42,195 Kilometer. Stunden voller Disziplin, Zweifel, Euphorie und Schmerz. Aber warum tut man sich das freiwillig an? Spätestens ab Kilometer 33 stellt sich diese Frage jeder Marathonläufer einmal. Die Antwort entscheidet oft darüber, ob man aufgibt – oder weiterläuft.

Genau diese Frage habe ich mir dann ab Kilometer 33 ebenso gestellt: „Warum mache ich das eigentlich?“ „Wer kommt auf die Idee, freiwillig 42,195 Kilometer zu laufen?“
Ab Kilometer 33 fühlten sich meine Beine an wie zwei Betonklötze. Sie bewegten sich nur noch durch reine Willenskraft vorwärts. Mein Magen rebellierte längst – von den Gels, der Aufregung und dieser Achterbahn der Gefühle aus Freude, Stolz, Angst und Stress. Die Sonne brannte auf mein Gesicht, während ich mit 12.995 weiteren Läuferinnen und Läufern durch Wien lief und im Prater meine Endrunden drehte; mein Endgegner. Jeder, der den „Vienna City Marathon“ schon einmal gelaufen ist, weiß genau, was ich meine.
Doch dann habe ich mich wieder auf meine eigentliche Motivation besonnen. „Warum mache ich das?“ „Was ist mein Grund?“
Denn genau das ist entscheidend – nicht nur für einen Marathon, sondern für jedes größere Ziel im Leben. Wenn du deine Motivation nicht kennst, wenn du dir nie die Frage gestellt hast, warum du etwas wirklich willst, dann wirst du spätestens dann aufgeben, wenn es schwierig wird; wenn es weh tut; wenn du an deine Grenzen kommst.
Große Ziele kosten etwas. Sie kosten Zeit, Energie, Disziplin und manchmal auch Überwindung. Deshalb ist es wichtig, die eigene Basis zu kennen: die Motivation, die Ziele und den Grund, warum man etwas wirklich erreichen will.
Also dachte ich ab Kilometer 33 an den Moment zurück, in dem ich mich angemeldet hatte, und besann mich auf meinen Entschluss.
1. Kenne dein Ziel
Benenne dein Ziel. Definiere es klar.
Ich bin den Marathon gelaufen, weil ich mir selbst beweisen wollte, dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme. Dass ich stärker bin, als ich manchmal glaube.
Natürlich war die Vorbereitung nicht immer einfach. Im Winter bei Kälte und Schnee laufen zu gehen, kostet Überwindung. Aber genau das gehört dazu. Ziele kommen nicht einfach zu dir geflogen – du musst ihnen entgegengehen.
2. Schreib dein Ziel auf und visualisiere es
Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie ich über die Ziellinie laufe. Wie ich die letzten Meter auf dem roten Teppich, der ausgelegt wird Richtung Rathaus laufe – dem Ziel des „Vienna City Marathons“. Wie mir die Medaille um den Hals gelegt wird. Wie Menschen mir gratulieren und wie ich mir selbst gratulieren werde. Ich habe mir die Atmosphäre vorgestellt. Die Emotionen. Das Gefühl, es geschafft zu haben. All‘ das hat mir geholfen, weiterzumachen. Denn ich wollte, dass meine Gedanken Realität werden.
3. Glaube an dich und zieh durch
Ich werde niemals die fremde Frau vergessen, die auf den letzten Kilometern meinen Namen gerufen hat. Die mir in mein rotes, verschwitztes und wahrscheinlich ziemlich leidendes Gesicht geschaut und zugerufen hat, dass ich es schaffen werde. Dass ich nicht aufgeben soll. Dass ich nur noch ein bisschen durchhalten muss, obwohl ich selbst kurz gezweifelt habe. Um mich herum begannen die ersten Menschen zu gehen. Die Versuchung war groß, ebenfalls langsamer zu werden oder stehen zu bleiben. Aber ich wusste: Ich schaffe das. Ich kannte meine Basis. Meine Motivation.
Bleib stark. Glaub an dich.
In diesem Moment wusste ich wieder, warum ich überhaupt hier war. Warum ich mich angemeldet hatte. Warum ich im Winter bei Schnee trainiert hatte und warum ich all‘ die anstrengenden Kilometer in Kauf genommen hatte.
Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es schaffen kann. Wenn du etwas wirklich willst, kannst du viel mehr schaffen, als du denkst.
In den letzten Metern, als ich die Ziellinie gesehen habe, wollte ich einfach nur noch ankommen. Plötzlich mobilisierten sich meine Beine wieder von selbst. Freude stieg in mir auf. Ich lief fast wie in Trance über die Ziellinie und konnte selbst kaum glauben, dass ich es geschafft hatte. Und genau in diesem Moment wurde mir klar, warum Visualisierung so wichtig ist. Alles, was ich mir monatelang vorgestellt hatte, wurde plötzlich Realität. Die Menschen am Rand. Die Stimmen. Das Ziel. Die Medaille. Das Gefühl, es geschafft zu haben. Meine Visualisierung war Realität geworden.
Und wenn du dein Ziel erreicht hast, dann belohne dich. Sei stolz auf dich. Denn du hast es geschafft.
Herzlichen Glückwunsch an alle Marathonläuferinnen und Marathonläufer – und Respekt. 42,195 Kilometer zu laufen, ist eine unglaubliche Leistung!






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