„Ich bin nur eine Frau. Daher verstehe ich nicht viel von Politik“; ein Satz der zur Zeit des Nationalsozialismus oft als Ausrede für das Nicht-Auflehnen gegen das System verwendet wurde. Natürlich war das Frauenbild in den 1930er und 1940er Jahren noch deutlich anders als heute. Zudem charakterisierten die Nationalsozialisten ein Frauenbild im Sinne der Ideologie. Doch waren Frauen zur Zeit des Nationalsozialismusʾ wirklich so „unschuldig“ wie es nach dem Krieg noch lange Zeit dargestellt wurde?
Erste Frau der „SS-Sippenschaft – Margarete „Marga“ Himmler, geb. Boden, gesch. Siegroth (* 09.09.1893 † 25.08.1967)

Marga Himmler –
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Als Ehefrau des „Reichsführers SS“ in die sogenannte „SS-Sippengemeinschaft“[1] eingeheiratet, fungiert Margarete Himmler als „mächtigste Frau“ im Kontext der SS. Neben weiterer weiblichen SS-Prominenz, wie Lina Heydrich, Irene Mengele und Ilse Koch behauptete sie sich an der Seite Heinrich Himmlers – mit Betonung auf Behaupten. Heinrich Himmler war durch seine verschiedenen Tätigkeiten viel unterwegs und somit befand sich Margarete Himmler in einem ständigen Zwiespalt zwischen Hausfrauen- und Mutterdasein und Repräsentanz als Frau von Heinrich Himmler.
Ihre Ausbildung zur Krankenschwester beendete sie zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Anschließend war sie in einem Lazarett des Deutschen Roten Kreuzes tätig. Durch finanzielle Unterstützung ihres Vaters war es ihr möglich, an einer Privatklinik in Berlin-Schöneberg die Leitung des Pflegedienstes zu übernehmen, sowie finanzielle Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg der Klinik zu erlangen. Nach der Heirat mit Heinrich Himmler am 03.07.1928 war von dieser autarken Frau nur noch wenig übrig. Sie zog sich mehr und mehr zurück und stellte sich hierarchisch unter die Macht ihres Mannes. Daher muss sich folgende Frage gestellt werden: Wie sehr war sich Margarete ihrer mächtigen Rolle durch die Position ihres Mannes im NS-Regime bewusst und inwiefern hat sie von dieser Gebrauch gemacht?
Ob sich Margarete Himmler ihrer selbst und ihrer repräsentativen Rolle für das NS-System so sicher war, ist in der Forschung nach wie vor stark umstritten. Im Vergleich zu anderen Frauen wie Magda Goebbels war sie deutlich mehr in sich gekehrt, im Gegenzug dazu aber auch sehr herrisch; besonders gegenüber den anderen Frauen der „SS-Sippenschaft“. Bei Parteitagen war sie regelmäßig als erste Frau der „SS-Sippenschaft“ anwesend und stellte ein verpflichtendes Programm für alle Frauen von SS-Männern zusammen; befolgten die Damen dieses Programm nicht wurden sie dementsprechend von Margarete persönlich zurechtgewiesen. Sie war sich ihrer Rolle somit vollkommen bewusst, doch wenn es um ihren Mann ging, stellte sie sich komplett unter seine Macht. Das Verhältnis ihres Mannes zu seiner Sekretärin, aus welchem zudem zwei Kinder hervorgingen, traf sie schwer; dennoch blieben sie verheiratet. Allerdings ist aus persönlichen Aufzeichnungen Margaretes herauszulesen, dass sie sich emotional stetig von ihrem Mann distanzierte. Trotz der Distanzierung war sie bis zum Ende davon überzeugt, dass er den erhofften „Endsieg“ herbeiführen würde. Das Vertrauen in seine Arbeit betrachtete sie demnach losgelöst von privaten Problemen.

