Können Eltern von ihren Kindern lernen? Ja, auf jeden Fall! Durch gute Beobachtung und bewusste Entscheidungen kann elterlicher Ärger vermieden werden und mehr Harmonie in im familiären Zusammenleben entstehen.
Es gibt zahlreiche Momente, in denen kleine Kinder in ihren Eltern Ärger und Frustration hervorrufen können. Sei es das fünfte Aufstehen mitten in der Nacht, das alleinige Spiel-Interesse für alles, was verboten ist oder das Nicht-Zulassen jeglicher produktiver Beschäftigungen der Eltern. Man hat alles so schön geplant, alles zurechtgelegt und dann kommt das Kind „dazwischen“. Aber kann man das wirklich so sagen? Sollte man die „Schuld“ bei den Kleinen suchen?
Immer wieder Ärger
Als Vater eines eineinhalbjährigen Sohnes hatte ich in den letzten 18 Monaten zum Glück (vor allem nachts) genügend Zeit, über solche Fragen nachzudenken und meine eigene kleine „Studie“ zum Thema „Kinder und Ärger“ durchzuführen. Die Ergebnisse waren ernüchternd, als ich nach den ersten Monaten auf mein eigenes Verhalten zurückschaute. Nahezu jeden Tag ärgerte ich mich mehrmals, abwechselnd über jedes Familienmitglied, einschließlich mich selbst.
Es war frustrierend und konnte nicht so weiter gehen, ich wollte etwas ändern. Aber wie? Wo waren die Stellschrauben? Der erste Gedanke lag auf der Hand: Solange unser Sohn klein ist und die Routine sich ständig verändert, muss ich einfach irgendwie durchhalten. Danach wird es besser – könnte man denken!
Selbsterkenntnis – das eigene Kind als „Spiegel“
Solche Gedanken brachten mich nicht weiter. Wann sollte denn auch dieser „mythische Zeitpunkt“ kommen, an dem der Ärger einfach aufhört? Dann wurde ich – ich weiß nicht mehr wie und wo – mit einem anderen Impuls konfrontiert: Wir können nicht kontrollieren, wie sich die anderen verhalten, aber sehr wohl, wie wir reagieren. Auf einmal ging mir ein Licht auf. Mein Sohn war nicht Grund meiner Aufgebrachtheit, er war viel eher ein „Spiegel“ für meine innere Unausgeglichenheit.
Das Gefühl der Frustration kam also alleinig aus mir selbst heraus. Zuerst eine unschöne Feststellung, dann eine wichtige Erkenntnis. Ich begann mich in oben geschilderten Situationen strenger zu beobachten, versuchte in kritischen Momenten bewusster da zu sein. Ich wollte vorbereitet sein und dem inneren Ärger nicht mehr freien Lauf lassen.
„Agathon, tu das nicht.“
Und es hat funktioniert! Stück für Stück, Nacht für Nacht lernte ich dazu. Mit der Zeit konnte ich immer besser mit stressigen Situationen umgehen. Dabei helfen kleine, ganz einfache Tricks, die man zu leicht vernachlässigt. Besonnenheit zu üben, ist dabei das Wichtigste. Man sollte wirklich immer versuchen, „bei der Sache“ zu sein, damit man sich nicht von der herrschenden Unruhe mitreißen lässt. Wenn man merkt, dass Ärger im Anmarsch ist, kann es helfen, einfach einmal tief durchzuatmen.
Eine kurze Pause vor einer übereilten Gefühlsregung hilft, die Situation besser einzuschätzen. In der Regel ist das „Problem“ ja gar nicht so groß. Mir hat in diesem Zusammenhang eine liebenswürdige Geschichte von einem alten Mönch namens Agathon geholfen. Immer wenn er sich ein Urteil über etwas oder jemanden bilden wollte, hielt er kurz inne und sagte zu sich selbst: „Agathon, tu das nicht.“ So brachte er sein Inneres zur Ruhe und bewahrte sich selbst und sein Umfeld vor Schaden durch unüberlegte Worte oder Handlungen.
Miteinander zu mehr Harmonie
Ich habe durch diese Episode erfahren dürfen, wie viel ein Erwachsener von einem kleinen Kind lernen kann. Das Kind tut einfach, was es eben tut. Konflikte sagen mehr über die Lage des Erwachsenen aus als über das Kind. Diese Eigenschaft des Kindes als „Spiegel“ des elterlichen Gemütszustandes ist überaus wertvoll.
So können die Kleinen dabei helfen, die „Fehler“ der Großen aufzudecken. In gewisser Weise wächst man dadurch miteinander und kann voreinander lernen. Die Besonnenheit, welche die Eltern gewinnen, strahlt im Gegenzug wieder auf das Kind aus. Dadurch, so meine Erfahrung, wird die Grundlage des Zusammenlebens deutlich harmonischer und es kommt von vornherein zu weniger ärgerlichen Situationen.






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