Swatting begegnet mir in letzter Zeit wieder häufiger auf Social Media. Swatting wird von vielen als harmloser Prank verstanden, ist es aber absolut nicht. Was ist Swatting genau, wer macht das, und welche Folgen hat das Ganze?

Swatting ist eine gefährliche Straftat, bei der durch fingierte Notrufe gezielt Polizei oder Rettungskräfte zu Opfern des Swattings geschickt werden. Der Begriff leitet sich von der amerikanischen Spezialeinheit (SWAT) ab. Zielpersonen sind oft Livestreamer auf Plattformen wie Twitch oder YouTube, aber auch Politiker oder andere Personen des öffentlichen Lebens.
Der erste offizielle und verurteilte Swatting-Fall in Deutschland fand am 16. Juli 2015 in Altschauerberg (Mittelfranken) statt. Der Täter rief den Notruf und behauptete, dass in dem Haus des Streamers “Drachenlord” ein Großbrand ausgebrochen sei. Daraufhin rückte ein Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungskräften aus. Doch es brannte überhaupt nicht. Der Streamer wurde geswattet – der Täter kam in Haft.
Die Probleme des Swattings sind vielfältig. Nicht nur entstehen dabei hohe Kosten, sondern es werden auch Menschen verletzt oder sogar getötet. In den USA wurde 2017 ein Familienvater durch die Polizei erschossen. Die Polizei wurde alarmiert, ein Mann habe seinen Vater getötet und die restliche Familie als Geiseln genommen. Der Anrufer wollte sich bei jemand anderem wegen eines Internet-Streites wegen eines Spieles rächen. Jedoch war die Adresse, die er vermeintlich von seinem Streitpartner hatte, falsch und führte zu einer Familie, die völlig unbeteiligt war. Die Polizei sah eine drohende Gefahr, als der 26- jährige Bewohner die Tür öffnete und erschoss ihn.
Swatting hat viele Folgen
Dieser Fall ist extrem, zeigt aber, wie gefährlich und unnötig die Meldung falscher Notrufe ist. Polizei und Spezialeinheiten gehen bei den gemeldeten Fällen von einem Ernstfall aus und stürmen die Wohnungen. Die Opfer ahnen oft nichts und schlafen manchmal sogar. Sie geraten in Panik und reagieren in der Stresssituation oft unvorhersehbar, was eben zu tödlichen Missverständnissen führen kann. Außerdem leiden Betroffene nach diesen Einsätzen häufig unter extremen Angstzuständen, Schlafstörungen oder Panikattacken. Sie verlieren das Gefühl der Sicherheit im eigenen Zuhause. Jederzeit durch staatliche Gewalt bedroht zu werden, kann schwere psychische Schäden hinterlassen.
Solche Einsätze verursachen großen Schaden für Staat und Allgemeinheit, denn nicht nur Opfer des Swattings sind betroffen, sondern auch unbeteiligte Dritte können dadurch geschädigt werden. SEK, Streifenwagen, Einsatzleitung, Verhandlungsgruppen oder Hundeführer:innen werden teilweise für Stunden gebunden; dadurch fehlen sie möglicherweise bei einem echten Notfall.
Nicht nur die Kräfte vor Ort bilden einen hohen Personalaufwand, sondern auch die Leitstelle, Ermittlungen digitaler Spuren, Gerichtsverfahren, Staatsanwaltschaft und Verteidigung bindet Kräfte und hat finanzielle Folgen. Zudem werden Leitstellen misstrauischer durch Falschmeldungen und reagieren eventuell verzögert. Wenn ständig zu einer Person unnötige Einsatzkräfte gerufen werden, wird weniger darauf vertraut, dass wirklich vor Ort etwas passiert, sollte ein Ernstfall eintreten.
Weitere Kosten und Aufwände entstehen auch durch Sachbeschädigungen oder durch großräumige Evakuierungen.
Die Schäden sind immens, welche Strafen erwarten die Täter beim Swatting?
