Der Iran ist mehr als ein theokratischer Gottesstaat. Er ist der Erbe eines großen Reichtums von geistiger Größe und einer Geschichte von Offenheit und Toleranz.Die Bestseller Kants, die Ikone der europäischen Aufklärung, in einer iranischen Buchhandlung auf Persisch? Oder Nietzsches Werke, die des glühenden Kämpfers gegen die Religion in persischer Übersetzung direkt daneben? Unvorstellbar? Überhaupt nicht.
Die geistige Vielfalt im Iran ist größer, als es uns vermittelt wird. Sie beruht auf einer langen Tradition islamischer Offenheit und Toleranz, welche die Entwicklung der revolutionären Ideen der westlichen Aufklärung erst ermöglichte. Ohne den Kontakt mit dem Islam hätte die Vernunft in Europa nie so früh das Licht der Welt erblickt. Bis heute lebt dieses Erbe in den Stimmen der mutigen Reformer:innen weiter. Ihnen, ihren Ideen und der islamischen Vielfalt ist der folgende Text gewidmet.
Denken wir an den Islam…
Wenn wir an den Islam denken, denken wir wohl kaum an die reformatorischen Ideen Martin Luthers oder an Kant’s Ideale der Aufklärung, an die kommunistische Utopie Karl Marx’ oder an die anti-religiösen Parolen Friedrich Nietzsches. Es erscheint uns selbstverständlich, dass diese nur im aufgeklärten und mit Vernunft gesegnetem Westen entstanden sein können, der sich Menschenrechten, Toleranz und dem Wert des Individuums verschrieben hat.
Wahrscheinlich denken wir viel eher an islamistischen Fundamentalismus, Terror und Selbstmordattentäter, die als Märtyrer für die einzig wahre Religion sich selbst und andere in den Tod treiben. An anti-westliche Propaganda radikaler Mullahs, an Frauenunterdrückung und an Bilder von Hijabs, Tschadors und Turbanen.
Zahlreiche Berichte in Presse und Fernsehen bestätigen diese Vorstellungen. Wir hören von Sittenwächtern im Iran, die gewaltsam gegen Frauen vorgehen, deren Haar unter ihrem Kopftuch hervorragt. Wir sehen religiöse Fanatiker, die die Auslöschung Israels propagieren, Mullahs, die mit Unnachgiebigkeit und Härte ihren Hass auf den Westen verbreiten, sowie ihre Anhänger, die ihnen zujubeln.
Das wahre Gesicht des Islam
Solche Bilder haben sich fest in unsere Köpfe eingebrannt. Doch zeigen sie uns auch das wahre Gesicht des Iran, ja des Islam an sich? Wenn überhaupt, dann sind sie lediglich eine Facette dieser bunten und vielfältigen Religion, aber keine, die dem Islam zueigen ist. Denn diese abscheuliche Grimasse finden wir in jeder Religion, auch im Christentum, das in früheren Zeiten genauso fundamentalistisch, brutal und skrupellos gegen Andersgläubige vorging und zeitweise sogar radikaler bekämpfte als es in islamisch regierten Gebieten der Fall war. Dort war es Christen und Juden in der Regel durchaus erlaubt, ihre Religion zu praktizieren, denn der Koran gebietet, ihnen als Buchreligionen und Vorläufern des Islam Toleranz und Respekt entgegenzubringen (Schweizer, 2016). Vergessen wir also nicht, dass auch im Namen der Christenheit schreckliche Verbrechen
begangen wurden und werden. Auch wenn die Aufklärung den christlichen Fundamentalismus in die Schranken weisen konnte, ist das Potential hierfür nach wie vor da; ein erneutes Aufflammen können wir nie ausschließen.
Insbesondere, da der Ton bereits wieder deutlich radikaler wird. So etwa in den unverständlichen Parolen von rechts, die vor islamischer Überfremdung und der drohenden Vernichtung des Abendlandes warnen. Und wenn evangelikale Christen den Iran als “Reich des Bösen” bezeichnen, den Islam als Irrglauben ablehnen und den US-Iran-Krieg als endzeitlichen Kampf zwischen Gut und Böse definieren – dann erinnert das stark an die Propaganda islamischer Fundamentalisten. Warum verurteilen wir dies nicht ebenso? Vielleicht, weil es einfacher ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen?
