Wer soll morgen unsere Mahlzeiten zubereiten, Betriebe am Laufen halten, Senioren versorgen oder Lebensmittel produzieren? Die Antwort ist ernüchternd: Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung in der Hauswirtschaft, der Landwirtschaft oder im Handwerk. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Systems, das den Nachwuchs finanziell benachteiligt.
Besonders deutlich wird das beim Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) oder in bestimmten schulischen Ausbildungen der Hauswirtschaft. Während Auszubildende in vielen dualen Berufen bereits vom ersten Tag an eine Ausbildungsvergütung erhalten, gehen andere Berufsanfänger oft leer aus. Sie investieren Zeit, übernehmen Verantwortung und absolvieren anspruchsvolle praktische Einsätze – erhalten dafür jedoch keinen Lohn.
Staatliche Unterstützung oft unzureichend

Gleichzeitig ist die staatliche Unterstützung häufig unzureichend. Zwar gibt es Fördermöglichkeiten, wie Schüler-BAföG oder andere Leistungen, doch diese sind an enge Voraussetzungen geknüpft. Viele junge Menschen fallen durch das Raster. Einkommen der Eltern wird angerechnet, obwohl diese ihre Kinder nicht immer ausreichend finanziell unterstützen können oder mehrere Belastungen gleichzeitig tragen. Für viele Familien bedeutet das: Die Ausbildung ist schlicht nicht finanzierbar.
Die Folge ist absehbar. Jugendliche entscheiden sich für Berufe, in denen sie von Beginn an Geld verdienen können. Das ist nachvollziehbar. Wer Miete zahlen, mobil sein oder sich finanziell unabhängig machen möchte, wird kaum einen Ausbildungsweg wählen, der keine Vergütung bietet und gleichzeitig nur schwer gefördert wird.
Unverzichtbares Handwerk
Dabei sind gerade diese Berufe unverzichtbar. Ohne Handwerker entstehen keine Häuser, ohne Landwirte keine Lebensmittel und ohne Hauswirtschaftskräfte funktionieren Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten oder soziale Einrichtungen nicht. Die Gesellschaft ist täglich auf diese Berufsgruppen angewiesen – doch ihre Ausbildung erfährt nicht die Wertschätzung, die sie verdient.
Politik und Gesellschaft sprechen seit Jahren vom Fachkräftemangel. Gleichzeitig werden ausgerechnet jene Ausbildungswege finanziell benachteiligt, die dringend Nachwuchs benötigen. Wer junge Menschen für diese Berufe gewinnen will, muss ihnen faire Rahmenbedingungen bieten. Dazu gehört eine angemessene Ausbildungsvergütung – unabhängig davon, ob die Ausbildung schulisch oder dual organisiert ist. Ebenso müssen Förderprogramme einfacher zugänglich sein und sich stärker an der tatsächlichen finanziellen Situation der Auszubildenden orientieren.
Ein Widerspruch in sich
Es ist ein Widerspruch: Alle profitieren von gut ausgebildeten Fachkräften im Handwerk, in der Hauswirtschaft und in der Landwirtschaft. Doch die Last der Ausbildung tragen oft jungen Menschen und ihre Familien selbst. Solange eine Ausbildung in diesen Bereichen für finanzielle Nachteile sorgt, wird sich der Nachwuchsmangel weiter verschärfen.
Wer den Wert dieser Berufe wirklich anerkennt, darf nicht nur von ihrer Bedeutung sprechen. Er muss auch dafür sorgen, dass sich junge Menschen, ohne Angst vor finanziellen Schwierigkeiten, dafür entscheiden können, denn eine Gesellschaft, die auf Handwerk, Hauswirtschaft und Landwirtschaft angewiesen ist, sollte auch bereit sein, in deren Zukunft zu investieren.






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