In Frankfurt (Oder) engagiert sich Désirée Schrade mit Herzblut für die CDU – und für eine politische Kultur, die weiblicher, vielfältiger und zukunftsorientierter ist. Als junge Frau in der Politik weiß sie, wie herausfordernd, aber auch wie bereichernd politisches Engagement sein kann. Im Gespräch mit firstlife spricht sie über persönliche Weggabelungen, politische Visionen und darüber, warum Frauen mehr bewegen, als man ihnen oft zutraut.
Was bedeutet es für Sie persönlich, politisch aktiv zu sein und wie haben Sie den Einstieg in die Politik erlebt?
Politisch aktiv zu sein, bedeutet für mich, mitzugestalten, mich gesellschaftlich einzubringen, differenziert zu betrachten, im besten Fall zu begeistern und zu verbinden, anstatt zu trennen. Ich habe mich schon immer politisch interessiert und habe auch in der Schule an Formaten wie „Jugend debattiert“ teilgenommen, bin allerdings erst 2017 in die CDU Frankfurt/ Oder eingetreten. Der Grund dafür war eine starke AFD in Frankfurt Oder, die auch im Rahmen der Bundestagswahl ein starkes Wahlergebnis erzielt hat.
Ich war damals gerade hochschwanger und saß mit meinem Mann auf dem Sofa und habe gesagt: „Wir müssen uns engagieren.“ Schließlich verändert sich vom Sofa aus nichts. Und dann bin ich in die CDU eingetreten. Neben der Selbstständigkeit habe ich dann erst einmal unsere Tochter bekommen. 2022 bin ich stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU geworden und war dann etwas intensiver eingebunden. Seit Dezember 2024 bin ich Kreisvorsitzende in Frankfurt Oder und seit Sommer 2024 Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung.
Was treibt Sie an und holt Sie morgens aus dem Bett trotz Herausforderungen im politischen Alltag?
Ich arbeite und engagiere mich sehr gern und das auch schon immer. Seit meiner Jugend habe ich große Freude daran, mich für Dinge zu begeistern und zu engagieren. Das kann ich jetzt sowohl in meinem Beruf als Rechtsanwältin und auch in meinen politischen Ehrenämtern. Außerdem bin ich grundsätzlich ein sehr positiver Mensch und schaue immer erst einmal, wie man positiv gestalten und eigene Akzente setzen kann.
Welche Schwerpunkte sind Ihnen in Ihrem politischen Engagement besonders wichtig und warum gerade diese?
Ich setze mich dafür ein, Menschen und Positionen miteinander zu verbinden und zu begeistern. Mir ist wichtig, – und das geht oft in der Gesellschaft verloren – dass Sachverhalte differenziert betrachtet werden. Das kostet auch manchmal Mut und Überwindung, dem Gegenüber sein Argument zu lassen, ohne dieses Argument sofort zu verwerfen. Mir ist wichtig, dass wir respektvoll miteinander umgehen, auch wenn wir völlig unterschiedlicher Meinung sind. Aus meiner Sicht braucht es viel weniger Populismus. Das würde uns in der Gesellschaft sehr gut zu Gesicht stehen. Kommunalpolitisch setze ich mich dafür ein, die Herausforderungen unserer Stadt, die kommunalpolitischen Themen zu adressieren, dafür lauter zu werden und die Themen anzubringen.
In meiner Rolle als Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung tue ich solches fraktionsübergreifend, finde Lösungen, gehe in Gespräche und schaue, wie man gemeinsam etwas voranbringt. Darüber hinaus liegt mir gute Familienpolitik am Herzen. Als Fachanwältin für Familienrecht und Strafrecht weiß ich, dass es eine bessere, ganzheitlichere Bildungspolitik braucht. Als Frau und selbstständige Mutter weiß ich, dass wir von echter Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch ein ganzes Stück entfernt sind. Außerdem ist es mir wirklich sehr wichtig, dass wir hier, in Ostbrandenburg, erkennbar sind, noch erkennbarer werden und auch von der Bundespolitik ernstgenommen werden.
Wenn Sie eine Superkraft hätten, um genau diese Schwerpunkte schneller und wirkungsvoller umzusetzen, welche wäre das und wie würden Sie sie einsetzen?
Das ist keine leichte Frage. Für mich wäre am wichtigsten, eine Verbinderin zu sein. Dann wäre das Verbinden meine Superkraft, die ich gerne einsetzen würde: Perspektivenwechsel, das Öffnen anderen Sichtweisen gegenüber, ohne diese gleich zu übernehmen, sondern sich ihnen erst einmal öffnen, um gemeinsam zu Lösungen zu finden. Es ist wichtig, dass es um die Sache geht, dass wir uns nicht weiter voneinander entfernen, sondern erkennen, dass Gesellschaft nur miteinander funktioniert.
Was bringen Frauen in der Politik ein, was Männer in der Politik ergänzt und vielleicht sogar bereichert?