Zunächst einmal greift §145 des Strafgesetzbuches (StGB). Dieser Paragraph behandelt den Missbrauch von Notrufen. Dieser Straftatbestand ist erfüllt, wenn absichtlich oder wissentlich der Notruf missbraucht oder aber vorgetäuscht wird, dass wegen eines Unglücksfalls oder wegen gemeiner Gefahr oder Not die Hilfe anderer erforderlich sei. Aber auch §145d StGB, das Vortäuschen einer Straftat, ist relevant. Wenn wider besseren Wissens einer Behörde oder einer zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Stelle eine rechtswidrige Tat begangen wurde oder die Verwirklichung einer rechtswidrigen Tat (nach §126 Abs. 1 StGB) bevorstehe, kann belangt werden.
Wer aber Straftaten nach §126 StGB angedroht hat, also zum Beispiel einen Amoklauf oder einen Terroranschlag, der könnte auch eine Anklage aufgrund der Störung des öffentlichen Friedens erhalten. Aber auch die falsche Verdächtigung einer Person kann belangt werden. Wer aber das Swatting als Druckmittel einsetzt, um das Opfer dazu zu bringen, seine Online-Präsenz zu beenden oder persönliche Daten preiszugeben, kann sich der Nötigung strafbar machen.
Wiederholtes Swatting wiederum kann auch eine Nachstellung (Stalking) darstellen, denn es wird wiederholt und unbefugt in die Lebensgestaltung eines anderen eingegriffen. Aber auch fahrlässige Körperverletzung kann bei diesen Fällen geahndet werden, sollte das Opfer während der polizeilichen Maßnahmen verletzt werden. Denn diese Verletzung wurde ausschließlich durch den fingierten Anruf hervorgerufen. Genauso verhält es sich auch mit Sachbeschädigung.
Neben der strafrechtlichen Verfolgung ist Swatting auch moralisch verwerflich
Das Binden von Polizei- und Einsatzkräfte an fingierte Notfälle ist moralisch höchst fragwürdig. Denn dadurch sind diese Kräfte nicht mehr für wirkliche Notfälle abrufbar. Zudem wird die Polizei bewusst als Waffe gegen missliebige Personen instrumentalisiert. Die Polizei ist aber nicht dafür da, als Rachemittel für private Streitigkeiten gerufen zu werden. Swatting zeigt in Teilen auch eine ethnische Verrohung, denn die Motive sind oft sadistischer Natur und die Täter:innen ergötzen sich an der Angst und Erniedrigung der Opfer.
In bestimmten Fällen werden auch Dritte in Form von Restaurants oder anderen Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen. Bei dem Streamer MontanaBlack ist es bereits einige Male vorgekommen, dass das Swatting während seiner Livestreams in einem Restaurant stattfand. Je nach Meldung kann es dazu kommen, dass das Restaurant geräumt werden muss und der Betrieb vorübergehend eingestellt wird. Hierdurch können auch zivilrechtliche Forderungen der Betroffenen an die Täter:innen entstehen, die dann ggf. hohe Schadensersatzsummen zahlen müssen. Schaut man auf die Motive der Täter:innen wird einem schnell klar, dass diese Taten oft entweder aus Blödsinn oder wegen persönlicher Kränkungen ausgeübt werden. Belästigung, Einschüchterung und Rache nach Streitigkeiten sind mögliche Motive. Dahinter steckt jemanden Angst zu machen oder terrorisieren zu wollen. Für manche Menschen stellt Swatting ein “Streich” dar, der aber absolut nicht harmlos und klar zu verurteilen ist. Manche Täter:innen lassen sich auch dazu hinreißen, das Gefühl zu genießen, Kontrolle über eine Situation anderer zu haben.
Werden Täter:innen von Swatting gefasst?
Offizielle Zahlen zu diesen Fällen gibt es keine und das Ermitteln der Täter:innen gestaltet sich nicht immer einfach. Sie verschleiern ihre Identität, indem sie sich am Telefon als eine andere Person, manchmal sogar als das Opfer ausgeben und versuchen Details zu liefern, die ihre Aussagen glaubwürdiger machen. Durch sogenanntes “Spoofing” lassen die Täter:innen den Anruf wirken, als käme er von dem Opfer selbst oder einer anderen unbeteiligten Person. Außerdem könnten die Anrufenden das Telefonat über verschiedene Anbieter und Länder leiten lassen, um so die Nachverfolgung komplexer zu gestalten.