Margaret and Gudrun Himmler –
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Margarete Himmler überlebte den Krieg und gelang kurz nach Kapitulation der Wehrmacht am 08.05.1945, gemeinsam mit der Tochter, in Internierung auf italienischem und französischem Boden. Heinrich Himmler, der sich ab 21.05.1945 ebenfalls in Gefangenschaft befand, nahm sich zwei Tage später das Leben – Margarete nahm dies lediglich mit einem Schulterzucken hin. Im Rahmen der Nürnberger Prozesse war sie am 26.09.1945 als Zeugin geladen. Im November wurden Mitter und Tochter aus der Internierung entlassen und in der Bodelschwinghschen Anstalt Bethel bei Bielefeld untergebracht. Dort lebten Margarete bis ins Jahr 1955, ihre Tochter hingegen nur bis 1952.
Im Laufe der Nachkriegsjahre wurden um Margarete Himmler insgesamt drei Entnazifizierungsprozesse geführt. Im letzten Prozess im Jahr 1951 wurde sie schlussendlich der „Nutznießerschaft/Mitläuferschaft“ beschuldigt. Grund hierfür war, dass sie für die Taten ihres Mannes zwar nicht verantwortlich war, sich aber nicht von ihnen distanziert hat, sondern sie im Gegenteil eher gutgeheißen hat. In ihren letzten Jahren lebte sie nahezu unbeachtet in Heepen (nahe Bielefeld) und bei ihrer Tochter in München, wo sie am 25.08.1967 verstarb.
Getrud Heißmeyer, geb. Treusch, verw. Klink, gesch. Scholtz (* 09.02.1902 † 24.03.1999)

Getrud Scholtz-Klink –
Foto: Unbekannter Autor, Bundesarchiv Bild 146II-104, Wikimedia Commons
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Als Tochter eines Vermessungsbeamten, geboren im Februar 1902 in Adelsheim (Baden) arbeitete Getrud Treusch nach ihrer Schullaufbahn und Ausbildung als Lehrerin und Journalistin. Im Alter von 19 Jahre (April 1921) heiratete sie Eugen Klink, Lehrer und später Bezirksleiter der NSDAP Offenburg. Er trug maßgeblich zu ihrem ideologischen und persönlichen Hinzuarbeiten zur NSDAP bei. 1930 traten beide in die NSDAP ein. Eugen Klink starb im selben Jahr plötzlich an einer Herzattacke, woraufhin Getrud Klink ihre Arbeit für die Partei intensivierte. Sie wurde zur Leiterin des „Deutschen Frauenordens“ (DFO) ernannt. Mit der Auflösung des „DFO“ im Jahr 1931 folgte die Gründung der NS-Frauenschaft (NSF), wovon Getrud Klink zuerst in Baden, dann in Hessen und fortan im gesamten Reich als „Initiatorin“ fungierte.
Im Jahr 1932 heiratete sie den Landarzt Günther Scholtz. Mit dem 30.01.1933 gewann Scholtz-Klink immer weiter an Auf- und Ansehen im Konglomerat der NS-Struktur. Ihre Position als „erste Reichsführerin der NS-Frauenschaft“ und Leiterin des „Deutschen Frauenwerks“ (DFW) stellten die Spitze aller NS-Frauenorganisationen dar. Ihre Ehe mit Günther Scholtz wurde nach zwei Jahren geschieden, woraufhin sie den August Heißmeyer, SS-Obergruppenführer und Inspektor der sogenannten „Nationalpolitischen Erziehungsanstalten“. Getrud hatte bislang vier Kinder, August Heißmeyer sechs Kinder. Gemeinsam hatten sie noch einen Sohn, der im Jahr 1944 zur Welt kam.
Nach Kapitulation der Wehrmacht am 08.05.1945 geriet Scholtz-Klink in sowjetische Gefangenschaft, aus der ihr die Flucht gelang. Gemeinsam mit ihrem Mann lebte sie fortan inkognito in der Nähe von Tübingen. Unter ihren Decknamen Heinrich und Maria Stuckebrock wurde das Ehepaar entnazifiziert; erst drei Jahre später wurden sie enttarnt und schlussendlich verhaftet.
Fast fünf Jahre nach Kriegsende wurde Scholtz-Klink als „Hauptschuldige“ eingestuft und zu 30 Monaten Arbeitslager verurteilt. Außerdem wurde ihr sowohl jegliche politische Aktivität lebenslänglich als auch die Ausübung des Lehrer- und Journalisten für zehn Jahre untersagt. Des Weiteren verlor sie ihr Wahlrecht und die Möglichkeit politischen Parteien beizutreten.
Nach Verbüßung ihrer Strafe lebte sie zurückgezogen in Bebenhausen bei Tübingen. Sie veröffentlicht ihre Autobiografie „Die Frau im Dritten Reich“, was vielmehr als eine Art dienstlicher Rechenschaftsbericht einzuordnen ist. Sie stirbt am 24.03.1999 in Bebenhausen.