Frauen und Männer sind sehr verschieden und das ist auch gut so, wie ich finde. Beide Seiten bringen unterschiedliche Prägungen und Sichtweisen mit, die wichtig sind, gerade für die Herausforderungen unserer Zeit. Es gibt aber auch, aus meiner Sicht, nicht den Mann oder die Frau, sodass ich die Frage in der Pauschalität eigentlich gar nicht beantworten kann. Ich persönlich erlebe es schon, dass Männer mir sagen, dass sie es als sehr angenehm empfinden, wenn Frauen in Gesprächsrunden dabei sind, weil ganz offensichtlich andere Impulse von Frauen ausgehen. Aber ich glaube, das muss man am konkreten Einzelfall und auf die Person bezogen betrachten.
Warum sind Frauen in der Politik wichtig, gerade mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche und soziale Entwicklungen?
Frauen machen innerhalb der Bevölkerung einen Anteil von mehr als 50 Prozent aus. Alleine die Tatsache, dass diese Frage immer wieder gestellt wird, – das ist jetzt gar kein Vorwurf, nicht falsch verstehen – zeigt tatsächlich, dass sich noch einiges bewegen muss. Sowohl die Kompetenz von Frauen als auch die Kompetenz von Männern ist wichtig. Ich wünsche mir, dass das irgendwann auch in den Köpfen aller Menschen selbstverständlich ist. Ich habe dazu vor kurzem ein komödiantisches Video auf Instagram gemacht, in dem ich gesagt habe: „Stellen Sie sich vor, 70 Prozent der Mitglieder des Deutschen Bundestages sind Frauen.“
Ich habe dazu einige Leute gefragt, wie sie das finden würden, wie sie darauf reagieren, wenn es dann tatsächlich so wäre, und stieß auf ein: Das kann man sich gar nicht so richtig vorstellen. Es muss aus meiner Sicht tatsächlich so sein, dass es nicht komisch, sondern völlig normal ist, dass Frauen gleichermaßen wie Männer vertreten oder sogar mal in der Anzahl mehr sind. Es wäre wichtig und gut, dass man bestimmte Themen hinsichtlich einer ausgewogenen Berücksichtigung von Frauen nicht mehr auf die noch gängige Art und Weise besprechen muss, weil sie ganz selbstverständlich geworden sind und dass es in unser aller Köpfen auch völlig normal ist.
Womit ermutigen Sie Frauen konkret, sich politisch zu engagieren? Haben Sie vielleicht eine persönliche Botschaft an junge Frauen, die zögern?
Veränderung gestalten kann man nur, wenn man mitmacht und sich einbringt. Dafür werbe ich, mitzumachen. Der politische Alltag in einer Stadt, wie Frankfurt Oder, ist mit viel Engagement verbunden und nicht jeden Tag werden die großen bundespolitischen Fragen besprochen. Es geht darum, was die Leute hier konkret vor Ort brauchen. Wie können wir für diese Menschen da und ansprechbar sein?
Wie können wir die Themen mitnehmen, auch wenn wir gar nicht jedes Thema lösen können? Wir können aber auf jeden Fall ins Gespräch kommen und zeigen, dass wir uns einsetzen wollen, für die Menschen in unserer Stadt. Das war zu jeder Zeit wichtig. Aus meiner Sicht ist es in dieser Zeit noch einmal von ganz besonderer Bedeutung, dass wir alle in der Gesellschaft Demokratie leben, indem wir uns einbringen und uns einsetzen. Ich freue mich über jede oder jeden, der bereit ist, sich bei uns einzubringen. Deshalb: Herzliche Einladung!
Wer ist Ihr Vorbild in der Politik oder darüber hinaus und was lernen Sie von ihm oder ihr?
Ein Vorbild als solches habe ich nicht. Mich beeindrucken Menschen, die mutig sind und klar, die sich auch mal gegen den Strom behaupten, die Dinge einordnen und erklären können. Das ist dann auch nicht nur die eine Person, sondern es sind bestimmte Verhaltensweisen von Personen, zu einem bestimmten Zeitpunkt, die mir vielleicht auch nicht in Gänze immer gefallen. Menschen, die besonders sind und nicht immer nur „Ja und Amen“ sagen, sondern genau hinschauen, differenziert und sachlich sind, diese Menschen beeindrucken mich. Da gibt es nicht die eine Person. Auf meinem politischen Weg – das kann ich schon sagen – hat mich Angela Merkel beeindruckt.
Angenommen, Sie wären Bundestagsabgeordnete, welche drei Themen würden Sie zeitnah angehen und welche Ideen oder Lösungsansätze haben Sie dazu?
Eines der ersten Themen, die ich angehen würde, wäre, dass wir als Kommunen ernst genommen werden, dass den Kommunen vertraut wird, dass die kommunalen Verantwortungsträger endlich mehr Vertrauen und Beinfreiheit bekommen, dass sie sich nicht mit komplizierten und wahnsinnig bürokratischen Förderprogrammen beschäftigen müssen, sondern dass sie selbst entscheiden können, weil die Verantwortungsträger vor Ort am besten wissen, was ihre Städte und Gemeinden brauchen und in welche Infrastruktur investiert werden muss.
