Für viele Europa-Park-Fans gehört sie zu den prägendsten Attraktionen ihrer Kindheit: die Euro-Mir. Die spiegelnden Türme, die sich drehenden Gondeln und vor allem der legendäre Soundtrack haben die Achterbahn seit fast drei Jahrzehnten zu einem echten Wahrzeichen des Parks gemacht. Doch nun beginnt der Abschied.


Nach der Wintersaison 2026/2027 wird die Euro-Mir endgültig schließen. Damit endet die Geschichte einer der bekanntesten Achterbahnen Deutschlands – allerdings nicht, ohne gleichzeitig den Startschuss für eines der größten Zukunftsprojekte des Europa-Parks zu geben.
Fast 30 Jahre Weltraumabenteuer
Als die Euro-Mir im Jahr 1997 eröffnet wurde, galt sie als technisches Highlight. Die Bahn führte Besucher durch eine futuristische Weltraumwelt, die von der russischen Raumstation „Mir“ inspiriert war. Besonders außergewöhnlich waren die rotierenden Gondeln, die dafür sorgten, dass jede Fahrt ein wenig anders verlief.
Mit einer Streckenlänge von fast einem Kilometer, einer Höhe von über 28 Metern und Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern entwickelte sich die Bahn schnell zu einem Publikumsliebling. Über Generationen hinweg gehörte die Euro-Mir zu den Attraktionen, die man bei einem Besuch im Europa-Park unbedingt gefahren sein musste.
Doch die Technik stammt aus den 1990er-Jahren. Nach knapp 30 Jahren Betrieb hat der Europa-Park deshalb entschieden, die Bahn grundlegend zu ersetzen und gleichzeitig das gesamte Areal neu zu gestalten.

Die letzte Saison läuft
Für Fans bedeutet das: Wer die originale Euro-Mir noch einmal erleben möchte, hat dazu nur noch bis zum Ende der Wintersaison 2026/2027 Gelegenheit. Der Europa-Park selbst spricht bereits von einer Abschiedssaison. Anschließend wird die Attraktion zurückgebaut, bevor auf dem Gelände ein völlig neuer Themenbereich entsteht.
Ganz verschwinden soll die Erinnerung an die Kult-Bahn jedoch nicht. Nach Angaben des Parks sollen die markanten Türme erhalten bleiben. Auch Teile der Streckenführung könnten in neuer Form wiedererkennbar sein. Selbst beim berühmten Euro-Mir-Soundtrack gibt es Hoffnung.
Europa-Park-Inhaber Roland Mack erklärte zuletzt: „Wir sollen ja die Musik nicht verändern. Werden wir nicht tun, auch diese Dinge werden wir zum Teil beibehalten.“
Europa-Park startet ins Weltall
Die größte Überraschung ist jedoch das neue Thema. Anstelle der bisherigen Weltraumgeschichte rund um die russische Raumstation Mir entsteht bis 2028 ein komplett neuer Weltraum-Themenbereich. Dafür hat sich der Europa-Park einen prominenten Partner an die Seite geholt: die European Space Agency (ESA), die europäische Weltraumorganisation.
Beide Partner unterzeichneten Anfang Juni ein Memorandum of Understanding und bekräftigten damit ihre Zusammenarbeit für das neue Großprojekt. Der neue Bereich soll weit mehr werden als eine klassische Freizeitpark-Erweiterung. Geplant sind nicht nur eine, sondern mindestens zwei neue Attraktionen, wie Roland Mack scheinbar nebenbei in einem Interviewverriet, interaktive Erlebnisse, Bildungsangebote und Ausstellungen rund um die europäische Raumfahrt. Ziel ist es, Wissenschaft und Unterhaltung miteinander zu verbinden und besonders Kinder und Familien für Technik, Forschung und das Weltall zu begeistern.

