
Wie du deine Gewohnheiten nutzen kannst, um dein f1rstlife zu verbessern, erfÀhrt du hier!
Vor einigen Wochen kam ein Mann auf mich zu und bat mich, ihm einen Trainingsplan zu schreiben. Er wolle von nun an tĂ€glich eine halbe Stunde trainieren. âKlar” sagte ich, “den schreibe ich dir gerne. Aber darf ich dir noch einen kleinen Tipp geben?â
Die Idee war gut, das Ziel klar – tĂ€glich eine halbe Stunde trainieren. Die Frage war nur, wie genau wollte der Mann es schaffen, von heute auf morgen tĂ€glich zu trainieren? Seit mehreren Monaten hatte er kaum Sport getrieben. War dieses Ziel nicht zu hoch gesteckt?
Und damit sind wir bereits mitten in der Thematik. Im Workshop haben wir uns mit dem gesamten Weg vom Bewusstwerden eigener Gewohnheiten ĂŒber Ideen fĂŒr VerĂ€nderung und konkrete PlĂ€ne fĂŒr die Umsetzung auseinandergesetzt – bis hin dazu, was entscheidend dafĂŒr ist, dass wir unsere Ziele wirklich erreichen.
Gewohnheiten – Wozu?
Bevor du dich mit deinen persönlichen Gewohnheiten auseinandersetzt, ist es hilfreich zu verstehen, warum wir Menschen ĂŒberhaupt Gewohnheiten haben und wie sie entstehen. Deswegen war dies im Workshop auch einer unserer ersten Punkte.
Gewohnheiten sind eine âErfindungâ unseres Gehirns – es möchte alltĂ€gliche Prozesse automatisiert und mit möglichst geringem Aufwand ausfĂŒhren. Das ermöglicht uns, zum Beispiel beim Autofahren nicht jedes Mal bewusst darĂŒber nachzudenken, wie es nochmal funktioniert, in den nĂ€chsten Gang zu schalten. AuĂerdem mag unser Gehirn es, Energie zu sparen. DafĂŒr werden wir sogar belohnt – wenn wir gewohnte, automatisierte Verhaltensweisen zeigen werden vermehrt Opiate ausgeschĂŒttet. Das lĂ€sst uns wohl fĂŒhlen. Das Problem dabei: Unser Gehirn unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Gewohnheiten.
Gewohnheit – Woher?
Gewohnheiten entwickeln sich bereits in unserer Kindheit und bleiben zum Teil ein ganzes Leben lang erhalten. In dem Workshop berichtete eine Teilnehmerin davon, immer ganz automatisch eine Jacke mitzunehmen, wenn sie mit dem Auto unterwegs ist – das hĂ€tten ihre Eltern ihr von klein auf an beigebracht. So ist sie versorgt, falls sie mal irgendwo liegen bleibt.
Ein GroĂteil der Gewohnheiten, die wir im Laufe unseres Lebens lernen, ist unbewusst. Den Workshop haben wir genutzt, um uns unsere Gewohnheiten – gute, schlechte, neutrale – mal bewusster zu machen. Wichtig zu verstehen ist zunĂ€chst aber noch, wie eine Gewohnheit eigentlich entsteht. Am Anfang einer Gewohnheit steht eine Handlung, die bewusst ausgefĂŒhrt wird. Wird diese regelmĂ€Ăig wiederholt, kann daraus eine Gewohnheit werden. Aber wann passiert das?
Gewohnheit = Konditionierung?!
Hinter der Entwicklung einer Gewohnheit verstecken sich klassische Lernprozesse. Wir haben einen Reiz, der ein Verlangen auslöst und darauf folgt eine Reaktion. Wird diese Reaktion belohnt, so verstĂ€rkt dies wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Verhalten wieder zeigen. Das ist, was wir in der Psychologie auch Konditionierung nennen, eine Verbindung von Reiz und Reaktion. Wird das Verhalten wiederholt ausgefĂŒhrt und belohnt, kann daraus eine Gewohnheit entstehen.
Dazu ein kleines Beispiel: Stellt euch vor, jemand trinkt jeden Morgen nach dem Aufstehen einen Kaffee. Der Reiz bzw. Auslöser könnte dabei sein, dass die Person aufwacht und mĂŒde ist. Das Verlangen ist es, wach zu werden. Nun zeigt die Person die Reaktion âKaffee trinkenâ und fĂŒhlt sich danach wacher – und das ist die Belohnung. Also zeigt die Person das Verhalten das nĂ€chste Mal wenn sie mĂŒde ist wieder, denn es funktioniert ja – das Ziel des Wach Werdens wird erreicht. Irgendwann wird diese Person morgens gar nicht mehr bewusst ĂŒberlegen, wo sie den Kaffee findet oder wie sie ihn aufsetzt – all diese Prozesse laufen ganz automatisiert ab. Die Person ist dabei vielleicht sogar in Gedanken bereits ganz woanders.