Der Islam: Wegbereiter der westlichen Aufklärung
So aufgeklärt, wie wir uns heute im Westen rühmen, waren auch die islamischen Staaten schon einmal. Und das in Zeiten, in denen das Abendland noch in den tiefsten und dunkelsten Phasen des Mittelalters verharrte; in denen nicht der Islam, sondern das Christentum dem Rest der Welt seine Ideologie in despotischer Manier aufzuzwingen versuchte. Tatsächlich ermöglichte es uns erst der zunehmende Ideentransport aus Fernost zu Beginn des 13. Jahrhunderts, insbesondere aus Persien, diese geistige Einfältigkeit zu überwinden.
Dort blühte unter islamischer Herrschaft bereits Mitte des ersten Jahrtausends ein leuchtendes Zentrum für Kultur, Philosophie, Literatur und Wissenschaft, das seinesgleichen suchte. Erst dieses kostbare Wissen, das Jahrhunderte später über die frühen Handelsrouten in den Westen strömte, ermöglichte es Europa nach dem Untergang des Römischen Reiches, seine zentrale Stellung in der Welt wiederzugewinnen (Schweizer, 2016). Ohne die islamischen Gelehrten wäre Europa nicht das, was es heute ist.
Kürzlich las ich ein beeindruckendes Buch über die vielfältige Geschichte des Irans und ihr geistiges Erbe, das, anders als es uns vermittelt wird, das Land bis heute prägt (Schweizer, 2017). Dabei wurde mir eins bewusst: Wenn wir dieses Land und seine Menschen auf das reduzieren, was uns heute von ihm gezeigt wird, tun wir ihnen und auch dem Islam unrecht. Der Gottesstaat ist kein monolithischer Block. Viele Menschen trotzen den despotischen Klerikern, die die Herrschaft für sich beanspruchen und überzeugt davon sind, die einzig wahre Botschaft des Islam zu vertreten.
Dabei sind die Interpretationen des Koran so vielfältig, dass sie von einem Islam demokratischer, sozialistischer oder republikanischer Prägung bis hin zu einer Verteidigung des Zionismus, Egalitarismus, ja sogar des Feminismus reichen. Indem wir unseren einseitigen Blick auf dieses Land und seine Menschen weiten und die Stimmen der reformorientierten Kräfte auch hier hörbarer machen, können wir, so hoffe ich, wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen, die Macht der radikalen Klerikern und orthodoxen Reaktionären zu brechen. Mir scheint es auf alle Fälle besser, als weiterhin vor einer gefährlichen Islamisierung des Abendlandes zu warnen.
In diesem Beitrag möchte ich die vielen Vorurteile, die wir gegenüber dem Iran und seinen Menschen hegen, vergessen und der Vielfalt dieses Landes eine Stimme geben. Eines ist sicher: Es warten viele Überraschungen auf uns.
Dr. Ali Schariati – Der Marx des Islam und Vater der Neo-Shariatisten
“Don’t believe anything in a nation, where only the government has the freedom of speech.” (Dr. Ali Schariati)
Dr. Ali Schariati, geboren in einem kleinen Vorort im Nordwesten Persiens, entstammte einer tief religiösen, klerikalen Familie. Doch sein Weg sollte ein anderer sein und ihn über seinen Tod im Jahr 1977 hinaus zu einem der berühmtesten Vertreter eines demokratischen Islams mit sozialistischer Prägung machen, auf den sich bis heute viele reformorientierte Iraner:innen beziehen.
Shariati wuchs unter der ersten Pahlavi-Regierung auf, zu einer Zeit, in der Armut grassierte und Perspektivlosigkeit das Leben der meisten Menschen prägte. Während die Schah-Regierung und die Eliten des Landes Wohlstand und Reichtum genossen, litt der Großteil der Bevölkerung unter Hunger, Repressionen und Gewalt. Diese Erfahrungen und das sichtbare Leid prägten Shariati tief. Beeindruckt von den Ideen europäischer Sozialrevolutionäre und Philosophen machte er es sich zur Aufgabe, die gesellschaftlichen und politischen Probleme seines Landes zu lösen. Zu seinen geistigen Vätern zählen unter anderem Jean-Paul Sartre, Georges Gurvitch, Frantz Fanon, Sigmund Freud und allen voran Karl Marx, die ihn zu einem glühenden Verfechter von Humanismus und Sozialismus werden ließen.
