Vom 26. bis 30. August wird Köln zum Treffpunkt der internationalen Games-Branche. Mehr als 1.600 Aussteller, große Spielemarken, Indie-Studios und Hunderttausende Fans werden erwartet. Es geht aber nicht nur um Spiele, sondern auch um Technologie, Gemeinschaft und die Frage, welche Rolle Games in unserer Zukunft spielen.

Noch bevor die ersten Besucher durch die Hallen der Koelnmesse strömen, zeichnet sich ab, dass die gamescom 2026 eine besondere Ausgabe werden könnte. Die Ausstellungsfläche ist erstmals in der Geschichte der Veranstaltung vollständig ausgebucht. Auf rund 233.000 Quadratmetern – einer Fläche von etwa 33 Fußballfeldern – präsentieren sich mehr als 1.600 Aussteller aus 67 Ländern. Rund 70 Prozent der Unternehmen kommen aus dem Ausland. Damit stellt die gamescom ihren bisherigen Ausstellerrekord aus dem Jahr 2025 ein.
Die Dimensionen der Veranstaltung sind allein von ihren Zahlen beeindruckend: Im vergangenen Jahr kamen 356.000 Menschen aus mehr als 128 Ländern nach Köln. 1.568 Unternehmen aus 72 Ländern waren vertreten. Über die digitalen Angebote der gamescom wurden zudem rund 1,1 Milliarden Video-on-Demand-Aufrufe erzielt.
Für 2026 erwarten die Veranstalter erneut eine Besucherzahl auf diesem Niveau. Der Besucherrekord von 2019 liegt bei 373.000 Menschen – eine Marke, die trotz des enormen Wachstums bewusst nicht um jeden Preis übertroffen werden soll. Die Qualität des Messeerlebnisses und die Begrenzung der Ticketzahlen spielen inzwischen eine größere Rolle.
Eine Woche voller Spiele und Premieren
Offiziell beginnt die gamescom bereits am 24. August mit der gamescom dev für Entwicklerinnen und Entwickler. Am Abend des 25. August folgt die große „Opening Night Live“, bevor die Messe vom 26. bis 30. August für Fachbesuchende und Publikum ihre Tore öffnet.
Für Spielefans bedeutet das fünf Tage voller Neuheiten, Demos und Präsentationen. Große Namen der Branche sind vertreten – darunter Xbox, Nintendo, Ubisoft, SEGA, Bandai Namco und HoYoverse. Die offizielle Ausstellerdatenbank der gamescom umfasst dabei Unternehmen aus zahlreichen Ländern und nahezu allen Bereichen der Games-Branche.
Besonders spannend dürfte dabei die Mischung aus bekannten Blockbustern und neuen Ideen werden. Xbox etwa feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen und bringt nach aktuellen Ankündigungen 25 Spiele nach Köln. Dazu gehören unter anderem neue Einblicke in Fable, Gears of War: E-Day und Metro 2049.
Auch die Opening Night Live am 25. August verspricht große Ankündigungen und Weltpremieren. Die Show hat sich in den vergangenen Jahren zu einem eigenständigen globalen Medienereignis entwickelt und erreicht längst auch Menschen, die gar nicht nach Köln reisen.
4,2 Milliarden Euro – Gaming ist längst ein Wirtschaftsfaktor
Der Hype um die gamescom hat einen wirtschaftlichen Hintergrund. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 4,2 Milliarden Euro mit Games, Games-Hardware und Online-Gaming-Services umgesetzt. Zwar liegt der Markt damit drei Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums, doch die Größenordnung zeigt, welche Bedeutung Gaming inzwischen besitzt.
Den größten Anteil machen Games sowie In-Game- und In-App-Käufe mit rund 2,3 Milliarden Euro aus. Weitere 1,3 Milliarden Euro entfielen auf Konsolen, Gaming-PCs und Zubehör. Online-Gaming-Services erreichten 556 Millionen Euro und wuchsen damit sogar um drei Prozent.
Die Entwicklung zeigt zugleich, wohin sich der Markt bewegt: weg vom alleinigen Verkauf eines einzelnen Spiels, hin zu digitalen Plattformen, Services und dauerhaft betriebenen Spielwelten.