Selbst(er)kenntnis – WertschĂ€tzung und Potenziale fĂŒr VerĂ€nderung
Auf Basis dieses VerstĂ€ndnisses von Gewohnheiten hatten die Teilnehmer:innen im Workshop die Möglichkeit, ĂŒber ihre eigenen Gewohnheiten zu reflektieren, gute wie schlechte. AuĂerdem sollten sie ĂŒberlegen, welche Reize die Gewohnheit auslösen und welche Belohnung damit verknĂŒpft ist. Denn das ist gar nicht immer so offensichtlich. Ziel war es hier auch, die persönlichen Gewohnheiten mal wertzuschĂ€tzen. Im aktiven Austausch kamen viele spannende Beispiele zur Sprache. Darunter unter anderem: âIch gehe tĂ€glich viermal mit meinen Hunden Gassi. Auslöser ist, dass sie sich bemerkbar machen und die Belohnung vielleicht, dass die Hunde danach ruhig und zufrieden sind, und ich ebenso.â
In einem zweiten Schritt hatten die Teilnehmer:innen Zeit, sich ein oder zwei Gewohnheiten zu ĂŒberlegen, die sie gerne verĂ€ndern oder neu etablieren wĂŒrden. So konnte jede:r Teilnehmer:in den Workshop individuell fĂŒr sich nutzen und mit den folgenden Tipps einen Schritt nĂ€her zu seinen persönlichen Zielen im Bereich Gewohnheiten kommen.
Warum ist Selbstkontrolle so schwer?
In dem Zuge kam auch das Thema Selbstkontrolle zur Sprache. Warum greift eine Person wieder zu einem StĂŒck Kuchen, wenn sie sich doch so fest vorgenommen hatte, abzunehmen? Was kann hier schief gelaufen sein? Von den Teilnehmern kamen spannende Ideen. Vielleicht war die Motivation nicht hoch genug, das Verhalten zu verĂ€ndern. Vielleicht das Ziel nicht konkret genug. TatsĂ€chlich ist es auch so, dass wir zu Beginn ganz automatisch in gewohnte Verhaltensmuster zurĂŒckfallen, wenn wir uns nicht bewusst davon abhalten. Bin ich also auf einer Feier in ein GesprĂ€ch verwickelt, kann es passieren, dass ich plötzlich wieder ein StĂŒck Kuchen in der Hand halte – ohne es bemerkt zu haben. Was aber können wir denn nun tun, um eine alte Gewohnheit loszuwerden?
âWir können alte Gewohnheiten nicht einfach löschenâ
Diese schlechte Nachricht musste ich verkĂŒnden. Denn in unseren Gehirn bestehen Verbindungen fĂŒr das gewohnte Verhalten möglicherweise seit Jahren. Aber wir haben eine Chance – denn was wir tun können, ist alte Gewohnheiten mit neuen zu ĂŒberschreiben!
Hier stellte ich die Frage, bis zu welchem Alter das denn wohl funktionieren wĂŒrde. Was denkst du? Wenn du eine Gewohnheit seit deiner Kindheit zeigst, kannst du diese dann wieder loswerden? TatsĂ€chlich fiel im Workshop keiner auf meine Falle rein, ein Alter in den Chat zu schreiben. Alle schrieben âegalâ âunbegrenztâ o.Ă€. – und damit haben sie vollkommen recht. Denn unser Gehirn bleibt bis ins hohe Alter leistungsfĂ€hig. Auch ĂŒber viele Jahre ausgefĂŒhrte Gewohnheiten können wir noch verĂ€ndern. Wir können die alten Hirnstrukturen durch neue ersetzen.
Wie können wir alte Gewohnheiten ĂŒberschreiben?
Denken wir noch einmal zurĂŒck an das Schema von Reiz, Reaktion und Belohnung. Wollen wir eine alternative Reaktion zeigen, brauchen wir also auch einen alternativen Reiz oder aber eine alternative Reaktion auf den gewohnten Reiz muss ebenfalls eine Belohnung nach sich ziehen.
Wir wollten daher zum einen die Offensichtlichkeit eines alten Reizes verringern und die unerwĂŒnschte Reaktion erschweren. Das alleine reicht aber noch nicht.
Stell dir vor, wir entschieden nun einfach keine Chips mehr im Haus zu haben, dann können wir auch nicht automatisch vor dem Fernseher in die TĂŒte greifen. Was aber wird passieren? Vermutlich werden wir trotzdem unsere TĂŒte Chips vor Augen haben, im Zweifelsfall sogar losfahren, um doch noch eine zu holen. Was wir zusĂ€tzlich brauchen, ist einen Ersatz. Wir brauchen einen Reiz, der eine alternative, fĂŒr uns bessere Reaktion auslöst – und diese Reaktion sollte dann natĂŒrlich auch noch belohnt werden, damit sie sich festigen und langfristig zu einer Gewohnheit werden kann. So könnte man sich beim Chips-Beispiel stattdessen frische FrĂŒchte auf dem Markt kaufen, die gut aussehen und zu unseren LieblingsfrĂŒchten gehören. Wenn sie dann am Abend vor dem Fernseher direkt vor uns stehen, essen wir vielleicht auch diese FrĂŒchte. Wir sind stolz auf uns. Möglicherweise merken wir sogar, dass die FrĂŒchte auch gar nicht so schwer im Magen liegen, sondern gut tun. Und so haben wir hier schon eine Belohnung.
