Ich gebe zu, ich nutze Künstliche Intelligenz, um meine Texte zu korrigieren.
Liebes Chat GPT, bitte kontrolliere meinen Artikel auf Richtigkeit: Str+c – und mein Artikel wird innerhalb von drei Sekunden komplett auseinandergenommen.
Angefangen hat es damit, dass ich während der Arbeit als Konstrukteurin gemerkt habe, dass es nur 3 Minuten dauert, wenn ich der KI sage, welche Eigenschaften und Anforderungen ich an ein Material habe und sie mir entsprechende Empfehlungen geben soll, die ich dann kurz nachkontrolliere. Und es aber 10-15 Minuten sind, wenn ich mich selbst erst durchs Tabellenbuch lese und dann noch eine kurze Web-Suche mache und Materialien mit ihren Vor- und Nachteilen von Hand vergleiche.
Das ist unfassbar praktisch und zeitsparend, wenn man, wie ich, nicht an bestimmte Materialien gebunden ist, sondern aus der Vielzahl der vorhandenen Rohstoffe das Passendste zu meinem Projekt wählen kann.
Bei meinen Artikeln ist es mir wichtig, dass sie nicht so viele Rechtschreib- und Grammatikfehler enthalten. Meine Konzentration beim Schreiben ist durch die Jahre mit WhatsApp-Chats und dem Tippen am Computer nicht mehr wie früher, wo ich mit der Hand und mehrmaligem Kontrollieren durchaus fehlerfreie Aufsätze schreiben konnte.
Und ich möchte die Korrekturleser mit meinen Texten nicht zur Weißglut treiben. Außerdem will ich sicher sein, dass sie wissenschaftlich nicht komplett falsch sind. Ich schreibe viel über meine persönliche Meinung und möchte nicht, dass ich etwas, was ich als richtig verstehe, was aber faktisch falsch ist, anderen als Wahrheit verkaufe.
Da kommt dann also die KI ins Spiel.
Die Vereinheitlichung
Wenn man nicht aufpasst, spuckt die KI direkt einen fertig überarbeiteten Text aus und nennt ihn die verbesserte Version deines Textes. Das ist aber in den meisten Fällen weit gefehlt. Standardmäßig ändert sie deinen Satzbau in einen leicht verständlichen aber immer gleich aufgebauten und sofort wiedererkennbaren um. Auch die Aufteilung von Absätzen und die Textgliederung wird vereinheitlicht; mein persönlicher Schreibstil hingegen komplett ausgelöscht. Komplexere Sätze, die zum Nachdenken anregen sollen oder eine tiefere Botschaft vermitteln, werden von KI vollkommen missverstanden und umgeschrieben; meine Absicht, die ich mit dem Artikel hatte, ist weg.
Inzwischen habe ich es mit meinen eigenen Texten so oft testen können, dass ich einen mit KI generierten Text auf Webseiten, Flyern oder Arbeitsblättern direkt allein am Klang und dem Textaufbau beim ersten Lesen bemerke. Diese Texte lösen in mir inzwischen ein Schaudern aus, da sie alle dieselbe emotionslose Einfachheit aufweisen.
Der Nutzen
Nun will ich sie nicht komplett verteufeln, da ich sie selbst nutze. Aber ich möchte weiterhin Texte mit Persönlichkeit lesen.
- Rechtschreibfehler finden
- kann sie.
- Grammatikfehler
- sind bis auf Kommata immer komplette Umstellungen toller persönlicher Sätze in den leicht verständlichen KI-Brei.
- Überprüfen auf Richtigkeit
- Sie gibt gute Anstöße, an denen man in der Formulierung vielleicht etwas runterschrauben kann oder etwas nochmal nachlesen kann. Oft ist es aber auch eine vollkommen falsche Aufnahme des Satzes, da ihr die Fähigkeit fehlt, die Absicht und die erwünschte Aussage des Satzes zu verstehen.
- Schnell ist sie auf jeden Fall. Wenn man davon absieht, dass man anschließend nochmal eine viertel Stunde Rechtfertigungen tippt, warum der Satz richtig ist und welche Quellen die Aussage belegen und, dass man das gar nicht so geschrieben hat wie sie es schreibt. Um dann die Antwort zu bekommen, dass das mit den Hintergründen und wenn man das so gemeint hat, doch so geschrieben werden kann und sie sich für die Klarstellung bedankt.
Am Rande der Hinweis: Die KI gibt dir immer recht. Sie ist dafür trainiert dir zu sagen, was du hören möchtest. Das ist in bestimmten Fällen sehr sinnvoll und kann einem zum Beispiel in seinen Vorhaben verstärken oder Mut zusprechen.