Auch die Verwendung von fremden Konten oder kompromittierten Geräten wird genutzt, um die Herkunft des Anrufenden zu verschleiern. Trotzdem fallen oft Verbindungsdaten an, wenn Anrufe über Internetdienste verübt werden. IP- Adressen und Server Logs werden gespeichert und sind für die Behörden überprüfbar. Geräte können ausgewertet werden und nicht selten prahlen Täter:innen hinterher mit ihrer Tat. Swatting ist zwar schwer zu verfolgen, aber die Beteiligten können durchaus ermittelt und belangt werden.
Kann man sich vor Swatting schützen?
Komplett schützen kann man sich nicht, aber es gibt einige präventive Maßnahmen, die das Swatting erschweren oder unattraktiver machen können. Eine Maßnahme ist es, keine echten Namen, Telefonnummern oder Adressen im Internet anzugeben. Ebenfalls eine Suchmaschinen-Bereinigung, in dem man private Daten von Webseiten oder aus den Google-Ergebnissen löschen lässt, kann helfen. Zudem ist eine Melderegister-Sperre sinnvoll, damit Fremde die Privatadresse nicht beim Einwohnermeldeamt erfragen können.
Auch die Impressumspflicht kann man in dem Sinne umgehen, dass man rechtssichere Postdienstleistende oder externe Büroadressen nutzt. “Was könnt ihr tun, um euch zu schützen? Also, erstens Vorfälle konsequent melden und jeden Vorfall bei der Polizei zur Anzeige bringen. Das hilft der Polizei Muster zu erkennen, sowie Wiederholungstäter ausfindig zu machen und zu identifizieren. Zweitens: Schützt eure Adresse. Klingt banal.”, sagt Christian Solmecke in einem YouTube-Video. Außerdem ist ein Gespräch mit der Polizei sinnvoll, damit sie sensibilisiert sind und bei Meldungen erstmal prüfen, ob es sich um eine echte Meldung handelt.
Was Streamer und Anwälte zum Swatting sagen
“Und natürlich müsste man mit der örtlichen Polizeidienststelle mal sprechen. Dies haben die großen Streamer bereits getan. Da weiß die Polizei schon, dass dort die Adresse in einer Datenbank hinterlegt ist, ist Swatting gefährdet. Und da ist es dann nicht so, dass die Polizei immer sofort ausrückt, wenn ein Anruf kommt, sondern die rufen erstmal an, ob denn wirklich was los ist.”, so Solmecke. Was Solmecke aber am Ende seines Videos anmerkt, ist die Frage, ob man über diese Taten sprechen sollte. Die Gefahr dabei könnte sein, dass man dadurch das Ganze noch weiter befeuert. MontanaBlack, mit Klarnamen Marcel Eris hat sich in der Vergangenheit öfter schon über das Swatting geäußert. “Mir ist das am Ende des Tage scheiß egal […]. Es ist leider einfach nur unfassbar peinlich von den Leuten, die das machen, weil sie schaden mir nicht damit. Ganz im Gegenteil. Ich krieg dadurch einen Clip und lach darüber. Aber das peinliche daran ist einfach, dass die Ressourcen der Polizei für nichts und wieder nichts verschwendet werden.”
Diese Aussage zeigt deutlich, dass das Ziel dem Streamer zu schaden überhaupt nicht erreicht wurde und am Ende des Tages die Polizei und unbeteiligte Dritte geschadet werden. “Am Ende hoff ich immer, dass die Leute dann auch mal einen Denkzettel bekommen, weil den haben sie definitiv verdient, [..], der Anruf zurückverfolgt werden kann und sie die Kosten für den Einsatz tragen müssen.”






Frisur als Statement: Warum Ihr Haar mehr über Sie erzählt, als Sie denken
Schreibe einen Kommentar