Heinrich Himmler mit Gertrud Scholtz-Klink –
Foto: Kurt Albert, Bundesarchiv Bild 101III-Alber-174-14A, Wikimedia Commons
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Rezeption & Forschung heute – wie sehen wir Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus?
Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus werden meist stark stereotypisiert. Aus dieser Sicht hatten Frauen gegenüber Männern lediglich eine „Daseinsberechtigung“ als Hausfrau und Mutter und später im Krieg unteranderem die „Aufgabe“ im Rahmen der „Heimatfront“ für wachsende Kriegsbegeisterung zu sorgen. Doch dem ist nicht so. Natürlich hebt dieser Beitrag vereinzelte Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus hervor, denen aufgrund ihrer Heirat mit erwähnten Männern eine gewissen Prominenz zugesprochen wurde. Dennoch ist bekannt, dass diese Frauen nicht erst durch ihre Heirat zur Bekanntheit und finanziellem „Erfolg“ geführt wurden, sondern dies schon vorher erreichten; am Beispiel von Getrud Scholtz-Klink ist dies am eindeutigsten zu beobachten. Zwar hat ihr erster Mann sie in ihrem „ideologischen Werdegang“ bestärkt, doch ihre steile Karriere bewerkstelligte sie alleine. So gelten diese Frauen als Beispiel für viele andere Frauen zur Zeit des Nationalsozialismus.
In der NS-Forschung kommen Frauen, sowohl als Opfer als auch als Täterinnen, im Vergleich zu männlichen Beispiele immer noch deutlich seltener vor. Zwar existiert manches an Forschung aus den 1980er – frühen 2000er Jahren zum Frauen- und Geschlechterrollenbild im NS-Regime, aber dies ist mittlerweile überholt und bedürfe einer überarbeiteten Fassung. Hinzukommt, dass die Werke meist nicht fachwissenschaftlich sondern populärwissenschaftlich sind und daher in der Forschung nicht unbedingt zitierfähig sind. Biografische Auseinandersetzungen mit einzelnen Frauen gibt es kaum. Trotz ihrer „Prominenz“ im Deutschen Reich gibt es heutzutage wenig bis kaum Quellenmaterial über sie, was die Arbeit und Recherche deutlich erschwert. Lediglich über Margarete Himmler ist noch einiges an Aufzeichnungen wie Briefen sowie ihr Tagebuch erhalten: Dies sorgt dafür, dass sie eine der wenigen Damen ist, deren Persönlichkeit, Thema mancher historischer Sammelbandaufsätze gewesen ist. Ein biografisches Forschungswerk in Form einer fachwissenschaftlichen Auseinandersetzung ist bislang aber bei allen Frauen nicht vorhanden, was allerdings neuen Forschungsansätzen und -ausblicken zugutekommt.
Fortführende Literatur
Herkommer, Christina: Frauen im Nationalsozialismus. Ein diskursgeschichtlicher Überblick, in: Theresienstädter Studien und Dokumente 14 (2007), S. 288-327.
Kompisch, Kathrin: Täterinnen. Frauen im Nationalsozialismus. Köln 2008.
Klinksiek, Dorothee: Die Frau im NS-Staat (= Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 44) Stuttgart, 1982.
Wiggershaus, Renate: Frauen unterm Nationalsozialismus. Wuppertal 1984.
[1] Gemeinschaft der sog. „SS-Elite“. Ihr gehörten SS-Männer und deren Ehefrauen sowie Kinder an. Die Sippenschaft verschaffte den Familien besondere Privilegien, unter der Prämisse des bedingungslosen Treue, Gehorsam und ideologischen Unterstützung.






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