„Trennen wir uns? – Nein, lass es uns nochmal probieren.“ Mit Elan führen wir Beziehungen weiter, um später erneut an einem Trennungspunkt zu stehen. Warum schaffen wir es nicht, nachhaltig an unseren Beziehungen zu arbeiten? Sind wir einfach nicht füreinander geschaffen? In diesem Artikel bekommst du einige Inspirationen, wie du deine Beziehungen stabiler und friedvoller gestalten kannst.
„Wenn das mit dem nur klappen würde…“
Freudig erblickte ich einen jungen Mann und verliebte mich. Ich wollte so gerne einen Freund haben. Der Druck lastete auf mir, denn meine Freundinnen waren schon größtenteils vergeben. Das Single-Sein nagte an meinem Selbstwertgefühl. Ich stellte meine Attraktivität infrage und wollte eine Bestätigung, dass „mich jemand wollte“. Rückblickend sehe ich hierin schon den ersten Fehler, eine Beziehung einzugehen.
Schlechte Startbedingungen und der ewige Kreislauf
Ich habe mich oft gewundert, an ähnlichen Streitpunkten angelangt zu sein. Selten habe ich mich reflektiert oder meine bisherigen Erfahrungen darauf bezogen. Mit der passenden Psychotherapie entdeckte ich bestimmte Verhaltens- und Bewältigungsmuster aus meiner Herkunftsfamilie, die ich unbewusst übernommen hatte. Ich habe zum Beispiel nicht die Erfahrung gemacht, dass man sich stritt und wieder versöhnte. Später erkannte ich, dass ich Beziehungen schnell infrage stellte oder Verlustängste entwickelte, wenn Konflikte aufkamen.
Meine Reise in die Tiefe
Ich entschied mich, für eine längere Zeit keine Paarbeziehung mehr einzugehen, sondern freundschaftliche Beziehungen zu intensivieren und dadurch charakterlich zu reifen. Auch beobachtete ich andere Paarbeziehungen und stellte gezielt Fragen, welche Herausforderungen sie erlebten. Dadurch habe ich einige Erkenntnisse gewonnen, die ich nachfolgend als Impulse aufführe:
1. Gefühle kommen und gehen
Emotionen sind nicht die besten Kompasse, aber hilfreiche Thermometer. Nutze deine Emotionen, um innere Zustände wahrzunehmen, aber orientiere dich nicht nur an ihnen. Es gibt Lebensphasen, in denen du keine Liebe spürst. Daher triff jeden Tag neu, die Entscheidung zu lieben und dich lieben zu lassen. Sei dir und deinem Gegenüber treu.
2. Wortbremse einbauen – „Klappe halten!“
Baue eine Wortbremse ein. Wenn ein Streit oder Schwierigkeiten aufkommen, halte deine Worte zurück und versuche zuerst, wieder einen kühlen Kopf zu bekommen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist es möglich, die Konfliktpunkte gezielter anzusprechen.
3. Selbstbild prägt und färbt ab
Wie kann ich den Worten „Ich liebe dich“ Glauben schenken, wenn ich davon ausgehe, ein wertloser, unwichtiger Mensch zu sein? Wie kann ich mein Gegenüber und seine Arbeit schätzen, wenn ich glaube, alles allein machen zu müssen? Wie kann ich den anderen sehen, wenn ich denke, die ganze Welt drehe sich um mich? Mache dir bewusst, in welchem Licht oder Schatten du dich selbst siehst und wie diese Sichtweise deine Beziehung prägt.
4. Gegner – wer gewinnt?
Es gibt eine Schwelle in Paarbeziehungen, wo das Gegenüber als Gegner wahrgenommen wird. Anstatt gemeinsam voran zu gehen, wird gegeneinander gearbeitet. Sei dir bewusst, dass eure Kraft in der Einheit und im Teamgeist liegt. Übertrumpfe dein Gegenüber nicht und lebt nicht in latenter oder offener Konkurrenz.
5. Projektionsfläche: Mein Partner
Sei dir bewusst, dass du ungelöste Konflikte und bisherige Verletzungen auf dein Gegenüber übertragen kannst. Vielleicht bist du nur noch vom anderen genervt. Dann überlege dir, was dich genau stört und wo du bisher ähnliches erlebt hast. Oft spiegelt das Gegenüber unsere wunden Punkte wider. Hole dir Hilfe, wenn du keine Klarheit darüber bekommst.
6. Nähe, die wehtut
Gebt euch die Freiheit und die Distanz, die ihr individuell braucht. Jeder soll aufatmen können und ein freudiges Wiedersehen belebt die Beziehung. Holt euch Hilfe bei krankhafter Eifersucht. Die Liebe lässt den anderen frei und vertraut auf das innere Band, das zusammenhält.
7. Ein Herz, gefüllt mit Steinen
Suche dir Hilfe, wenn du nicht mehr innerlich zur Ruhe kommst oder dein Herz überfüllt ist mit unlösbaren Sorgen. Wirf nicht die Last bei deinem Gegenüber ab oder nörgle an ihm herum. Übernimm die Verantwortung für dein Leben. Bitte dein Gegenüber um Hilfe, wo es ihm möglich ist, dir zu helfen.
8. Sich inspirieren lassen
Probiert Kommunikationsspiele aus. Habt ihr schon „aktives Zuhören“ gelernt? Entfacht eure Liebe neu. Beziehungen dürfen mit jedem Jahr spannender werden, nicht langweiliger. Legt euch eine Liste an, mit allem, was ihr gemeinsam erleben wollt. Besucht gemeinsam Seminare, die eure Beziehung bereichern.