Wenn wir den Wunsch haben eine Gewohnheit loszuwerden, mĂŒssen wir uns also nicht nur Gedanken darĂŒber machen, wie wir das Verhalten verhindern können, sondern gleichzeitig auch darĂŒber, was wir Alternatives bieten können. Hierbei sind konkrete PlĂ€ne von groĂer Bedeutung, denn es muss leicht sein, dass neue Verhalten zu zeigen. AuĂerdem braucht es eine regelmĂ€Ăige Wiederholung, damit eine neue Gewohnheit daraus werden kann. Einmal FrĂŒchte statt Chips – das wird nicht reichen, damit ich von nun an denke: âIch möchte lieber die FrĂŒchte!â.
Eine neue Gewohnheit aufbauen
Wie ist es denn nun, wenn ich gar nicht unbedingt eine schlechte Gewohnheit loswerden möchte, sondern der Fokus mehr darauf liegt, eine neue, erwĂŒnschte Gewohnheit zu etablieren? Kommen wir nochmal zurĂŒck zum Beispiel vom Anfang. Auch hier brauchen wir natĂŒrlich einen konkreten Plan, wie âtĂ€glich eine halbe Stundeâ. Am besten sollte dieser Plan auĂerdem an konkrete Reize gebunden werden, an Dinge, die wir so oder so tun. Zum Beispiel âjeden Morgen nach dem ZĂ€hneputzenâ. Wichtig ist darĂŒber hinaus aber auch, dass der Plan realistisch und umsetzbar ist. Hier kommt der wichtige Punkt der Teilschritte zur Sprache. Denn sind wir nicht nur frustriert, wenn es uns nicht gelingt, ein groĂes Ziel sofort zu erreichen? Erfordert es nicht eine unglaubliche Selbstkontrolle von heute auf morgen ein Verhalten zu verĂ€ndern? Und wie lange können wir die wohl aufrechterhalten? Vermutlich nicht so lange, als dass wir schon eine Gewohnheit etabliert hĂ€tten. Denn das dauert im Schnitt ganze 66 Tage. Und wer schafft es schon, von âkein Sportâ auf â66 Tage lang jeden Tag Sportâ umzuspringen?
Aus diesem Grund empfehle ich meinen Klient:innen und Zuhörer:innen:
âSetzt euch lieber kleine Ziele, auch wenn sie zunĂ€chst unbedeutsam und einfach zu erreichen scheinen. Auch wenn es körperlich nicht viel verĂ€ndern mag mit âSonntags nach der Tagesschau 15 Minuten Stretchingâ zu starten – psychologisch kann es dennoch eine Wirkung haben. Wir erreichen unser Ziel und das lĂ€sst uns gut fĂŒhlen und liefert uns die Motivation, weiterzumachen und unser Ziel zu steigern.â
So klapptâs mit der Umsetzung!
Damit auch du vom Lesen ins Tun kommst, ein paar grundlegende Tipps zum Abschluss:
- Mach es machbar! – Du musst selber dran glauben, dass du es schaffen kannst.
- Kenne und nutze deine Motivation! – Aller Anfang ist schwer. Halte dir deine Motivation vor Augen und kĂ€mpfe so fĂŒr dein persönlich wichtiges Ziel.
- Gib einem Ziel Vorrang! – Dir fallen auf Anhieb mehrere Dinge ein, die du verĂ€ndern möchtest? Stop! Entscheide dich fĂŒr ein Ziel, das du priorisierst – denn weniger ist mehr.
- Fang klein an! – Denke in Teilschritten. So stellst du schnelle Erfolge sicher und hĂ€ltst deine Motivation aufrecht.
- Lerne aus Fehlern! – Fehler sind normal und können dir langfristig weiterhelfen. Denn daraus lernst du, was du persönlich brauchst, um etwas zu verĂ€ndern.
- Ăbe, ĂŒbe, ĂŒbe! – Vergiss nicht, es braucht seine Zeit. Je mehr du ĂŒbst, desto schneller wirst du die positiven Effekte spĂŒren.
- Gib deinen Ausreden keine Chance! – Lerne deinen inneren Schweinehund und seine Ausreden kennen und hab immer ein Gegenargument parat. Gerade in den Anfangszeiten des Aufbaus einer Gewohnheit ist es wichtig, möglichst keine Ausnahmen zu machen und das erwĂŒnschte Verhalten regelmĂ€Ăig zu wiederholen.
Und falls du es zur Gewohnheit werden lassen möchtest, bei unseren Workshops dabei zu sein, findest du hier die nÀchsten Termine:

Mehr Infos unter: https://www.firstlife.de/diese-workshops-von-lina-verbessern-dein-f1rst-life/






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