Ein Erfahrungsbericht von Sebastian Streicher, Schreiner auf einem Hospitalschiff: Wenn ich morgens aufwache, weiß ich nie genau, was mich erwartet. Kein Tag ist wie der andere. Ich bin Schreiner auf der Africa Mercy, einem schwimmenden Krankenhaus, das momentan in Madagaskar medizinische Hilfe leistet. Seit August letztes Jahr habe ich mein Leben in Köln gegen das Leben an Bord eingetauscht.
Von Köln aufs Meer – mein Weg zum auf einem Hospitalschiff
Zum ersten Mal hörte ich von Mercy Ships, als zwei Mädels aus meiner Kirchengemeinde davon erzählten. Einige Zeit später stolperte ich auf Facebook über eine Anzeige. Und dann habe ich es einfach mal probiert und mich beworben. Auf eine Zusage habe ich dann zwei Jahre gewartet. In dieser Zeit bin ich sowohl durch Neuseeland als auch Australien gereist.
Werkbank, Taucherbrille und Feuerwehrhelm: Mein Alltag als Schreiner auf See
Der Alltag hier ist sehr besonders. Morgens starten wir oft mit Trainings oder kurzen Andachten, die uns geistlich und mental stärken. Manchmal ist es Lobpreis, manchmal lesen wir gemeinsam etwas aus der Bibel. Wir tauschen uns aus, wie es uns gerade geht und was als Nächstes ansteht. Danach geht’s an die Arbeit.
Momentan bin ich allein in der Werkstatt, das macht alles etwas stressig, aber seit kurzem hilft mir jemand der zur „Day Crew“ gehört, das ist die einheimische Crew. Was supercool ist. Ich freu mich aber auch, wenn wir bald wieder zwei Schreiner sind, denn die Africa Mercy ist ein schon ein bisschen in die Jahre gekommenes Schiff und da geht öfter was kaputt.
Mein schönstes Projekt
Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich gebeten wurde, ein Paar Schuhe für einen Jungen mit einer schweren Fehlstellung seiner Beine anzupassen. Als er sie zum ersten Mal anzog und aufstand, war das ein heftiger Moment. Ich habe mich so gefreut und war auch ein bisschen stolz. Ich habe sonst ja kaum Berührungspunkte zu den Patienten aber das war echt stark. Dass meine Arbeit, auch wenn sie oft im Hintergrund passiert, so einen Unterschied machen kann, hat mich tief berührt.
Neben der Schreiner Arbeiten bin ich auch Teil des Tauchteams, das den Propeller und Einlauffilter des Schiffs reinigt. Denn wenn ein Schiff über längere Zeit im Hafen liegt, setzt sich einiges am Rumpf ab– zum Beispiel Algen, Muscheln oder auch Müll. Besonders kritisch wird es, wenn sich diese Ablagerungen an den Wasseransaugstellen oder Gittern festsetzen, da dort zum Beispiel Wasser für das Feuerlöschsystem entnommen wird. Deswegen gehen wir alle zwei Wochen tauchen und befreien das Schiff.
Leben und Arbeiten auf engem Raum – eine besondere Crew-Gemeinschaft
Die Crew der Africa Mercy besteht aus Ehrenamtlichen aus aller Welt. Ärzte, Techniker, Reinigungskräfte, Köche – über 40 Nationen, die gemeinsam Reich Gottes bauen wollen.
Es fällt mir schon schwer, dass hier ein ständiger Wechsel stattfindet. Während ich für zwei Jahre hier bin, sind die meisten nur für ein paar Monate manche sogar nur für ein paar Wochen da. Es heißt also ständig Abschiednehmen von Menschen, die man in kurzer Zeit sehr ins Herz geschlossen hat. Umso mehr freue ich mich, wenn Leute zurückkommen, denn das kommt auch vor.
Meine Zeit bisher auf der Africa Mercy hat mir gezeigt, wie viel möglich ist, wenn Menschen gemeinsam anpacken – mit Mut, Hingabe und einer Portion Improvisation. Alle Infos zu Mercy Ships Einsatzmöglichkeiten und offenen Positionen findest Du auf der offiziellen Website: www.mercyships.de.







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