Eine neue Generation von Weltraum-Attraktionen
Noch hält sich der Europa-Park mit vielen Details zurück. Bekannt ist bisher lediglich, dass mindestens zwei neue Attraktionen entstehen sollen. Eine davon wird die Nachfolgerin der Euro-Mir sein. Parkchef Roland Mack sprach bereits von einer modernen „Hightech-Achterbahn“, die das Weltraum-Thema fortführen soll.
Dabei soll die neue Bahn stärker auf Familien ausgerichtet sein als die besonders intensive Achterbahn Voltron Nevera, die erst 2024 eröffnet wurde. Gleichzeitig verspricht der Europa-Park modernste Technik und eine völlig neue Geschichte. Viele Fans hoffen nun auf eine Art „Euro-Mir 2.0“ – moderner, komfortabler und technisch auf dem neuesten Stand, aber mit genügend Anspielungen auf den beliebten Klassiker.
Warum die ESA dabei ist
Die Zusammenarbeit mit der ESA ist für den Europa-Park ein ungewöhnlicher Schritt. Statt lediglich eine Weltraum-Kulisse zu schaffen, soll der neue Themenbereich echte europäische Raumfahrt erlebbar machen.
Europa-Park-Inhaber Roland Mack sagte dazu: „Sowohl die ESA als auch der Europa-Park stehen für den europäischen Gedanken, Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, für Innovation, Qualität und die Überzeugung, dass große Ideen immer dann entstehen, wenn Menschen gemeinsam an einer Vision arbeiten. Die ESA zeigt seit Jahrzehnten eindrucksvoll, wie erfolgreich Europa sein kann, wenn Länder ihre Kompetenzen bündeln und gemeinsam handeln. Auch der Europa-Park lebt diesen Gedanken jeden Tag. Europa ist für uns nicht nur ein Thema, Europa ist Teil unserer Identität.“
Der Europa-Park umgeht damit auch ein politisch brenzliges Thema: Die Euro-Mir gehört derzeit zum Themengebiet Russland. Bei einer Neugestaltung der Euro-Mir könnte das russische Themengebiet somit deutlich kleiner werden. Eine politische Instrumentalisierung der Themengebiete hat der Europa-Park bisher konsequent vermieden, auch wenn infolge des russisch-ukrainischen Angriffskrieges die Sponsorenschaft mit Gazprom aufgekündigt wurde. Mit einer ESA-Kooperation würde der Park ein pro-europäisches Zeichen setzen – ohne damit die Debatte um ein russisches oder ukrainisches Themengebiet neu zu entfachen.
Das zeigt sich auch im Statement von ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher, der in der Kooperation großes Potenzial sieht: „Die Stärke Europas zeigt sich darin, Visionen gemeinsam Wirklichkeit werden zu lassen. Die Europäische Weltraumorganisation ESA steht dafür in besonderer Weise – sie verbindet Technologie, Zusammenarbeit und Inspiration über Grenzen hinweg.“ Er betonte außerdem: „Was uns verbindet, ist die Überzeugung, dass große Visionen erst dann ihre volle Kraft entfalten, wenn sie Menschen erreichen und berühren.“
Mehr als nur eine Achterbahn
Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär war bei der Unterzeichnung vor Ort. Sie sieht in der Zusammenarbeit die Chance, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern.
„Raumfahrt fasziniert uns Menschen und hat gleichzeitiges ein riesiges Potenzial für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft. Die Partnerschaft zwischen der europäischen Weltraumorganisation ESA und dem Europa-Park wird das der ganzen Gesellschaft, Jung und Alt, spielerisch klar machen.“
Ein emotionaler Abschied – und ein Blick in die Zukunft
Für viele Besucher wird die Schließung der Euro-Mir ein emotionaler Moment sein. Kaum eine Achterbahn im Europa-Park hat über so viele Jahre hinweg Generationen von Gästen begleitet. Der Soundtrack, die drehenden Wagen und die ikonischen Türme sind längst Teil der Parkgeschichte geworden. Andere wiederum werden den Abriss herbeisehnen, denn bei etablierten Parkbesuchern ist klar, dass die Achterbahn längst ihren Zenit überschritten hat – und eher Sterne in den Augen und Kopfschmerzen als fröhlichen Achterbahnspaß verursacht.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie konsequent der Europa-Park seine Zukunft plant. Nach Themenwelten rund um europäische Länder richtet sich der Blick nun erstmals ins All – gemeinsam mit Europas wichtigster Raumfahrtorganisation. Bis 2028 wird es noch einige Zeit dauern. Doch schon jetzt steht fest: Die Euro-Mir verschwindet zwar als Attraktion, ihre Geschichte wird im neuen Weltraum-Themenbereich jedoch weiterleben – nur in einer völlig neuen Form.






Hoffnung und Elend in Pressefotos aus aller Welt
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