So müssen die Gallier zum Beispiel endlich bekennen, dass sie „Römer“ sind. Auch erleben dieses Mal nicht nur Asterix und Obelix ein großes Abenteuer, sondern das halbe Dorf zieht für eine Weile in die Fremde. Und schließlich bekommen die Römer (fast) nur sportlich „auf die Mütze“.
Asterix bei den Olympischen Spielen bietet viel Abwechslung und bietet dem Leser durch zahlreiche Details einen schönen Einblick in die griechische Kultur und Lebensfreude; Happy End inklusive!
4. Tour de France (1965 / Band 6)
Der römische Beauftragte Lucius Nichtsalsverdrus mischt sowohl die Besatzer als auch das gallisches Dorf mächtig auf. Um die störenden Gallier „verschwinden zu lassen“, errichtet er kurzerhand eine hohe Palisade um den Heimatort von Asterix. Dieser will sich die Freiheit nicht nehmen lassen und geht mit dem Römer eine Wette ein, die unsere gallischen Helden auf eine Reise durch ihr ganzes Heimatland führt.
Auf der Tour de France lernt der Leser zusammen mit Asterix und Obelix die verschiedenen Regionen Galliens und ihre Eigenarten kennen. Ein rundum schöner Band, der seinerzeit den Erfolg der Asterix-Reihe weiter vorantrieb. Und die Freude am Lesen wird durch aufmerksame Beobachtung der Zeichnungen nur noch größer!
5. Asterix der Gallier (1961 / Band 1)
Der erste Asterix darf natürlich nicht fehlen! Noch mit vielen Ecken und Kanten und auch einem recht bissigen Humor ist und bleibt Asterix der Gallier ein „Must-Read“ und eine klare Einstiegsempfehlung für die Reihe. Der Fokus liegt auf dem Titel-gebenden Helden, der zusammen mit dem Druiden Miraculix die Römer im Legionslager Kleinbonum zum Narren hält. Zwar fehlen noch viele gallische Charaktere, die über die Jahre zum festen Bestand des Dorfes werden, aber mit Erdbeeren, Entführungen und Haarwuchsmittel hat der Band alles, was es für eine spannende Geschichte braucht! Wer einmal den ersten Band liest, wird womöglich bald eine kleine Asterix-Bibliothek zuhause haben.






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