Wie erreicht die Kirche junge Menschen in einer Zeit, in der immer mehr von ihnen dem Glauben den Rücken kehren? Diese Frage beschäftigt den Erzbischof von Castries auf der Karibikinsel St. Lucia, Gabriel Malzaire. Im Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) spricht er über die Herausforderungen seiner Kirche – und darüber, warum Glaube mehr sein muss als ein gutes Gefühl.
„Wenn wir als Kirche auf junge Menschen zugehen, neigen wir oft dazu, die Dinge für sie spannend zu machen, an ihre Gefühle zu appellieren, an das, was gerade angesagt ist, an das, was ihnen gefällt. Aber das bleibt meist sehr oberflächlich“, erklärte Malzaire. „In der Kirche muss es um mehr gehen als nur um Gefühle.“
Zwischen Tradition und Veränderung

St. Lucia ist ein kleiner Inselstaat in der Karibik mit rund 190.000 Einwohnern. Jahrzehntelang war die Insel fast ausschließlich katholisch geprägt. Doch das hat sich verändert: Heute gehören zwar noch immer etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung der katholischen Kirche an, gleichzeitig gewinnen säkulare Lebensweisen und evangelikale Gemeinschaften zunehmend an Bedeutung.
Für Malzaire ist das eine große Herausforderung. Besonders junge Menschen verlassen häufig die Insel, um im Ausland zu studieren. Dort begegnen sie neuen Kulturen, Lebensstilen und religiösen Vorstellungen. Die Kirche müsse deshalb Wege finden, den Glauben so zu vermitteln, dass er jungen Menschen auch in einer sich schnell verändernden Welt Orientierung geben könne.
„Wenn wir wirklich darüber nachdenken, was Christus für uns getan hat, dann ging es nicht um Gefühle. Er ist bis zum Äußersten gegangen“, betonte der Erzbischof.
Wenn ein Sturm alles verändert
Neben gesellschaftlichen Veränderungen prägen auch Naturkatastrophen das Leben in der Karibik. Hurrikans gehören für viele Menschen zur Realität. Malzaire weiß aus eigener Erfahrung, was das bedeutet: Als früherer Bischof im Nachbarstaat Dominica erlebte er die verheerenden Folgen eines schweren Wirbelsturms.
„Als ich mit dem Boot zurückkehrte, sah ich von Weitem nur ein Stück grauen und braunen Fels – und erkannte, dass es die Insel war. Sie war völlig verwüstet“, erinnerte er sich.
In solchen Momenten verschieben sich die Aufgaben der Kirche schlagartig. Statt langfristiger Projekte gehe es dann zunächst darum, Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, sie zu begleiten und Hoffnung zu geben.
„Nun ging es darum, Wege zu finden, die Menschen zu ernähren, für sie zu sorgen und sie seelsorgerisch zu begleiten.“
Trotz der regelmäßigen Stürme beschreibt Malzaire die Menschen in der Karibik als widerstandsfähig und hoffnungsvoll: „Wir sind ständig damit konfrontiert, aber wir haben überlebt.“
Mehr Glaubenswissen, mehr Berufungen
Für die Zukunft seiner Kirche sieht der Erzbischof vor allem zwei Schwerpunkte: eine stärkere Glaubensvermittlung und bessere Kommunikation. Außerdem brauche es mehr Initiativen, um junge Menschen für ein kirchliches Engagement oder einen geistlichen Beruf zu begeistern.
Unterstützung erhält die Kirche dabei vom Hilfswerk „Kirche in Not“, das unter anderem die Priesterausbildung und verschiedene Projekte zur Glaubensweitergabe fördert.
Ein Kindheitstraum wurde zur Berufung
Malzaires eigener Weg begann schon früh. Er wuchs auf St. Lucia in einer gläubigen Familie mit elf Kindern auf und verspürte bereits als Zehnjähriger den Wunsch, Priester zu werden. Trotz zwischenzeitlicher Zweifel hielt er an diesem Weg fest und wurde später zu einem der wichtigsten Kirchenvertreter der Karibik.
Bis heute begleitet ihn ein kurzes Gebet, das ihn nach eigenen Worten durch sein ganzes Leben getragen hat: „Herr, dein Wille geschehe.“






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