Wann hast du dich zum letzten Mal so richtig erholt? Wenn du dich nicht daran erinnern kannst, bist du in guter Gesellschaft. Freizeit ist für viele, gerade junge Menschen fast schon zur Anstrengung geworden. Die Zeit muss schließlich genutzt werden und darf nicht einfach ohne vorzeigbare Ergebnisse verstreichen. So entsteht neben Schule, Ausbildung, Arbeit oder Studium eine Art „produktive Ruhe“, die zwar den Körper nicht unbedingt erschöpft, aber zu mentaler Belastung führen kann.
Dauerprojekt „Ich“
Selbstoptimierung ist schon lange im Mainstream etabliert. Ob beruflich, persönlich oder sportlich: Wer „erfolgreich“ und „zufrieden“ sein möchte, muss an sich arbeiten. So weit, so klar. Wer das Leben einfach an sich vorübergehen lässt und nur in seiner Komfortzone bleibt, wird kaum dauerhaft glücklich sein. Aber wie alles im Leben hat auch die persönliche Weiterentwicklung seinen bestimmten Platz im Leben und seine Grenzen.
Muss nach dem langen Arbeitstag wirklich noch ein forderndes Training absolviert oder ein kompliziertes Buch gelesen werden? Wer immer maximale Leistung von sich verlangt, wird auf Dauer eine unterschwellige Müdigkeit feststellen, die sowohl Körper als auch Geist betreffen kann. So sollte die Frage nach der eigenen Zufriedenheit fester Bestandteil der eigenen Weiterentwicklung sein. Sagen zu können: „Für heute habe ich genug getan.“, muss nämlich keine Ausrede sein. Es geht viel eher um eine realistische Selbsteinschätzung und die eigenen Grenzen.
Informationsüberfluss
Nächstes Jahr feiert das iPhone seinen 20. Geburtstag. Es gibt also bereits eine ganze Generation, die eine Welt ohne Smartphones nicht miterlebt hat. Für Jung und Alt ist das Handy zum täglichen Begleiter geworden, der sowohl bei Aktivitäten als auch in Ruhephasen ungern aus der Hand gelegt wird. Dabei verlangt das Smartphone dem Konsumenten Einiges ab. Um nur zwei Beispiele zu nennen: ständige Erreichbarkeit und Informationsüberfluss.
Wir sind daran gewöhnt worden, jederzeit eine Nachricht, einen Anruf oder irgendeine Meldung zu erhalten. Was vordergründig nicht auffällt, sorgt doch für eine latente Anspannung. Wenn mir jemand schreibt, muss ich natürlich antworten. Antworte ich, so ist wieder mit einer Rückmeldung zu rechnen. Aber auch ohne direkte Nachrichten belädt der kleine Bildschirm unser Gehirn mit Bildern, Tönen und Informationen. Apps wollen den Menschen bei sich behalten und lassen uns gerne „unendlich lange“ scrollen. Ist das eigentlich noch Freizeit, wenn man so sehr an einem Gerät hängt und kann man da wirklich zur Ruhe kommen?
Sozialer Druck
Soziale Medien verbinden die beiden vorgenannten Probleme sogar miteinander. Informationsüberfluss und Selbstoptimierung bzw. Selbstdarstellung gehen Hand in Hand und befeuern sich gegenseitig. Sehe ich Urlaubsfotos im Internet, sorgt das vielleicht dafür, selber solche Informationen zu teilen. Vielleicht muss auch mein eigener Urlaubsort schöner oder exklusiver sein. Das perfekte Foto für das Internet darf dann auch seine Zeit in Anspruch nehmen. Aber was, wenn es nicht genug Likes oder Kommentare gibt? Morgen ist ja noch ein Urlaubstag! Ist das noch Erholung und kann man dabei wirklich abschalten?
Zu schnell geht vergessen, dass Bilder oder Videos nur Momentaufnahmen und Selbstdarstellung sind. Es sind Ausschnitte, die nicht die Realität widerspiegeln. Und doch lösen sie allzu oft das Gefühl des Nicht-Genug-Seins aus und füttern die eigene innere Unruhe.
Ein Platz für Langeweile
Und, wann hast du dich das letzte Mal so richtig gelangweilt? Also so sehr, dass daraus eine erfrischende, kreative Idee erwachsen ist? Vielleicht sollten wir uns ab und an ein wenig Langeweile gönnen; einfach das Handy zur Seite legen und nicht darauf schauen, was andere tun oder von uns erwarten. Möglicherweise lässt sich dadurch das Gewirr im eigenen Kopf ein wenig ordnen und vielleicht erkennen wir auch, dass Vieles weit weniger bedeutend ist als uns suggeriert wird. Wenn wir der Selbstoptimierung und dem Sozialen Druck schon einen Platz im Leben geben, warum dann nicht auch der Langeweile? Aus letzterer kann schließlich Ungeahntes und Überraschendes hervorgehen.






Last Call: Dein Teilnehmerplatz bei “Excellence & Leadership: Führung in herausfordernden Zeiten”
Schreibe einen Kommentar