Ist aber andererseits vollkommen sinnlos, wenn man eine haltbare konstruktive Kritik erhalten möchte oder die KI nach dem Schlagerstar „Rainer Zufall“ befragt und sich nach ihrer Antwort beschwert, dass der aber doch „Rainer Blödsinn“ heißt, und warum sie einen nicht darauf hingewiesen hat. Dann kommt: Entschuldigung, da hast du Recht, das hätte mir auffallen sollen. Es ist natürlich „Rainer Blödsinn“ gemeint.
Mein Fazit
Ich bin davon genervt, dass ich, was Texten angeht, komplett von KI weg bin. Das, was uns Menschen ausmacht, ist unsere Persönlichkeit. Die will ich mir nicht abtrainieren, indem ich alles von KI vereinheitlichen lasse. Ich nutze sie weiterhin, wenn ich mal eben kurz was formulieren muss, was keinerlei Bedeutung hat. So etwas wie ein Angebotsschreiben für Passfedern zum Beispiel oder meinetwegen eine Krankschreibung für Schulkinder.
Ich nutze sie auch statt eine eigenständigen Google Suche mit Auswertung, kontrolliere aber was mir da vorgeschlagen wird nochmal selbst.
Und ich nutze auch KI-Tools zum Erstellen von Bildern oder Flyern. Aber ich baue erstmal selbst ein Layout auf, schreibe die Texte, und füge dann aber mit KI erstellte Bilder oder Figuren ein. Das spart mir enorm viel Zeit und ist für mich als Mediengestalter-Laien super um qualitativere Flyer wie vorher zu erstellen oder sogar Videos.
Der Mensch, der sich selbst abschafft
Ich habe eben den Einheitsbrei bereits bei Texten erwähnt. Genauso ist es aber auch bei anderen Dingen. Einladungen zum Beispiel. Ich wohne in einem Dorf mit vielen Vereinen und einer großen Pfarrgemeinde mit vielen Gemeindeteams, die viele Veranstaltungen machen. Und egal wo ich bei einem Treffen dabei bin, alle lachen sie über die Einladungen, die alle gleich aussehen.
Die WhatsApp-Statusse sind voll mit immer den gleich aufgebauten Bildern, mit Texten, die viel zu viel Input bieten, sich nicht auf eine mitreißende Headline konzentrieren, sondern gleich drei weitere motivierende Sprüche zu den in runden Blasen angegebenen Termininfos liefern.
Wo bleibt unsere Kreativität?
Das, was uns Menschen ausmacht, ist das wir über das vorhandene hinausdenken können. Wir können uns Neues ausdenken und Dinge, die es vorher nicht gab, verstehen und nutzen. Das macht uns aus und damit haben wir diese Menschheit und das Leben auf der Erde zu dem geformt, was es ist.
Aber jetzt überlassen wir alles der KI und fügen nichts eigenes mehr hinzu. Der KI, die von uns lernt und unsere bereits gemachten Dinge nutzt. Wir reduzieren unser Mensch sein auf das, was die KI kann, und drehen uns somit fortan in einem Kreis aus einfachen unpersönlichen Texten und den immergleichen Bildkompositionen. KI selbst wird nie etwas Neues vorschlagen. Wir schaffen also gerade das, was uns zum Menschen macht, ab.
The End
Es klingt dramatisch und bescheuert, aber das ist es, was ich über KI denke. Und darum möchte ich anstiften und ermutigen, die KI nicht als Werkzeug, das einem fertige Dinge liefert zu sehen, sondern sie zu nutzen, um eigene Kreativität ausleben zu können, Stärken schneller nutzen zu können und Schwächen auszugleichen.
Baut euren Flyer erstmal als Konzept selbst auf und lasst ihn dann von KI verbessern oder lasst euch das passende Bild, die Form oder Clip Art generieren aber gebt die Gestaltung nicht komplett ab.
Sag‘ der KI genau, was DU willst, und gebe dich nicht mit einer 08/15 Antwort zufrieden.
Lass‘ die Menschen in deinen Texten deine Persönlichkeit lesen egal ob erst du und dann die KI andersherum ihn erstellt haben.
Wir brauchen Kreativität und Persönlichkeit, sie machen die Erde zu einem schöneren und wärmeren Ort. Die vielen Filme und Zukunftsvisionen, in denen die Menschheit von KI-Robotern oder KI-Computern zerstört werden, liegen gar nicht so falsch.
Jedoch ist es nicht die KI, die zu schlau wird und deshalb gefährlich, es sind wir Menschen, die aufhören neues zu denken, menschlich zu sein. Wir machen uns freiwillig dümmer als die KI.






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