Der Termin ist vorüber, die Recherchen sind abgeschlossen – Zeit, die Geschichte auf’s Papier zu bringen! Oft scheint das aber leichter gesagt als getan: Die Furcht vor dem leeren „Blatt“ mit dem fast schon mahnend blinkenden Cursor ist groß und mit einer Deadline im Nacken ist der Druck umso größer. Was also tun? Anbei eine kleine Auswahl an Schreibtipps.

Wie soll ich den Text nur beginnen? Was ist mein roter Faden? Wann schreibe ich was, damit der Artikel spannend bleibt und meine Leser bis zum Ende dranbleiben? Allesamt wichtige Fragen – aber wer zu viel über ihnen und seinen Notizen brütet, bremst Schreibfluss und Inspiration aus – und das (digitale) Blatt Papier bleibt leer.
Tipp #1: Den Block beiseite legen und einfach anfangen
Ein Tipp dazu: Leg den Notizblock beiseite und schreib einfach drauf los. Fakten und Details können auch im Nachgang ergänzt und korrigiert werden und auch der Text selbst kann später immer noch neu gegliedert werden.
Wichtig dabei ist nur, dass dieser erste Entwurf so zeitnah wie möglich geschrieben wird. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr verschwimmen die Erinnerungen und Eindrücke – und die eigenen Notizen sind unter Umständen kaum noch zu entziffern.
Tipp #2: Der Küchenzuruf: Worum geht es in meinem Text?
„Mensch Grete, die in Bonn spinnen komplett! Die wollen schon wieder die Steuern erhöhen!“, ruft Hans seiner Frau Grete zu, die gerade in der Küche steht – und hat damit in nur einem kurzen Satz jenen Stern-Artikel zusammengefasst, den er gerade im Esszimmer gelesen hat. Genau das ist das Prinzip des sogenannten „Küchenzurufs“: Eine Metapher, die der frühere Stern-Redakteur Henri Nannen geprägt hat; von ihm stammt auch diese (hier stark verkürzte) Anekdote.
Wer vorab den Küchenzuruf zu seinem Text weiß, weiß damit auch, worüber er schreibt und worauf er sich beim Schreiben fokussiert. Wem das nicht gelingt, verliert nicht nur den roten Faden, sondern schlimmstenfalls auch seine Leser, die sich verwirrt fragen: „Worum geht es eigentlich in dem Text?“ Der Küchenzuruf ist zudem beim Pitchen von Artikelideen hilfreich: Wer seine Textidee kurz und knapp auf den Punkt bringt, hat eher Chancen auf eine Zusage.
Tipp #3: Das Wichtigste zuerst
Eine weitere, hilfreiche Metapher ist die der „verkehrten Pyramide“ (auf Englisch: inverted pyramid). Demnach werden die wichtigsten Infos an den Anfang des Artikels gestellt und zugleich die „W-Fragen“ (Was? Wann? Wo? Wer? Wie? Warum?) beantwortet. Im Anschluss folgen wichtige, ergänzende Details; allgemeine oder Hintergrundinfos werden an das Textende gepackt – wobei es sich auch anbietet, den Text mit einer Anekdote oder einem Ausblick zu beenden.
Manchmal bietet sich aber auch ein etwas „erzählerischer“ Einstieg als „Blickfang“ an: Sei es ein szenischer Einstieg, in dem ein Moment samt Eindrücken wiedergegeben wird, oder eine kurze Anekdote. Direkt danach, etwa im zweiten Absatz, sollten dann aber die Infos aus den W-Fragen kommen.
Tipp #4: Sprache – kurz und knapp statt lang und kompliziert
Nicht minder tragisch ist es aber, wenn der Text zwar strukturiert und präzise ist – der Leser aber trotzdem nur Bahnhof versteht. Zum Beispiel: Bei einer defekten „Lichtsignalanlage“ dürften viele eher die Stirn runzeln, bei einer defekten „Ampel“ hingegen wissen die meisten sofort Bescheid. Oder wenn ein Gebäude verwahrlost ist, kann sich der Leser eher was darunter vorstellen, wenn im Text etwa steht: „Der Putz bröckelt von den Wänden“.
Umgekehrt ist es nicht immer notwendig, wirklich alle Details aufzulisten, sondern sich auf wenige Beispiele zu beschränken. Dieses Prinzip ist auch als „pars pro toto“ bekannt, was soviel heißt wie „ein Teil steht für das Ganze“. Heinrich Hoffmann von Fallersleben hat beispielsweise in seinem Lied „Alle Vögel sind schon da“ nicht jede einzelne Vogelart aufgezählt, sondern mit „Amsel, Drossel, Fink und Star // und die ganze Vogelschar“ genügend gesagt.
Tipp #5: „Kill your Darling“ und „Tschechows Gewehr“
„Kill your Darling“ ist ein Schreibtipp, der zum Einsatz kommt, wenn es an den Feinschliff des Textes geht: Alles, was überflüssig ist, wird gnadenlos gestrichen. Auch wenn es zum Beispiel ein Absatz ist, an dem lange gefeilt wurde und der einem besonders am Herzen liegt. Wenn der Text auch ohne ihn verständlich ist und funktioniert, dann weg damit!
Ähnlich verhält es sich mit „Tschechows Gewehr“: Ein Erzählprinzip, wonach jedes Element einer Geschichte einen Zweck erfüllen muss, andernfalls gehört es da nicht hin – insbesondere, wenn es sehr prominent vorgestellt und in den Fokus gerückt wird. Der Begriff geht zurück auf den russischen Schriftsteller Anton Tschechow, der in einem Brief etwa schrieb: „Man darf kein geladenes Gewehr auf die Bühne stellen, wenn niemand vorhat, es abzufeuern.”






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