Suchterkrankungen spielen eine immer größere Rolle in unserer Gesellschaft; gerade junge Menschen sind besonders gefährdet. Dies liegt an verschiedenen Faktoren, wie erhöhter Risikobereitschaft und der nicht vollständigen Entwicklung bestimmter Gehirnareale. Aber auch an den steigenden Online-Angeboten und den damit sinkenden Hürden.
Mechanismen hinter der Sucht

Eine Spielsucht ist eine psychische Störung und Verhaltenssucht, die es Betroffenen unmöglich macht, auf Glücksspiele, Computerspiele, Gewinnspiele, Wetten oder Ähnliches zu verzichten. Selbst dann, wenn private, persönliche oder finanzielle Probleme entstehen. Bei einer Umfrage im Rahmen der Glücksspiel Survey 2025 gaben 11,6% der 16- bis 18-Jährigen an, an Glücksspielen teilgenommen zu haben, obwohl es für unter 18-Jährige in Deutschland verboten ist. Bei den 18- bis 20-Jährigen sind es 23,5% und bei den 21-15- Jährigen 31,0%.
Die Ursachen einer Spielsucht sind vielfältig. Das Glücksspiel stimuliert Belohnungssysteme, wobei vermehrt der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet wird. Dopamin löst intensive Glücksgefühle aus. Das Gehirn gewöhnt sich an den hohen Pegel und verlangt nach mehr.
Neben den biologischen Faktoren im Gehirn dient Glücksspiel oft als Bewältigungsstrategie, um dem Alltag zu entfliehen oder negative Gefühle zu betäuben.
Glücksspiele nutzen diese Effekte aus und setzen maximale Reize. Der leichte Zugang zu Online-Casinos und Spielhallen rund um die Uhr begünstigt die Entstehung der Sucht.
Glücksspiel und Social Media
Gerade Social Media spielt bei jungen Menschen und Spielsucht eine große Rolle. Auf Instagram, TikTok oder Facebook werden Nutzer:innen häufig Glücksspielanzeigen oder Sportwettenangebote ausgespielt. Aber auch Influencer:innen machen Werbung für Glücks- oder sogenannte Cashbackspiele. Zusätzlich ist der Algorithmus ein wichtiger Faktor, denn wer Interesse an Glücksspiel oder Ähnlichem zeigt, dem werden diese Inhalte vermehrt angezeigt. Dadurch häufen sich die Gedanken an Glücksspiele und die Wahrscheinlichkeit zu wetten oder zu spielen, erhöht sich.
Durch die Beiträge werden vor allem große Gewinne gezeigt. Viel seltener zu sehen, sind die Verluste, die durch Glücksspiel entstehen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Glücksspiel erfolgreicher sei, als es tatsächlich der Fall ist. Dadurch kommt es zu einer Überschätzung der eigenen Gewinnchancen und man läuft Gefahr in eine Spirale zu geraten.
Sozialer Druck und Streamer:innen
Wenn Freund:innen, Influencer:innen oder Online-Communitys über Sportwetten, Online-Casinos oder Gewinne sprechen, kann das Glücksspiel als normal oder sogar erstrebenswert erscheinen. Dadurch kann es passieren, dass Menschen beginnen zu spielen oder ihre Einsätze zu erhöhen, um dazuzugehören. Bei Personen, die Glücksspielsüchtig oder risikohafte Spieler:innen sind, können Bilder von Gutscheinen, Casinospiele oder Gewinnmeldungen starke Spielimpulse auslösen und zu Rückfällen führen. Gerade auf Socialmedia ist Glücksspiel eine Art der Unterhaltung, bei der die Risiken häufig ausgeblendet werden. Streamer wie MontanaBlack oder Knossi sind in der Vergangenheit oft in Kritik geraten, da sie eben solche Glücksspiel-Streams und damit Unmengen an Geld machten – ohne Rücksicht darauf zu nehmen, welche Auswirkungen das auf ihre Community hat. Diese Unterhaltung, verbunden mit einem Lifestyle, der erstmals unerreichbar erscheint, kann sehr erstrebenswert wirken. Die Verluste, die bei Glücksspiel aber an der Tagesordnung stehen, werden dabei völlig ausgeblendet.
Hinzu kommt, dass es bereits Fälle gab, in denen die Streamer:innen spezielle Konten der Casinos bekamen, bei denen kostenloses Guthaben (“Fun Money”) vorhanden war. Casino-Anbietende nutzen Streamer:innen gezielt für Werbung und geben diesen günstigere Konditionen oder ersetzen Verluste. Rakeback oder Affiliate-Programme sorgen dafür, dass die Streamer:innen Geld dafür erhalten, dass Zuschauer:innen ihren Link nutzen, um sich im Casino anzumelden oder dort Geld auszugeben. Die Content-Creator verdienen also effektiv daran, andere in Casinos und damit in Verluste zu stürzen.
