Selbstwirksamkeit heißt: Ich kann etwas verändern. Dieses Vertrauen in die eigene Kraft ist wichtig für unsere psychische Gesundheit, unsere innere Stärke und echte Lebensfreude. Wer sich selbst als wirksam erlebt, fühlt sich nicht länger ausgeliefert – sondern kann das eigene Leben aktiv mitgestalten.
Warum wir manchmal glauben, nichts bewirken zu können
Kennst du das Gefühl, dass das Leben einfach passiert – und du nur zuschaust? Dass du zwar Pläne hast, aber ständig unter Druck stehst? Dieses Gefühl der Hilflosigkeit kann uns belasten. In der Psychologie nennt man das Gegenteil davon Selbstwirksamkeit. Der Forscher Albert Bandura hat den Begriff geprägt.
Er beschreibt damit das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Problemen umzugehen und Dinge zu verändern. Manche Menschen verlieren dieses Vertrauen, zum Beispiel durch wiederholte Misserfolge oder Kritik. Doch die gute Nachricht ist: Selbstwirksamkeit ist keine feste Eigenschaft. Sie lässt sich lernen und stärken – Schritt für Schritt.
Wie Selbstwirksamkeit uns widerstandsfähiger macht
Selbstwirksame Menschen haben eine wichtige Fähigkeit: Sie geben nicht auf, wenn etwas schiefläuft. Statt sich von Rückschlägen entmutigen zu lassen, suchen sie nach Lösungen. Diese Haltung macht sie psychisch stabiler – oder, wie Fachleute sagen: resilienter.
Sie vertrauen darauf, dass sie schwierige Situationen meistern können. Dieses Vertrauen hilft ihnen, auch in stressigen Zeiten ruhig zu bleiben. Je öfter wir erfahren, dass wir etwas bewirken können, desto stärker wird unser inneres Vertrauen – wie ein Muskel, den man trainieren kann.
Wie Selbstwirksamkeit entsteht
Die Psychologie kennt vier Wege, wie Selbstwirksamkeit wächst. Erstens: eigene Erfolgserlebnisse. Wenn du etwas schaffst, das du dir vorgenommen hast, wächst dein Vertrauen in dich. Zweitens: gute Vorbilder. Wenn du siehst, wie andere mit Herausforderungen umgehen, kann dich das ermutigen.
Drittens: Unterstützung von anderen. Ein aufmunterndes Wort kann Wunder wirken. Viertens: ein guter Umgang mit Stress. Wer lernt, sich in schwierigen Momenten zu beruhigen, fühlt sich stärker. Es geht also nicht nur darum, Erfolg zu haben – sondern zu erkennen, was wir selbst dazu beigetragen haben.
Wie du im Alltag mehr Selbstwirksamkeit erleben kannst
Auch im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, Selbstwirksamkeit zu spüren. Oft sind es kleine Dinge: eine Entscheidung treffen, eine Aufgabe erledigen, für sich selbst einstehen. Wer merkt, dass sein Handeln etwas verändert, fühlt sich stärker.
Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen – sondern überhaupt ins Handeln zu kommen. Selbstwirksamkeit wächst mit jeder Erfahrung, die zeigt: Ich kann etwas bewegen. Und je mehr wir das erleben, desto größer wird unser Selbstvertrauen.
Warum Ziele wichtig sind
Selbstwirksamkeit ist besonders hilfreich, wenn wir klare Ziele haben. Sie geben unserem Handeln Richtung. Das müssen keine großen Pläne sein. Auch ein Ziel wie „Ich will mich gesünder ernähren“ oder „Ich möchte besser für mich sorgen“ kann viel bewirken. Wichtig ist, dass das Ziel zu dir passt und erreichbar ist. Wenn du Schritt für Schritt Fortschritte machst, wächst das Gefühl: Ich kann das. Und das motiviert dich, dranzubleiben.
Wie Selbstwirksamkeit unsere seelische Gesundheit stärkt
In der Psychotherapie zeigt sich oft: Menschen mit Depressionen oder Ängsten fühlen sich machtlos. Sie glauben, nichts ändern zu können. Darum ist es so wichtig, ihnen zu helfen, wieder kleine Erfolge zu erleben. Schon kleine Veränderungen können helfen – zum Beispiel, wenn jemand merkt: Ich habe eine schwierige Situation gut gemeistert. Oder: Ich habe eine Entscheidung getroffen, die mir guttut. Wer sich selbst als handlungsfähig erlebt, findet Schritt für Schritt zurück in die eigene Kraft.
Wo Selbstwirksamkeit an ihre Grenzen kommt
Natürlich gibt es auch Dinge, die wir nicht beeinflussen können: Krankheiten, Verluste oder äußere Umstände. Doch selbst dann haben wir Spielraum – zum Beispiel, wie wir mit dem umgehen, was passiert. Schon kleine Handlungsmöglichkeiten können einen Unterschied machen: darüber sprechen, Gefühle ausdrücken, sich Hilfe holen. Selbstwirksamkeit bedeutet nicht, alles kontrollieren zu können. Es heißt: Ich übernehme Verantwortung für das, was ich beeinflussen kann – und lerne, den Rest loszulassen.
Wie du deine Selbstwirksamkeit trainieren kannst
Du kannst Selbstwirksamkeit bewusst stärken. Eine einfache Übung: Überlege dir am Abend drei Situationen, in denen du etwas bewirkt hast – und was genau du getan hast. Vielleicht hast du ein gutes Gespräch geführt, ein Problem gelöst oder einfach deinen Tag gut organisiert. Auch kleine Ziele helfen: Etwas planen und umsetzen, Schritt für Schritt. Und wenn Zweifel auftauchen, erinnere dich: Du musst nicht perfekt sein. Es reicht, wenn du handelst. Denn aus dem Tun entsteht Vertrauen.
Fazit: Du hast mehr Einfluss, als du denkst
Selbstwirksamkeit ist eine stille, aber kraftvolle Stärke. Sie macht uns mutiger, klarer und lebendiger. Wer daran glaubt, etwas verändern zu können, lebt bewusster – und wächst an Herausforderungen. In einer Welt, in der vieles unvorhersehbar ist, ist Selbstwirksamkeit ein innerer Anker. Sie schützt uns nicht vor Schwierigkeiten, aber sie hilft uns, mit ihnen umzugehen. Und oft beginnt alles mit dem einfachen Gedanken: Ich kann etwas tun – und ich fange jetzt damit an.
Literatur & Quellen:
- Albert Bandura: Self-Efficacy – The Exercise of Control
- Carol S. Dweck: Mindset: The New Psychology of Success
- Psychologische Rundschau: Forschung zu Selbstwirksamkeit und Motivation
- Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT)
- Journal of Counseling Psychology: Studien zur Rolle von Selbstwirksamkeit in der Psychotherapie






Wenn alle ihren Weg finden und ich noch nicht mal weiß, wo meiner anfängt
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