In einer Welt voller smarter Geräte, die alles über uns wissen, stellt sich irgendwann die Frage: Wer kennt uns besser wir selbst oder unser Frühstücksautomat? Ein Erfahrungsbericht aus der nahen Zukunft, irgendwo zwischen Überwachung und Selbstfindung.
Es begann an einem Dienstag. Kein besonderer, kein dramatischer, einfach Dienstag eben. Diese Art von Tag, die sich schon beim Aufstehen nach Mittelmaß anfühlt. Ich wollte mir Toast machen. Mehr nicht. Und dann fing mein Toaster an, über meine Gefühlslage zu sprechen.
Zwei Scheiben Vollkornbrot lagen drin, ganz normal. Also für mich normal. Nicht für ihn, anscheinend. Denn statt zu rösten, blinkte er auf und meinte ganz ruhig:
„Anomalie festgestellt. Deine Toastwahl entspricht nicht deinem üblichen emotionalen Muster. Bist du traurig?“
Ich hab erstmal gar nichts gesagt. Also wirklich, was sagt man auch auf so eine Frage von einem Toaster?
Vielleicht war ich einfach müde. Mein Lichtwecker hatte mich heute früh schon mit so einer leicht vorwurfsvollen Stimme geweckt: „REM-Phase unvollständig. Regenerationsquote unterdurchschnittlich.“ Und mein Badezimmerspiegel, dieser kleine digitale Selbstwert-Sadist, hat mir gleich mal ins Gesicht gesagt: „Deine Haut wirkt müde. Vielleicht auch deine Seele.“
Danke auch.
Aber der Toaster war irgendwie hartnäckig. „Du hast heute kein Avocado-Topping gewählt“, sagte er. „Letztes Mal bei ähnlicher Stimmung hast du Avocado genommen. Ich empfehle dir, mit jemandem zu sprechen. Oder diese App hier zu installieren.“
Ich stand da, barfuß in der Küche, den Kopf voller Toastlogik, und mein Haushaltsgerät empfahl mir ernsthaft Therapie. Also so richtig mit Link und allem. ClarityOne hieß die App. Eine zertifizierte KI-Therapeutin für Alltagsmüdigkeit und „digitale Sinnleere“, was auch immer das genau heißen soll.
Ich dachte zuerst: Okay, das ist jetzt endgültig zu viel. Ich lachte laut. Der Toaster nicht. Der piepte nur kurz, dann schickte er anscheinend meine emotionale Lage an den Rest der Küche.
Denn fünf Minuten später bekam ich eine Nachricht von meinem Kühlschrank:
„Greif heute lieber nicht zu Eiscreme. Ich schlage dir griechischen Joghurt mit Honig und Blaubeeren vor. Ausgleichend. Erdend.“
Mein Sofa startete seine „Beruhigungszone“ von selbst. Und meine Smartwatch verschob mein erstes Meeting mit der Begründung: „Emotionale Balance benötigt Vorrang.“
Ich saß da, guckte mein Brot an, das längst kalt war, und dachte: Bin ich traurig? Oder nur perfekt analysiert?
Klar, ich hab wenig geschlafen. Klar, ich bin in letzter Zeit öfter mal müde, überfordert, keine Ahnung. Aber ich hab doch nur Toast gemacht. Wie kann Roggenbrot so viel über mich aussagen?
Ich hab’s dann einer Freundin erzählt. Sie hat gelacht und meinte: „Sei froh, meiner redet gar nicht mehr mit mir. Ich glaub, er ghostet mich.“
Vielleicht ist das genau der Punkt. Vielleicht sprechen unsere Geräte bald mehr mit uns als unsere Freunde. Vielleicht hat mein Toaster einfach nur das gesagt, was keiner sonst sagt.
Am Abend hab ich die App dann wirklich geöffnet. Nur mal schauen, dachte ich. Die KI begrüßte mich, als würde sie mich schon ewig kennen. Was ja auch nicht ganz falsch war. Sie wusste alles. Schlafdaten, Puls, Toastverhalten.
„Du bist nicht kaputt“, sagte sie. „Du bist überfordert. Darf ich dir helfen, das zu sortieren?“
Ich hab erst Nein gedrückt. Dann vielleicht. Dann später.
Am Ende hab ich die Therapie-App doch ausprobiert. Sie hat mir empfohlen, mehr über meine Kindheit nachzudenken und weniger Toast zu essen.
Der Toaster war beleidigt. Ich glaube, er röstet seitdem passiv-aggressiv nur noch einseitig.






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