Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit steht weltweit unter massivem Druck. In mehr als einem Drittel aller Staaten ist die freie Ausübung des Glaubens eingeschränkt oder ernsthaft bedroht. Zu diesem Befund kommt der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not, der im Januar beim Jahresauftakt von Kirche in Not vorgestellt und diskutiert wurde. Die Studie zeichnet ein düsteres Bild – benennt aber auch Ursachen, Verantwortlichkeiten und Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen.

5,4 Milliarden Menschen leben ohne volle Religionsfreiheit
Nach den Erhebungen von „Religionsfreiheit weltweit 2025“ leben rund 5,4 Milliarden Menschen – etwa 65 Prozent der Weltbevölkerung – in Ländern, in denen Religionsfreiheit behindert oder systematisch verletzt wird. Wie viele Menschen tatsächlich verfolgt werden, lasse sich seriös nicht beziffern, da viele Übergriffe nicht dokumentiert würden.
„Heute ist das grundlegende Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht mehr nur gefährdet. Es wird inzwischen großen Teilen der Menschheit vorenthalten“, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts. Für die Untersuchung haben 13 unabhängige Journalisten und Menschenrechtsexperten die Gesetzeslage, konkrete Vorfälle und gesellschaftliche Entwicklungen in 196 Ländern analysiert. Der Beobachtungszeitraum reicht von Januar 2023 bis Dezember 2024. Die Studie erscheint alle zwei Jahre und gilt als einzige umfassende Analyse der Religionsfreiheit außerhalb staatlicher Institutionen.
Verfolgung und Diskriminierung in 62 Staaten
In 24 Ländern stellt der Bericht eine Situation offener Verfolgung fest. Dazu zählen unter anderem Nordkorea, China, Indien und Nigeria. Weitere 38 Staaten werden der Kategorie Diskriminierung zugeordnet, darunter Ägypten, Äthiopien, Mexiko, die Türkei oder Vietnam. In fast allen betroffenen Ländern habe sich die Lage im Vergleich zum Vorgängerbericht von 2023 weiter verschlechtert. Lediglich in Kasachstan und Sri Lanka seien vorsichtige positive Entwicklungen erkennbar.
Autoritäre Regime im Fokus
Eine zentrale Neuerung des Berichts ist die Gewichtung der Ursachen: Erstmals werden autoritäre Regierungen und Regime als größte Bedrohung der Religionsfreiheit identifiziert. Insgesamt 52 Staaten fallen unter diese Kategorie, darunter China, Nordkorea, Iran, Nicaragua, Saudi-Arabien und Turkmenistan. Staatliche Kontrolle, Repression und die gezielte Einschränkung religiöser Aktivitäten seien dort wesentliche Treiber von Diskriminierung und Verfolgung.
An zweiter Stelle steht weiterhin religiöser Extremismus, der laut Bericht in 25 Ländern – etwa in Afghanistan, Burkina Faso oder der Demokratischen Republik Kongo – maßgeblich zur Gewalt gegen Gläubige beiträgt. Besonders dschihadistische Gruppen destabilisierten ganze Regionen, von der Sahelzone bis nach Pakistan. Betroffen seien nicht nur Christen, sondern auch Muslime, die extremistische Ideologien ablehnten.
Nationalistische Bewegungen, die nationale Identität an eine bestimmte Religionszugehörigkeit knüpfen, bilden die drittgrößte Bedrohung. Solche ethno-religiösen Strömungen verzeichnet die Studie unter anderem in Indien, Nepal, Sri Lanka und im Heiligen Land.
Organisierte Kriminalität als neuer Faktor
Neu aufgenommen wurde die Kategorie „Organisierte Kriminalität“. Bewaffnete Gruppen und Kartelle nähmen zunehmend auch Gläubige ins Visier, die sich ihrem Machtanspruch oder illegalen Aktivitäten entgegenstellten. Haiti, Nigeria und Mexiko gelten hier als besonders betroffen. Der Bericht verzichtet bewusst auf ein Ranking der Ursachen, da sich das Leid der Betroffenen nicht gegeneinander aufwiegen lasse. In vielen Ländern wirkten mehrere Faktoren gleichzeitig.
24 weitere Staaten stehen „unter Beobachtung“, darunter Belarus, Ghana, der Libanon, Mauritius und der Südsudan. Dort nähmen Intoleranz, Extremismus und staatliche Eingriffe in religiöse Angelegenheiten spürbar zu.
Krieg, Flucht und gesellschaftliche Spannungen
Deutlich macht der Bericht auch den Zusammenhang zwischen Krieg und Religionsfreiheit. In bewaffneten Konflikten würden Kirchen geschlossen, religiöse Aktivitäten eingeschränkt oder die Verweigerung des Militärdienstes aus Gewissensgründen nicht akzeptiert. Religiöse Verfolgung sei zudem ein wesentlicher Treiber von Fluchtbewegungen, insbesondere in mehreren afrikanischen Staaten.
Besorgt äußert sich „Religionsfreiheit weltweit 2025“ über die Zunahme antisemitischer und antimuslimischer Vorfälle nach dem Hamas-Überfall auf Israel und dem anschließenden Gaza-Krieg. In vielen Ländern hätten staatliche Behörden darauf nur unzureichend reagiert.
Frauen und Mädchen besonders gefährdet
Besonders schwer betroffen seien Frauen und Mädchen aus religiösen Minderheiten. In Ländern wie Pakistan, Ägypten oder Mosambik dokumentiert der Bericht Entführungen, Zwangsehen, erzwungene Konversionen und sexuelle Gewalt. Diese Verbrechen würden vielfach nicht konsequent strafrechtlich verfolgt.
Auch in westlichen Staaten konstatiert die Studie eine Zunahme christenfeindlicher Vorfälle, darunter Vandalismus gegen Kirchen, Störungen von Gottesdiensten und Übergriffe auf Geistliche. Kritisiert wird, dass es in mehreren europäischen Ländern – anders als bei Antisemitismus und Islamophobie – keine zentrale Erfassung solcher Taten gebe.
Bedrängte, aber lebendige Glaubensgemeinschaften
Trotz der alarmierenden Befunde hebt der Bericht auch positive Entwicklungen hervor. In vielen Regionen engagierten sich Glaubensgemeinschaften weiterhin als Friedensvermittler, in der Nothilfe oder in der Seelsorge. Sie seien wichtige Träger von Bildung und förderten sozialen Zusammenhalt sowie interreligiösen Dialog – oft unter schwierigsten Bedingungen.
Vor diesem Hintergrund unterstreicht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ seine zentrale Botschaft: Religionsfreiheit sei kein Sonderrecht für Gläubige, sondern ein unverzichtbares Menschenrecht. Ihre Verteidigung bleibe eine globale Aufgabe von Politik, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen gleichermaßen.






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