Sein eigener Ansatz: ein “humanistischer Sozialismus” islamischer Prägung prangert den radikalen Klerikalismus und die Herrschaft dogmatischer Gelehrter an, die den Iran in eine reaktionäre Despotie führten. Er plädiert für eine Auslegung des Islam, die sich an demokratischen, egalitären und humanistischen Idealen orientiert. Er besann sich dabei auf Marx’ Konzept des historischen Materialismus und des Klassenkampfes, um zu verdeutlichen, dass nicht religiöses Schicksal, sondern historisch geschaffene und politisch gewollte Umstände für die desaströsen Lebensbedingungen der Menschen verantwortlich sind. Nicht Gottes Wille sei es, der die Bevölkerung in Armut und Leid darben lässt, sondern das willkürliche Schalten und Walten der Herrschenden. Ganz in Einklang mit Marx wollte er die von Menschenhand gemachten gesellschaftlichen Zustände vom Kopf auf die Füße stellen. Shariati gelang es, die Ideen des Sozialrevolutionären und die Religion für das “Opium des Volkes“ mit den Botschaften Mohammeds zu vereinen.
Seine Ideale mündeten in der Gründung einer breiten politischen Bewegung “dem Shariatismus”. Er setzt sich für eine ethische und gerechte Interpretation des Korans und der Sunnah nach den Prinzipien von Freiheit und Menschenrechten ein, die bis heute von seinen Anhängern den “Neo-Shariatisten” weitergetragen und weitergedacht wird. Die Neo-Shariatisten kämpfen dafür, die falschen Gegensätze von “Islam vs. Modernität, Islam vs. dem Westen, von West vs. Ost aufzubrechen und für eine demokratische, soziale und liberale islamische Republik.
Abdolkarim Soroush – Der Kant des Islam
“True believers must embrace the faith of their own free will – not because it was imposed, or inherited, or part of the dominant local culture. To become a believer under pressure or coercion isn’t true belief'” (Abdolkarim Soroush)
Abdolkarim Soroush (geb. 1945) zählt zu den wichtigsten Vordenkern der iranischen Reformationsbewegung. Er ist für die fundamentalistischen Herrscher des Irans eine ebenso große Herausforderung wie Luther für die katholische Kirche. Was Soroush fordert, ist eine radikale Umwälzung der politischen und religiösen Ausrichtung des Regimes sowie dessen Interpretation des Islam. Viele meinen, die Verwirklichung seiner Vorstellungen verfüge über eine ebenso große Sprengkraft auf den Islam wie es Luthers Thesen für die Christenheit hatten, was ihm den Spitznamen “Luther des Islam” einbrachte.
Insbesondere zwei Denker haben Soroush tief geprägt. Zum einen der persische Dichter und islamische Mystiker Rumi. Der einflussreiche Literat und Rechtsgelehrte aus dem 13. Jahrhundert war Anhänger des Sufismus und treuer Verteidiger des islamischen Gesetzes. Trotzdem verstand er es, islamische Orthodoxie und Humanismus in Einklang zu bringen und zeigte mit seiner Interpretation des Koran, dass Weltoffenheit, Toleranz und die spirituelle Einheit aller Menschen durchaus kein Gegensatz zu einem orthodoxen Glauben sein müssen.
Seine zweite große Inspirationsquelle: Immanuel Kant – ja, ausgerechnet Kant, der Philosoph, der mit seiner Epistemologie zu beweisen versuchte, dass die menschliche Erkenntnis begrenzt ist und uns die wahren Dinge, die “Dinge an sich” sowie das Göttliche stets verborgen bleiben. Dies steht im fundamentalen Gegensatz zur Propaganda des iranischen Regimes, laut der Ayatollah Khamenei als Stellvertreter des “verborgenen Imams” – eines direkten Nachfolger Mohammeds – fungiert. Khamenei, der in seinem Handeln von diesem Vollkommenen – dem Mahdi – geleitet würde, sei daher der einzig berechtigte Herrscher und eine unfehlbare Instanz. Abweichungen von seinem Wort werden als Auflehnung gegen Gottes Willen gewertet.
