Was heißt es, zu vertrauen? Vertrauen wird als festes Überzeugt-Sein von der Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit einer Person oder Sache definiert. In den sozialen Netzwerken heißt es oft: Du steigst in ein Flugzeug und vertraust dem Piloten, den du nicht kennst. Du steigst in den Bus und vertraust dem Busfahrer, den du nicht kennst. Du gehst in ein Restaurant und vertraust dem Koch, den du nicht kennst. Hier vertrauen wir sogar unbewusst und trotzdem gilt es als Vertrauen.
Welche Arten des Vertrauens gibt es?
Es gibt zwei Arten des Vertrauens: Das Gefühl des Vertrauens. Ich vertraue aufgrund meines Bauchgefühls, meiner Intuition. Ein schneller, unbewusster Abgleich mit alten Erfahrungen. Und auf der anderen Seite, das Vertrauen mit meinem vollen Verstand, weil ich die Fakten gegeneinander ausgewogen habe.
Wie schwer fällt es uns manchmal, zu vertrauen, vor allem dann, wenn uns jemand verletzt hat – das Vertrauen ist nicht mehr so wie vorher. Vielleicht wird es niemals mehr so sein. Aber wenn uns etwas an der Beziehung zu diesem Menschen liegt, werden wir daran arbeiten und die Wunden heilen. Aber wie viel schwerer fällt es uns erst, dem Gott zu vertrauen, der jeden einzelnen Menschen erschaffen hat. Es fängt oft schon damit an, überhaupt an einen Gott zu glauben, der es wert ist, dass man ihm vertraut.
Ist es wert, Gott zu vertrauen?
Ich glaube, dass Gott es wert ist, Ihm zu vertrauen. Er hat sich erniedrigt. Der allmächtige Gott wurde Mensch in Jesus Christus, um sich vor den Menschen erkenntlich zu machen, um ihnen nahe zu sein, um in Beziehung mit ihnen zu treten und letztendlich, um sie zu erlösen. Das ist der christliche Glaube.
Doch um überhaupt dazu bereit zu sein, braucht es oft zuerst das Gefühl vertrauen zu können. Ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit – das kennen wir aus unseren Beziehungen. Freundschaften entstehen oft aus gemeinsamen Interessen oder Sympathie. Mit der Zeit lernt man sein Gegenüber besser kennen und beginnt, Vertrauen aufzubauen. Man kann sich über Schwierigkeiten oder die schönen Momente unterhalten und verbringt Lebenszeit zusammen. Dahinter steckt oft das Vertrauen aufgrund des Gefühls.
Vertrauen als eine bewusste Entscheidung
Eine andere Art des Vertrauens, ist die bewusste Entscheidung dem Gegenüber zu vertrauen. Hier ist das Vertrauen oftmals schon über längere Zeit aufgebaut worden, aber es kommt vielleicht eine Krise und das gute Gefühl ist weg. Wenn die Beziehung wichtig ist, entscheidet man sich trotz Restzweifeln dafür, jemandem zu vertrauen. Dies geschieht in besonderer Weise im Ehebund, aber auch in bedeutenden Freundschaften. Und das Gleiche gilt für unsere Beziehung mit Gott.
Ein Privileg: Jesus Freund sein
Jesus selbst nennt uns seine Freunde – Was ein Privileg!
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. ~Johannes 15,14-15
Unsere Erfahrungen aus zwischenmenschlichen Beziehungen kann sehr hilfreich sein, wenn es um unsere Beziehung zu Gott geht. Vertrauen ist nicht einfach so da. Es braucht Zeit, den anderen kennenzulernen. Jesus möchte unser Freund sein. Er klopft immer wieder an unser Herz und möchte, dass wir ihn aufnehmen und uns für ihn öffnen. Und auch ich kann Ihn kennenlernen, indem ich seine Worte lese und darüber nachdenke und es mit in meinen Alltag nehme. Die Evangelien zeigen uns, wie Jesus gehandelt hat – das ist der Charakter Gottes.
Ein kleines Gedankenexperiment:
Stell dir vor du bist Fischer und warst die ganze Nacht auf dem See und hast keinen einzigen Fisch gefangen. Müde und enttäuscht kommst du am Morgen zurück zum Ufer. Da kommt ein Mann und sagt: „Fahr hinaus, wo es tief ist, und wirf dein Netz zum Fang aus!“ Du verstehst nicht, warum du nochmals hinausfahren sollst, schließlich ist es immer noch das gleiche Meer. Und warum sollten jetzt Fische im Netz landen, wenn es die ganze Nacht nicht passiert ist.
Genau in dieser Situation befindet sich Simon in der Erzählung vom wunderbaren Fischfang aus dem Lukasevangelium 5:1-8. Jesus ist der Mann, der ihn auffordert, erneut auf den See hinauszufahren. Und Simon befolgt das Wort Jesu, obwohl er ihn noch nicht persönlich kennt. Er hat bis dahin nur erlebt, wie Jesus das Wort Gottes verkündet. Und das genügt ihm, Vertrauen in dessen Anweisung zu haben und er antwortet: „Doch auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen.“ Und er und seine Gefährten fingen eine große Menge Fische, mehr als das Netz halten konnte und es drohte zu reißen.
Das ist Gott! Er gibt mehr als genug, wenn wir nur auf sein Wort vertrauen, wenn es auch absolut sinnlos erscheint. Das geht über ein Vertrauensgefühl hinaus, es ist eine rationale Entscheidung.
Simon Petrus fällt daraufhin Jesus zu Füßen und sagt: “Geh weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr!“ Warum sagt er das? Er war nicht fähig seinen Beruf zu tun und erkennt seine Niedrigkeit vor dem Herrn. Erst durch Jesus wurde er an diesem Tag erfolgreich. Aber Jesus lässt ihn nicht in seiner Scham liegen, sondern richtet ihn auf: „Fürchte dich nicht!“ und gibt ihn eine neue Berufung: „Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“. Und Simon Petrus verließ alles und folgte Jesus nach.
Bin ich bereit Jesus zu vertrauen? – Er sagt auch zu mir: „Fürchte dich nicht.“
Bin ich bereit, Jesus zu vertrauen?
Der kleine Funke Vertrauen, den Simon in das Wort Gottes legte, veränderte sein ganzes Leben. Und genau diesen klitzekleinen Funkten Vertrauen erseht sich Gott zutiefst von jedem einzelnen Menschen, den er aus unendlicher Liebe geschaffen hat. Und dazu brauche ich keine großen Gefühle. Dann entscheide ich mich ganz bewusst und spreche: „Jesus, ich vertraue auf Dich!“. Und das Bewusstsein diese Worte auszusprechen ist Vertrauen.
Wenn ich merke, dass ich mich gerade in einem Gedankenkarussell verfange, mich um Eventualitäten sorge, die rein gar nichts mit der Realität zu tun haben oder all das Leid und Böse in der Welt sehe, dann weiß ich, das Wirksamste, das ich tun kann, ist es alles in die allmächtigen Hände Jesu zu geben. Er wird Ruhe und Frieden in mir stiften – das geschieht oft über einen längeren Zeitraum, indem ich immer wieder bewusst sage: „Jesus, ich vertraue auf Dich. Sorge du!“






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