Games machen Lust auf Zukunft
Genau hier setzt das diesjährige Leitthema an: „Games machen Lust auf Zukunft“.
Der Slogan soll nicht nur die technische Entwicklung der Branche beschreiben. Eine aktuelle repräsentative YouGov-Erhebung zeigt, dass sechs von zehn Menschen in Deutschland – 60 Prozent – davon überzeugt sind, dass Games die Entwicklung zukünftiger Technologien vorantreiben. Bei den unter 25-jährigen Spielenden sagen sogar 62 Prozent, dass Games sie dazu motivieren, sich für eine bessere Zukunft zu engagieren.
Für die gamescom ist Gaming deshalb längst ein gesellschaftliches Thema.
Das zeigt auch der gamescom congress am 27. August. Dort geht es unter anderem um künstliche Intelligenz, Bildung, Gesundheit, Nachhaltigkeit, digitale Kultur und gesellschaftliche Innovation. Der Kongress richtet sich ausdrücklich auch an Menschen außerhalb der klassischen Games-Branche – etwa aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Bildung oder Gesundheitswesen.
Können Computerspiele Demokratie?
Eine der interessantesten Fragen der diesjährigen gamescom lautet deshalb: Was können Games für die Gesellschaft leisten?
Die Zahlen aus der aktuellen Befragung sind bemerkenswert. 85 Prozent der Menschen in Deutschland sehen positive Auswirkungen der Games-Community auf das Gemeinschaftsgefühl. 83 Prozent erkennen einen Beitrag zur Toleranz gegenüber anderen Menschen und 80 Prozent bei Integration und Teilhabe.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – 57 Prozent – ist außerdem der Meinung, dass die Politik das Potenzial von Games für die Demokratiebildung bislang unterschätzt hat.
Diese Diskussion bekommt 2026 zusätzliche politische Aufmerksamkeit. Mit EU-Kommissions-Vizepräsidentin Henna Virkkunen, Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bundesforschungs- und Games-Ministerin Dorothee Bär und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst werden hochrangige politische Vertreter zur gamescom erwartet. Am 27. August kommt zudem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Köln. Er eröffnet den gamescom congress – als erster deutscher Bundespräsident überhaupt bei der gamescom.
Kleine Studios, große Ideen
Ein besonderer Schwerpunkt liegt 2026 außerdem auf den Indie Games.
17 Millionen Menschen in Deutschland spielen nach Angaben des Branchenverbands Indie Games. Und gerade die kleinen Studios genießen beim Publikum hohes Ansehen: 82 Prozent der Spielenden bewundern, was kleine Entwicklerteams mit moderner Technologie schaffen.
Dabei kommt es nicht unbedingt auf spektakuläre Grafik oder gigantische Budgets an. Für 73 Prozent der Befragten sind kreative Spielkonzepte das wichtigste Merkmal eines Indie Games. Danach folgen die Geschichte mit 68 Prozent und ein besonderer Grafikstil mit 65 Prozent.
Das macht die Indie-Szene zu einem der spannendsten Bereiche der Messe: Hier entstehen häufig Spiele, die mit ungewöhnlichen Ideen experimentieren und zeigen, was möglich ist, wenn nicht ein riesiges Produktionsbudget, sondern eine gute Idee im Mittelpunkt steht.
Welchen Platz bekommen virtuelle Spiele in unserem Leben?
Die gamescom zeigt, wie viel Kreativität, Gemeinschaft und technologische Kraft in Games stecken – und wirft zugleich die Frage auf, welchen Platz digitale Spiele in unserem Leben einnehmen. Je überzeugender virtuelle Welten werden, desto wichtiger wird ein bewusster Umgang mit ihnen. Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit sollen sie bekommen? Wo beginnt Unterhaltung, unsere Gewohnheiten zu bestimmen? Und wie lassen sich die Chancen digitaler Spiele nutzen, ohne dass das reale Leben dabei an Bedeutung verliert?
Die gamescom 2026 liefert darauf keine einfachen Antworten. Sie zeigt, wie selbstverständlich Games inzwischen Teil unserer Gesellschaft geworden sind – als Unterhaltung, Wirtschaftsfaktor, technologisches Experimentierfeld und Ort der Begegnung. Gerade deshalb lohnt sich der Blick über den Bildschirm hinaus. Echte Beziehungen, persönliche Verantwortung und die unmittelbare Erfahrung der Wirklichkeit bleiben Werte, die auch die faszinierendste virtuelle Welt kaum ersetzen kann.
So geht es auf der gamescom am Ende um mehr als die Frage, was wir künftig spielen werden. Es geht auch darum, welche Rolle das Spielen künftig in unserem Leben spielen soll.






Wird KI das in Zukunft ersetzen? – Warum die Antwort öfter “nein” lautet, als du denkst
Schreibe einen Kommentar