Eine Zeit der Vorbereitung, des Innehaltens und des Ankommens
Es ist soweit: Die laute, lustige und bunte Faschingszeit ist vorbei und mit dem bekannten Tag des Aschermittwochs sind wir nun in eine Vorbereitungszeit angekommen, der sogenannten Fastenzeit.
Die Fastenzeit, welche mit dem symbolischen Aschenkreuz beginnt, steht für eine Zeit, in welcher die Christen sich auf eine besondere Art und Weise 40 Tage lang auf die bevorstehende Osterzeit vorbereiten.
Drei kennzeichnende Begriffe: Fasten, Umkehr und Nächstenliebe
Das klingt jetzt erstmals nicht attraktiv und erstrebenswert. Vielmehr könnte es uns auf den ersten Blick abschrecken, da es sich menschlich gesehen nach Arbeit und Anstrengung anhört. Aber die Wahrheit ist, das hinter diesen Wörtern so viel mehr steht. Eine tiefe Wahrheit, die wir heutzutage auf die schnelle gar nicht mehr erfassen können.
Denn es geht nicht um die Erfüllung einer Liste voller Vorsätzen, oder des sich selbst Erniedrigens, der Überforderung oder der Frustration. Es geht auch nicht darum, sich einen super tollen Trainingsplan zum Abnehmen aufzustellen oder sich gar nichts mehr zu gönnen.
Vielmehr geht es darum, immer wieder innezuhalten, zu erkennen, dass man selbst schwach ist und Gottes Hilfe braucht. Es geht darum sich „leer“ zu machen, um von Gott gefüllt zu werden. Ja es geht darum, sich auf den Höhepunkt des Kirchenjahres, nämlich die Osterzeit, wo Jesu Tod und Auferstehung gefeiert werden, vorzubereiten und diese dann mit einem offenen Herzen erleben zu können. Ich bin fest überzeugt, dass die Fastenzeit eine Zeit ist, die ein großes Potential in sich trägt, eine Zeit, die es schafft Veränderungen und Durchbrüche zu schaffen.
Im Anschluss möchte ich nochmal mehr auf die drei großen Hauptaspekte des Fastens, der Umkehr und Nächstenliebe eingehen, dir zeigen welchen Sinn und Bedeutung sie tragen und dir diesbezüglich auch paar Tipps mitgeben.
1. Fasten: such dir dein individuelles Opfer aus
Was die Fastenzeit im Wesentlichen ausmacht, ist das Fasten. Das kann sehr individuell und bei jedem anders aussehen. Es geht dabei immer darum, dich Gott näher zu bringen und auch stärker und verändert aus dieser Zeit rauszugehen. Such dir ein Opfer, das du in diesen 40 Tagen durchziehen willst. Ja, es soll ein Verzicht sein, der dich schon ein bisschen schmerzt, dich aber gleichzeitig nicht komplett überfordert.
Und hier ganz wichtig: Such dir dafür ein Warum und ein Wozu.
Dein Verzicht soll etwas Größerem dienen und deswegen ist es wichtig, dass du dein WHY hinter deinem Fastenopfer kennst. Ein kleines Beispiel hierfür: Eine Reduzierung der „Screentime“ kann dir helfen, freier zu werden oder vielleicht auch wieder mehr aufmerksamer im Hier und Jetzt die Dinge genießen zu können.In der Tat ist die Fastenzeit schon auch eine Zeit des Trainings und des Durchhaltens sein, in welcher man sicherlich wieder neu lernt, diszipliniert zu sein. Aber es ist sehr wichtig, dass wir uns aus Freiheit, eigenem Willen und Liebe dazu entschließen, denn erst dann ist es kraftvoll und effizient.
Ein weiterer kleiner Tipp zum Fasten:
Such dir auch ein sogenanntes gutes Gegenprogramm oder eine gute und sinnvolle Alternative, mit dem du deine Zeit, deinen Hunger, deine Lust usw. füllst. Es kann nämlich schnell passieren, dass man diese Leere, die durch den Verzicht entsteht mit kurzfristigen Lösungen füllen möchte. Zum Beispiel wenn ich auf Schokolade verzichte, dass ich auf Chips umsteige.
Ich möchte dich aber einladen, bewusst die langfristigen Lösungen/ sinnvollen Alternativen zu wählen, welche dich weiterbringen können und einen Unterschied machen. Versuch diese „Leere“ auszuhalten, die Zeit sinnvoll zu nutzen und ehrlich zu dir selbst zu sein um zu erkennen, wo du deine Zeit, deine Lust usw. in Gutes umwandeln kannst. So könntest du zum Beispiel in der Zeit, welche du nun aufgrund des Instagram Verzichts hast, ein Buch lesen. Wie man die Zeit nun auch nutzen kann und was mit uns geschieht, wenn wir uns auf das Fasten wirklich einlassen, erfährst du nochmal mehr in meinem nächsten Punkten…
2. Umkehr- Was möchte ich verändern, wo bin ich unzufrieden?