Es wäre wichtig, dass da von Bund und Land ein Stück losgelassen und erkannt wird, dass da gute Leute sind, die das können. Im jetzigen Koalitionsvertrag klingt es schon deutlich an. Es steckt sehr viel Kommunales in diesem Koalitionsvertrag, was jetzt auch noch mit Leben gefüllt werden muss. Die politische Bedeutung von Kommunen muss, aus meiner Sicht, noch weiter gestärkt werden, denn letztlich findet das Leben hier vor Ort in den Städten und Gemeinden statt. Hier wird Demokratie gelebt. Die Kommunen sind von zentraler Bedeutung. Das muss sich dann tatsächlich auch noch in den Kompetenzen und Möglichkeiten widerspiegeln.
Dann würde ich Familien stärken. Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, unter anderem durch bessere finanzielle Anreize, um Kinder zu bekommen. Beim Elterngeld beispielsweise den Höchstbetrag aufsetzen. Insgesamt sind die Geburtenzahlen rückläufig, sodass man es den Menschen schmackhaft machen muss, Kinder zu bekommen. Wenn die Eltern studiert haben, ist der Berufseinstieg auch etwas später. Man ist in gewissen Lebenssituationen schon gefestigt. Da kann man zumindest einen kleinen Anreiz beim Elterngeld schaffen. Auch die Einrichtung von Betriebskindergärten kann eine große Entlastung für Eltern, aber auch für Kinder sein. Kinder brauchen glückliche und entspannte Eltern, die nicht immer nur im Stress sind und auf der Flucht, um alles schaffen zu können. Da kann es eine große Erleichterung geben.
Andererseits müssen wir auch in eine frühkindliche Bildung investieren. Eine ganzheitliche Bildung, die vom Kindergartenalter bis in die Schule gedacht wird. Wir haben große Schwierigkeiten, die Kinder schon in den ersten Klassen zu beschulen, weil sie auf einem sehr unterschiedlichen Niveau eingeschult werden. Das muss, aus meiner Sicht, schon etwas vorverlagert werden, in den Kita-Bereich, weil Lehrerinnen und Lehrer das einfach nicht leisten können. Letztlich ist das Wichtigste, was wir den Kindern mitgeben können: Bildung. Das zahlt ein, auf die weitere Zukunft, auf die Teilhabe an der Gesellschaft, aber auch auf demokratische Prozesse.
Ich bin aber ganz zuversichtlich, denn unsere jetzige Ministerin, die Karin Prien, hat dazu selbst auch schon seit Jahren Ansätze entwickelt, dass sich da einiges an der Sache tun und etwas bewegen wird. Dann brauchen wir – und dafür würde ich mich einsetzen – mehr Leistungsbereitschaft für einen echten Aufbruch. Die fetten Jahre sind vorbei. Die Wirtschaftsleistung ist ausbaufähig. Im Bewusstsein der Menschen muss wieder ein echter Aufbruch entstehen. Wir müssen einfach, jetzt wirklich, Ärmel hochkrempeln und anpacken. So schön es auch ist, eine wahnsinnig gute Work-Life-Balance zu haben, auch Freizeit zu haben. Jetzt ist es wirklich an der Zeit, dass wir ein gemeinsames Bewusstsein für den Aufbruch entwickeln und das geht nur mit einer hohen Leistungsbereitschaft.
Was ist Ihr Wunsch für Deutschland als Frau, als Politikerin und als Bürgerin?
Ich wünsche mir, dass wir eine Gesellschaft sind, die tolerant und offen, aber dennoch kritisch ist, dass wir bereit sind, einander zuzuhören und uns im echten Leben zu begegnen, statt uns in der virtuellen Welt mit Hass und Hetze zu überziehen. Ich wünsche mir, dass wir auch einmal zufrieden sind. Auch da habe ich oft das Gefühl, dass oft eine Unzufriedenheit mitschwingt. Es ist ja in Ordnung, auch mehr zu wollen.
Aber es ist auch gut, sich mal für einen Moment, auf das zu besinnen, was man hat. Ich wünsche mir, dass wir den erreichten Wohlstand zu schätzen wissen, denn wir sind immer noch eines der reichsten Länder der Welt, in dem auch die sozialen Sicherungssysteme noch gut funktionieren. Ich glaube, es ist okay, wenn man auch mal sagt: „Es ist okay. Es läuft nicht alles schlecht.“ Dennoch wollen wir besser werden, mit Problemen und Herausforderungen einen besseren Umgang finden. Es muss Reformen geben. Aber auch mal eine gewisse Zufriedenheit. Ich wünsche mir, dass wir mehr Mut zeigen, dass wir den Schwächsten in der Gesellschaft helfen, Armut bekämpfen und trotzdem dafür sorgen, dass die Einzelnen, das jeder Einzelne, bereit ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.






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