Diese Regimepropaganda ist es, gegen die Soroush sich auflehnt, wenn er mit Kant argumentiert, dass man zwischen “Religion” und “dem menschlichen Verständnis von Religion” unterscheiden müsse. Demnach ist religiöses Wissen, Theologie und Rechtsprechung als menschliche Aktivität historisch bedingt und von den soziokulturellen sowie historischen Umständen abhängig; das menschliche Verständnis der göttlichen Offenbarung kann niemals absolut und perfekt sein. Die Religion “an sich” ist göttlich und unveränderlich, doch so wie Kants “Ding an sich” der menschlichen Erkenntnis entzogen.
“Der Islam beseteht aus einer Reihe von Interpretationen des Islams. […]. Direkt zum Koran und den Hadithen überzugehen bringt nicht viel ein. Man muss sich der Geschichte zuwenden und sich von dort aus dem Koran und zu den Hadithen zurückbewegen, um die Auslegungen in ihren historischen Kontext zu stellen.” (Abdolkarim Soroush)
Die “Wandelbarkeit der religiösen Erkenntnis” bildet das Fundament von Soroush`s politischer Konzeption der Religiösen Demokratie, in der er die Ideen der Moderne, Menschenrechte und demokratische Prinzipien mit dem Islam vereinbart. Soroush betont die Bedeutung der Demokratie als das unverzichtbare Mittel dafür, die Religion vor der Instrumentalisierung durch den Staat zu bewahren. Für ihn zählen die Prinzipien des Säkularismus. Damit schließt er die Religion keineswegs vollständig aus der Politik aus, sondern betont vielmehr, wie wichtig es für die Gestaltung einer gerechten Politik ist, sich von ihren ethischen und moralischen Prinzipien leiten zu lassen, zu denen zuvorderst die Einhaltung der Menschenrechte und die Achtung des Lebens gehören. Schlussendlich ist sein Ziel der Aufbau einer säkularen aber gleichzeitig religiösen Demokratie, die die Freiheit des Individuums wie auch das Bedürfnis des Menschen nach Religion, Hoffnung und Glauben vereint.
Dr. Saeed Hajjarian – Vom regimetreuen Geheimdienstler zum radikalen Reformer
“If we were to live according to the interpretations of the Islamic teachings of 1400 years ago, we would have to live in caves.” (Saeed Hajjarian)
Auch die Ideen von Max Weber und Jürgen Habermas finden wir heute im Iran, namentlich in der Person von Dr. Saeed Hajjarian. Webers Theorie zum Patrimonialismus ist es, die er verwendet, um die politische Situation im Iran zu beschreiben und scharf zu kritisieren.
Der Patrimonialismus kennzeichnet eine Staatsform, die auf einen einzelnen, absoluten Herrscher ausgerichtet ist, der in fürstlicher Manier den Staat als sein Eigentum behandelt, mit Willkür über Recht und Gesetz verfügt und seine Macht durch die Verteilung von Ämtern und Privilegien an seine Günstlinge sichert. Diesem Konzept, das Hajjarian in der Islamischen Republik unter Ayatollah Khamenei verwirklicht sieht, stellt er die Modelle der “Bürgerlichen Öffentlichkeit” und des “kommunikativen Handelns” von Jürgen Habermas entgegen. Sie bilden das Fundament für seine Vorstellung von einem Iran, indem die “absolute Republik” das Staatsideal bildet.
Saeed Hajjarian, geboren 1954, war ein großer Kämpfer für die Iranische Revolution im Jahr 1979, die unter ihrer Gallionsfigur Ayatollah Khomeini das Schah-Regime stürzte und der korrupten Pahlavi-Regierung ein Ende setzte. Man vermutet sogar, dass er an der Geiselnahme von 53 Mitarbeitern der U.S. Botschaft in Teheran beteiligt war, die dort von mehreren iranischen Studenten einer linken Bewegung für 444 Tage festgehalten wurden. In der Hoffnung, dass Khomeinis “Islamische Republik” den Iran auf einen säkularen und demokratischen Weg führen würde, unterstützte er dessen politischen Kurs und stieg innerhalb des neuen Systems als Mitgründer des Geheimdienstes bis zum stellvertretenden Minister für politische Geheimdienstangelegenheiten auf.