Cashbackspiele fördern die Sucht
Einige Streamer:innen oder Content-Creator machen Werbung für sogenannte Cashback-Spiele, bei denen man angeblich Geld dafür erhalten kann, wenn man Handyspiele spielt. Die Werbung dafür verspricht einfach gesagt einen großen und schnell zu erreichenden Reichtum;, in der Realität verdient man aber nicht viel oder zahlt sogar noch drauf. Die ARD hat in ihrem Format Marktcheck einen Selbstversuch gestartet und auch mit einem COO einer dieser Cashback Firmen (Freecash) gesprochen. Dort wurde sichtbar, dass es sehr zeitintensiv ist, mit diesem System Geld zu verdienen. Oft entstehen die größten Prämien dadurch, dass man zunächst erst einmal selbst Geld in ein Spiel investieren muss. Den Link zu dem Video findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=spdrBda3NqY.
Viele dieser Cashback-Spiele enthalten ein hohes Suchtpotenzial und verlocken oft dazu In-App-Käufe zu tätigen. Viele der Angebote sind darauf ausgelegt, Geld zu investieren, um die Ziele schneller erreichen zu können. Die meisten Spiele sind so konzipiert, dass sie maximale Reize setzen. Durch unregelmäßige, aber häufige kleine Gewinne aktivieren sie das Gehirn stärker als stetige Belohnungen und verhindern dadurch, dass man mit dem Spielen aufhört.
Profite der Cashbackspiele
Die Vorteile für die Unternehmen liegen darin, dass sie mehr Nutzer:innen gewinnen können, und sie diese Nutzer:innen dann durch Cashback-Ziele an sich binden. Durch diese Ziele wird oft länger und regelmäßiger gespielt. Durch die höhere Nutzung kann mehr Werbung abgespielt werden und dadurch erhöhen sich die Werbeeinnahmen.
Zudem werden, wie angesprochen, mehr In-App-Käufe getätigt. Aber auch erhalten Unternehmen wichtige Informationen über Spielverhalten, Interessen und Kaufgewohnheiten. Diese Daten können dann zur Verbesserung der Spiele oder für zielgerichtete Werbung genutzt werden. Cashback ist aber auch eine günstige Form der Kundenakquise, denn es ist günstiger einen Teil der Einnahmen in Form von Cashback abzugeben, als teure Werbekampagnen zu finanzieren.
Folgen der Spielsucht
Die Folgen einer Spielsucht sind vielfältig. Es kann zu einer finanziellen Zerstörung kommen. Um Verluste auszugleichen, werden oft höhere Einsätze gewagt, das kann zu einer hohen Verschuldung führen bis hin zu einer Privatinsolvenz. In extremen Fällen kommt es sogar zur Kriminalität, um an Geld zu kommen und das Weiterspielen zu finanzieren.
Durch die ständige Sorge um Geld und das Verheimlichen des Spielens kann zu großem psychischen Druck führen, der auch körperliche Folgen haben kann. Eine soziale Isolation und das Verlieren von Menschen gehören ebenfalls zu den Folgen. Partnerschaften oder Freundschaften können zerbrechen, Familien distanzieren sich oder brechen den Kontakt gänzlich ab.
Berufliche Folgen sind ebenfalls Teil einer Spielsucht. Die Leistung auf der Arbeit lässt nach, es kann zu Fehlzeiten kommen oder zu Straftaten (z.B. Diebstahl) am Arbeitsplatz. Im schlimmsten Fall droht die Kündigung. Die Spieler: innen geraten oft in einen Teufelskreis, der dafür sorgt, dass das Spielen und der Ausgleich der Verluste eine hohe Priorität im Leben einnehmen. Depressionen, Schlafstörungen oder sogar Suizid sind häufige Folgen. Gerade durch die vielen Online-Angebote ist der Ausstieg schwer und Rückfälle vorprogrammiert.
Therapieplätze sind oft schwer zu bekommen und haben lange Wartelisten. Suchterkrankte haben die Möglichkeit sich über das Sperrsystem OASIS sperren zu lassen. Auch Betreibende können gefährdete Spieler: innen bei OASIS sperren lassen, würden aber zugleich auch ihren besten Kunden /die beste Kundin verlieren. Allerdings kann OASIS über Anbietende aus dem Ausland umgangen werden.
Auch das Ausweichen auf illegale Anbietende kann eine Folge sein, damit befinden sich die Spielenden dann außerhalb jeglicher Regulierungen und Kontrolle. Expert: innen kritisieren außerdem, dass das Sperrsystem nicht die Ursachen der Sucht beseitigt. Die Sperre kann den Zugang zu Glücksspiel erschweren, ersetzt aber keine Beratung oder andere Unterstützungsmaßnahmen.
Das Glücksspiel und der Staat
Die Bundesrepublik ist ein großer Profiteur von Glücksspielen. Insgesamt nehmen Bund, Länder und Kommunen jedes Jahr mehrere Milliarden Euro aus dem Glücksspielsektor ein.
Der Staat generiert direkte Einnahmen durch Glücksspiel in Form verschiedener Steuern, je nach Art des Glücksspiels. Staatliche Lotterien führen einen Teil der Einnahmen an die Bundesländer ab. Spielhallen, Wettbüros und andere Anbietende zahlen zudem Unternehmenssteuern und teilweise auch kommunale Vergnügungssteuern. Für Online-Sportwetten und viele andere Online-Glücksspielangebote gibt es wiederum spezielle Steuern, von denen der Staat profitiert.