9. Achtung, das kostet Überwindung
Wenn es scheinbar keine Lösung mehr für Konflikte gibt: Überwinde dich, in die Situation und Perspektive deines Partners zu schlüpfen. Wie könnten sich seine Schuhe anfühlen? Durch welche Brille könnte er blicken? Welche Steine schleppt er mit sich herum? Mit welchem Gedanken wacht er morgens auf?
10. Vom hohen Ross runter
Habe den Mut, deine Hand dem anderen zu reichen. Beharre nicht auf dein Recht oder, dass du Recht haben musst. Habt euer gemeinsames Ziel vor Augen. Gemeinsam seid ihr stark.
11. Akzeptanz
Akzeptiere die Wahrnehmung des anderen. Wahrnehmung ist subjektiv und daher nie richtig oder falsch. Die Interpretation der Wahrnehmung sollte überprüft werden, weil sie tatsächlich unwahr sein kann.
12. Schaffe ein Fundament
Eine Beziehung braucht gemeinsame Werte als Fundament. Wer nicht bereit ist, Respekt und Achtung vor- und miteinander zu leben, legt einen großen Stolperstein in die Beziehung hinein. Gestaltet eure Werte auf einem Poster und hängt es auf.
13. Verbiege dich nicht
Manchmal macht man etwas aus einem inneren Zwang heraus. Der andere könnte einen sonst nicht mehr lieben oder man könnte verlassen werden. Lebe keine Partnerschaft aus der Angst vor dem Alleinsein heraus. Sei du selbst – mit deinen Stärken und Schwächen.
14. Erinnerungsliste
Führe eine Liste mit den Eigenschaften, die dich besonders an deinem Gegenüber faszinieren. Lies dir die Liste vor allem in Momente durch, in denen du es vielleicht abwertest. Was hat dich am meisten an deinem Gegenüber erstmals beeindruckt? Was hat dich besonders angezogen?
15. Sprache formt die Realität
Wenn du über deinen Partner in Anwesenheit anderer sprichst, mache das mit Achtung, Respekt und Verantwortung. Wenn du dein Gegenüber nicht achten kannst, überlege dir, woran es liegen könnte.
16. Komplett anders
Wenn ihr immer wieder ähnliche, schwierige Momente erlebt, verhalte dich mal ganz anders als sonst. Wenn du dein Verhalten änderst, ist der andere auch gezwungen, neu zu reagieren. Wenn der eine zum Beispiel schreit: „War ja klar, dass ich mal wieder an allem schuld bin.“, war sonst die Reaktion möglicherweise darauf: „Ach, komm aus deinem Opfermodus raus!“.
Wie wäre es, andere Entgegnungen auszuprobieren: „Das ist ja spannend. Wie kommst du darauf, dass du schuld wärst?“, oder „Das alles ist im Moment sehr belastend für dich? Du fühlst dich schuldig?“ Diese neuen Reaktionen können helfen, bereits aufgebaute Mauern zu überwinden und eine Verbindung zum Gegenüber wieder aufzubauen.
17. Bereicherung höchstpersönlich
Betrachte dein Gegenüber als Lerngeschenk. Niemand wird dich vermutlich mehr prägen und in deinem Charakter schleifen als er oder sie. Wenn ihr Konflikte habt, überlege dir, welcher Anteil daran zu dir gehört und was du zukünftig anders gestalten willst. Verändere zuerst dich, bevor du dein Gegenüber dazu auf- oder herausforderst.
18. Schmetterling, flieg!
Hilf deinem Partner, sich zu entfalten. Entdecke die Schönheit in ihr/ihm. Ermutige und unterstütze dabei, wie es deine Kräfte zulassen. Gönne deinem Gegenüber alles Liebe und Glück der Welt. Haltet dabei ein gutes Maß, damit ihr euch beide ausbreiten könnt.
19. Ich sehe dich!
Begrüße deinen Partner, wenn er oder sie nach Hause kommt. Blicke ihn/sie an. Halte kurz inne und schenke ihm/ihr deine volle Aufmerksamkeit, egal, wie stressig dein Tag bisher war.
20. Schweigen brechen
Sprecht über intime Momente. Wie geht es dir damit, wenn xy passiert? Was würde dir mehr gefallen? Was fällt dir schwer? Willst du das überhaupt? Wie oft? Was wollt ihr gemeinsam verändern? Gibt es Geheimnisse in eurer Beziehung? Gibt es etwas, dass du dich nie trauen würdest, deinem Gegenüber mitzuteilen?
21. Beziehungs-Wörterbuch entdecken
Entwickelt eine gemeinsame Sprache. Lerne die Sprache des anderen kennen. Zum Beispiel sagt einer: „Mir ist alles zu viel gerade.“ Man könnte nachfragen: „Was brauchst du jetzt?“ Vielleicht könnte es Nähe, Geborgenheit, Ruhe oder etwas ganz Anderes sein. Gehe nicht von deiner Sichtweise als absolute Wahrheit aus. Habe den Mut, dein Gegenüber zu fragen, was es genau meint, wenn es xy sagt.
22. Herzenseinstellung
Manche Beziehungen scheitern an Langeweile. Der Partner ist nicht mehr interessant. Mache dir bewusst, welche Werte im Herzen dir besonders wichtig sind. Ist es Treue? Hingabe? Hab im Hinterkopf, dass dein Gegenüber nicht hauptsächlich dafür da ist, um deine Bedürfnisse zu befriedigen.







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