Auf den ersten Blick mag es daher verwundern, ihm in diesem Artikel eine so prominente Stelle einzuräumen, doch Anfang der 90er-Jahre vollzog Hajjarian einen radikalen Gesinnungswandel. Als unter der neuen Regierung von Präsident Rafsanjani der Hardliner Ali Fallahian zum Minister für Geheimdienstangelegenheiten ernannt wurde, brach Hajjarian mit dem System und beendete seine aktive Arbeit in der Regierungspolitik. Mit Fallahian war ein korrumpierter, radikaler Kleriker in die Regierung eingetreten, der Hajjarians Hoffnungen auf eine säkulare und demokratische Wende im Iran endgültig zunichtemachte. Diese herbe Enttäuschung war es, die Hajjarian zu einem der einflussreichsten Vordenker der iranischen Reformbewegung werden ließ.
“Pressure from the bottom, negotiations at the top.” (Saeed Hajjarian)
Seine Strategie: Durch beständigen Druck aus der Zivilgesellschaft, die den Hardlinern trotzt und mit einem langen, starken Atem Veränderungen fordert, sollen die führenden Politiker zu tiefgreifenden Systemveränderungen genötigt und ihr theokratisches System von demokratischen Strukturen unterwandert werden.
Sein Ziel: Der absolute Republikanismus. Saeed Hajjarian verwirft jegliche Staatsform mit einem obersten Führer an der Spitze. Ob Autokratie, absolute Monarchie, ein islamisches Emirat oder jede andere Form eines auf Erblichkeit beruhenden Staatswesens lehnt er strikt ab. Für ihn zählt einzig und allein die Souveränität des Volkes, das innerhalb eines demokratisch organisierten Verfahrens selbst über seine Geschicke bestimmt.
Neue Hoffnungen erwachten für ihn mit der Wahl des reformorientierten Präsidenten Khatami im Jahr 1997, unter dem Hajjarian wieder zunehmenden Einfluss auf das aktive Politikgeschehen erhielt. Seitdem radikalere Kräfte jedoch zunehmend an Macht gewonnen haben, war und ist Hajjarian als Gallionsfigur der Reformbewegung ein großer Dorn im Auge des Regimes. Im Jahr 2000 fiel er einem verheerenden Attentat zum Opfer, das ihn schwer verletzte und unter dessen Folgen er bis heute stark leidet. Dies sowie seine Verurteilungen in stalinistischen Schauprozessen und mehrere Gefängnisaufenthalte konnten ihn von seiner Mission jedoch nicht abbringen. Nach wie vor kämpft er als Journalist, politischer Aktivist und einflussreicher Intellektueller für eine demokratische Öffnung des Iran. Er ist und bleibt eine starke moralische Instanz für die iranische Reformbewegung, deren Stimme er durch seine öffentliche Präsenz, in Essays und Interviews im In- und Ausland verbreitet und stärkt. Trotz seines drastischen Schicksals und seines fatalen Gesundheitszustandes kämpft er weiter für seinen Traum des absoluten Republikanismus in seiner Heimat: dem Iran.
Über Ideologie und Ideologen
Diese drei Denker bilden nur eine kleine Auswahl der vielfältigen Stimmen, die im Iran für einen demokratischen, an humanistischen Prinzipien orientierten Islam kämpfen und sich auf das Schärfste vom theokratischen Regime distanzieren. Sie zeigen uns, dass nicht die Religion die Gefahr ist, sondern dass es allen voran die Menschen sind, die den Glauben für ihre machtbesessenen Ideologien missbrauchen. Sie instrumentalisieren die Sehnsucht und das Bedürfnis der Menschen nach Hoffnung, Sicherheit und Liebe, indem sie sich als unmittelbare Stellvertreter Gottes und damit als das Heil der Menschheit und Retter der Welt ausgeben. Solche Extremisten gibt es in jeder Religion. Pauschale Vorurteile gegenüber Menschen einer bestimmten Konfession gehen fehl. Ein kurzer Rückblick auf die eigene Geschichte genügt, um zu erkennen, wie ähnlich wir uns alle sind – im Guten wie im Schlechten.
Weitere Informationsquellen:
Schweizer, G. (2016). Islam verstehen: Geschichte, Kultur und Politik.
Schweizer, G. (2017). Iran verstehen: Geschichte, Gesellschaft und Religion.






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