Du siehst sie überall in Berlin. Die Menschen, die sich bettelnd durch die Wagons der U-Bahnen schieben. Auf Pappkartons am Straßenrand sitzen, eingemummelt in dicke Pullover und Schlafsäcke, um sich wenigstens ein kleines bisschen gegen die bittere Kälte zu schützen. Menschen, die mit Einkaufswägen unterwegs sind, in denen sich ihr gesamtes Hab und Gut befindet. Menschen, die in Mülleimern nach Pfandflaschen wühlen.
Sie zu sehen, hat jedes Mal mein Herz gebrochen, mich innerlich überschüttet mit tausenden Fragen nach ihren Geschichten, Zweifeln an unserer Gesellschaft, unserem System, an mir, der Menschheit. In all dem inneren Chaos verstummte ich, versuchte das Problem nicht mehr zu sehen, in dem ich einfach die Augen schloss, wegschaute und so tat, als würde es nicht existieren.
Bis eines lauen Sommerabends eine Geschichte passierte, die mir die Augen öffnete:






Ich bin überzeugt, dass das Strahlen auf dem Gesicht der jungen Frau nicht wegen den Münzen erschien, die sie bekommen hat. Sondern weil sie gesehen und wertgeschätzt wurde; mit einem ehrlichen, aufrichtigen Blick. Meine Freundin hat den Moment zugelassen, hat versucht ein Gespräch zu beginnen und sich für die junge Frau interessiert. Nicht nur schnell Geld in den Becher geworfen, um ihr eigenes schlechtes Gewissen damit zu übertönen.
Man könnte bestimmt viel über die Bettlerszene in Berlin diskutieren, aber darum geht es im Moment nicht.
Es geht mir darum, in der Reflexion dieser Geschichte zum einen erkannt zu haben, dass die Augen vor dem Problem verschließen und es zu ignorieren, niemals eine Lösung ist. Gleichzeitig kann ich niemals allen notleidenden Menschen gerecht werden und somit nicht allen helfen.
Trotzdem möchte ich offen sein; offenbleiben, für den Moment, für die eine Person. Für die eine Person auch in meinem Umfeld, unter meinen Freunden und Bekannten, die gerade eine Ermutigung, eine Nachricht oder eine Umarmung braucht. Das ist es, was Menschsein ausmacht. In diesem einen Moment da zu sein, für diese eine Person, die es gerade so dringend braucht. Und für diese Person macht es einen Unterschied.






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wunderschön geschrieben, Marisa !!
Danke dir !!
Da denke ich an die Engel Rilkes , so …,können wir ihnen begegnen. Sieh mich an,.,,,auf Augenhöhe