Ein Teil der Einnahmen aus staatlichen Lotterien fließt in sogenannte Zweckabgaben. Damit werden Sportvereine, Kulturprojekte, Denkmalschutz oder andere soziale oder gemeinnützige Projekte unterstützt.
Indirekt profitiert der Staat auch durch die Arbeitsplätze, die durch Glücksspiel entstehen und den daraus resultierenden Sozialabgaben der Beschäftigten. Insbesondere durch die Umsatz- und Unternehmenssteuern aus dem Wirtschaftsbetrieb. Aber der Staat profitiert nicht nur durch Glücksspiel, sondern hat dadurch auch Ausgaben. Prävention von Glücksspielsucht und Beratungs- und Therapieangeboten sind Teile der Ausgaben.
Auch die Aufsicht und Regulierung der Spielhallen, bzw. Online-Casinos kosten Geld. Durch illegale Anbietende kommen Kosten für die Strafverfolgung hinzu. Außerdem entstehen soziale und wirtschaftliche Schäden durch problematisches Spielverhalten. Es kommt zu höheren Ausgaben für Gesundheits- und Suchthilfesysteme. Hinzu kommen Kosten für Schuldnerberatung und Sozialleistungen bei Jobverlusten durch die Sucht.
Erlaubnis für Glücksspiel trotz der Verluste
Betrachtet man nur die Steuerkasse, erzielt der Staat einen Überschuss von mehreren Milliarden Euro durch Glücksspiel. Insgesamt betrachtet, ist jedoch nicht sicher, dass die Gesellschaft dadurch einen Nettovorteil hat. Viele Expert:innen gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der Steuereinnahmen durch direkte und indirekte Folgekosten wieder aufgezehrt wird. Dies wirft die Frage auf, warum der Staat dann Glücksspiel erlaubt.
Zum einen liegt dies daran, dass in liberalen Demokratien eine individuelle Freiheit gilt. Erwachsene haben das Recht, riskanten Aktivitäten nachzugehen, solange sie damit nicht andere Menschen unmittelbar gefährden. Zudem ist ein weiteres Argument, dass auch bei einem Verbot die Nachfrage weiter bestehen bliebe und sich ein illegaler Markt entwickeln würde. Dadurch entstünden vielfältige Probleme, wie keine Alterskontrollen, kein Spielerschutz und die höhere Betrugsgefahr.
Auch die Finanzierung öffentlicher Zwecke, die durch Lotterien und Glücksspiel abgedeckt wird, würde entfallen. Die Bedeutung der Steuereinnahmen ist für den Staat nur eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite stehen aber die Bekämpfung des Schwarzmarktes, die Freiheit der Bürger: innen und der Schutz vor der Sucht.
Kritik und ein Blick auf die Zukunft
Kritiker: innen argumentieren, dass insbesondere Online-Casinos und Sportwettenmodelle sehr stark auf intensive Spieler:innen ausgerichtet sind. Sie fordern strengere Einsatzlimits und Werbebeschränkungen. Auch eine Verlängerung der Sperrfristen sowie teilweise Verbote für besondere Sucht fördernde Spielformen stehen auf der Liste der Forderungen. Expert:innen machen sich aber auch große Sorgen, was E-Sports angeht. Bisher ist es in Deutschland verboten, auf Ereignisse wie beispielsweise Wahlen, Kriege oder Prominente zu wetten. In anderen Ländern kann man darauf wetten, welche Farbe der Hut einer Person hat. Bisher ist es auch verboten, auf Games wie Counter Strike zu wetten. Sollten E-Sports aber als Sport anerkannt werden, dürften auch Wetten auf diese Spiele platziert werden. Hier entsteht dann ein neues großes Suchtpotenzial. Außerdem sind E-Sport-Events anfälliger für Manipulationen.
Glücksspiel ist also eine große Problematik für den Staat und gerade der Blick auf die Zukunft zeigt, dass der Staat hier besonders hinschauen muss. Spieler- und Jugendschutz sollten im Vordergrund stehen und Hilfsangebote ausgebaut werden.
Wenn ihr Probleme mit Glücksspiel habt oder jemanden kennt, der auffälliges Spielverhalten zeigt, findet ihr hier Anlaufstellen:
Hilfetelefon Glücksspielsucht: Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 0776611 (Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr) erhalten Betroffene und Angehörige anonyme und professionelle Beratung
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Die Website Check Dein Spiel bietet Ihnen Online-Beratung, Selbsttests und Foren. https://www.check-dein-spiel.de/
DigiSucht: Digitale Suchtberatung für Betroffene und Angehörige kostenlos und anonym https://www.suchtberatung.digital/
Quellen
https://www.isd-hamburg.de/wp-content/uploads/2026/03/Glueckspielsurvey_2025.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=spdrBda3NqY
https://www.youtube.com/watch?v=kntyZWo1m6U






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