Unser Verzicht kann uns helfen, tiefer in unsere Seele zu gelangen und verborgene Dinge zu sehen und zu entdecken. Durch den Verzicht werden wir auf eine bestimmte Art und Weise „leerer“ und können sehen, was sich alles in uns verbirgt. Wir sehen Bereiche unseres Leben, die wir sonst mit den vielen Dingen, die uns zur Verfügung stehen, übertönen. So ist mir selbst aufgefallen, dass, wenn es still wird, da ich meine Ablenkungen (zum Beispiel Instagram) reduziere, Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte hochkommen, die ich sonst immer gut verdränge.
Ja es kann eine echte Chance sein, dahinter zuschauen, sich mit Themen auseinanderzusetzen und durch Stille, den Fokus neu zu setzen. Es geht darum, kleine Veränderungen in den Alltag reinzubringen. Denn es sind die vielen kleinen Schritte und Entscheidungen, die einen Durchbruch und einen Unterschied bringen.
Und genau das bedeutet Umkehr: Sich innerlich neu auszurichten, das eigene Verhalten zu überdenken und die Bereiche, in denen man falsch abgebogen ist, vor Gott zu bringen, sie hinter sich zu lassen und wieder zurückzukommen. Ja, das Coole ist, dass man niemals zu weit weg ist und jederzeit zurückkommen kann. Mit Gott ist ein Neustart jeden Tag möglich.
3. Nächstenliebe – mach einen Unterschied!
Das Besondere am christlichen Fasten wird uns schon von Jesus in der Bibel beschrieben; so steht in Matthäus 6, 16-18:
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
~ Matthäus 6, 16-18
Es geht darum, dass das Fasten eine Sache zwischen mir und Gott ist und wie bereits beschrieben, dieser Beziehung dient. Es ist ein wunderschönes menschliches Phänomen, dass wir uns gerne mitteilen, Dinge miteinander besprechen oder dem Gegenüber davon erzählen wollen. Aber ich möchte dich einladen, dass dein Fasten wirklich im geschützten Rahmen zwischen dir und Gott geschieht.
Eine weitere Challenge kann sein, dass wenn man selbst angestrengt, müde oder hungrig ist, seinen Nächsten in Liebe zu begegnen, sodass dieser eben nicht merkt, dass einem etwas „fehlt“. Es geht darum, nochmal eine Spur draufzulegen, und sich echt in einer echten und liebenden Intension seinen Gegenüber zuzuwenden.
Ja, in der Fastenzeit wird man dazu aufgefordert, sich selbst zurückzunehmen, den Blick auf andere zu richten und dementsprechend zu handeln. Es geht darum, den anderen immer wieder bewusst höher zu stellen, voller Aufmerksamkeit seine Bedürfnisse zu sehen ihm dort dann zu begegnen, zu helfen und zu unterstützen. Ja, man soll also auch dort, in der Begegnung und im Umgang mit den Mitmenschen immer wieder einen kleinen Unterschied machen.

Alles hat einen Zusammenhang
Die Fastenzeit lehrt uns so einiges und kann unser Leben echt verändern und wie der Wind bei einem Schiff nochmal voll Power in die richtige Richtung geben. Sie lässt uns sehen, was wirklich zählt; was die Dinge sind, die das Leben ausmachen, wo ich mich investieren will. Es geht darum den Fokus neu zu setzen, die eigenen Prioritäten zu ordnen und bewusst zu leben. Ja, es ist ein Ankommen im Hier und Jetzt; bei Gott, mir selbst und den anderen.
Wie man sieht, hängen die drei Punkte demensprechend zusammen, denn durch die Offenheit, die Zeit und den nicht vorhandenen Ablenkungen schafft man es mehr bei sich selbst, aber eben auch in der Begegnung mit dem Nächsten anzukommen und mit einem offenen Blick ihn sehen zu können.






Zu jung, um gehört zu werden? – Die Hirtenkinder aus Fatima
Super bin stolz auf dich😊
Volle schian. ❤️
Sehr schöne Überlegungen, liebe Magdalena, zu dieser besonderen Zeit im Jahr: Überlegungen, die tiefer gehen als einen Verzicht zu leisten, nur weil es jemand anders „vorschreibt“ 😉