Ich wurde in Ghana geboren und bin dort aufgewachsen, zwischen Sunyani und Accra, wo der Glaube niemals leise war. Der Katholizismus war nicht nur etwas, das wir sonntags praktizierten – er war etwas, das wir lebten. Kirche bedeutete Farbe, Klang, Bewegung, Lachen. Sie war Familie. Sie war Heimat.

Dann zog ich nach Deutschland, nach Bochum, und mein Glaube traf auf eine andere Welt.
Plötzlich fühlte sich der Katholizismus ruhiger an. Zurückhaltender. Weniger Rhythmus, mehr Reflexion. Dieselbe Kirche. Dasselbe Glaubensbekenntnis. Ein ganz anderer Herzschlag.
Über ein Jahr hier zu leben hat mich etwas Tiefgreifendes gelehrt: Der Glaube verändert sich nicht, aber die Art, wie wir ihn tragen, schon. Dies ist meine Geschichte darüber, wie ich gelernt habe, einen Glauben in zwei Kulturen zu leben.
Von tanzenden Füßen zu gefalteten Händen
In Ghana war die Messe ein Erlebnis für den ganzen Körper. In Pfarreien wie Mary Help of Christians in Odumasi konnte der Gottesdienst zwei oder drei Stunden dauern, und niemand beschwerte sich. Wir sangen auf Twi und Englisch, klatschten, tanzten und beteten laut. Osternachten bedeuteten Lagerfeuer, Trommeln und Stimmen, die gemeinsam in die Nacht aufstiegen. Nach der Messe teilten wir Essen. Das Kirchengelände wurde zum Gemeinschaftsraum. Als Junge hatte ich das Gefühl, meine Seele bewege sich mit Gott.
Meine erste Messe in Deutschland, in St. Peter und Paul in Bochum, fühlte sich an, als würde ich ein anderes Universum betreten. Alles war präzise. Still. Strukturiert. Die Kirchenlieder kamen aus Büchern, getragen von der Orgel. Die Messe endete nach weniger als einer Stunde. Die Menschen begrüßten sich höflich – keine Umarmungen, kein Lachen beim Friedensgruß. Anfangs fühlte ich mich distanziert, fast einsam.
Doch langsam verschob sich etwas.
Die Stille begann zu sprechen. Die Struktur lud zur Tiefe ein. In einer Gesellschaft, in der der Glaube oft unter dem Druck eines säkularen Alltags besteht, schützt diese Ordnung etwas Heiliges. Der Gottesdienststil in Deutschland richtet sich nach innen und fördert Kontemplation statt Ausdruck. Ich lernte, dass Ehrfurcht nicht immer Lautstärke braucht.

Ein Glaube, unterschiedliche Schwerpunkte
Die katholische Lehre ist universell – die Sakramente, das Glaubensbekenntnis, das Evangelium bleiben unverändert. Doch Kultur prägt, worauf wir den Schwerpunkt legen.
In Ghana sprechen Predigten oft direkt die täglichen Herausforderungen an: Armut, Korruption, Krankheit, Widerstandskraft. Der Glaube ist praktisch. Priester predigen Hoffnung, die sich in Taten zeigt. Ich erinnere mich an Homilien, die uns aufriefen, Nachbarn bei Überschwemmungen zu helfen, die Hungrigen zu speisen, füreinander da zu sein. Die Verehrung Marias und der Heiligen ist stark und oft mit kulturellen Feiern verbunden. Der Glaube stiftet Gemeinschaft.
In Deutschland wirken die Lehren analytischer. Predigten befassen sich mit Gewissen, Ethik, sozialer Verantwortung, Klimagerechtigkeit, Bioethik. Veranstaltungen wie die MEHR Konferenz oder Glaubensfestivals legen den Fokus auf innere Unterscheidung, Stille und spirituelle Tiefe. Die Kirche hier ringt offen mit modernen Fragen – Inklusion, Identität, Relevanz – durch Dialog und Reform.
Als jemand, der von einem Kontinent kommt, auf dem die Kirche stark wächst, forderte mich das heraus. In Ghana trug mich der Glaube durch schwierige Zeiten und durch gemeinschaftliche Unterstützung – selbst während COVID, als die Kirche mein Anker war. In Deutschland hingegen, wo ich als Neuankömmling Isolation erlebte, half mir der Fokus auf innere Stärke, geistlich und persönlich zu reifen.
Ein vertiefter, nicht geteilter Glaube

Das Leben zwischen diesen beiden Welten hat mich verändert. Mein Glaube ist nicht mehr nur geerbt – er ist gewählt. Ich schätze heute die Stille einer deutschen Kapelle und sehne mich zugleich nach der freudigen Lebendigkeit einer ghanaischen Messe. Keines ist besser als das andere. Zusammen haben sie meinen Glauben reicher gemacht.
Wenn du fern von deiner Heimat lebst und den spirituellen Rhythmus vermisst, mit dem du aufgewachsen bist, habe ich Folgendes gelernt: Suche Gemeinschaft. Nimm an Treffen teil. Finde Räume, in denen Kulturen einander begegnen. Veranstaltungen wie die MEHR-Konferenz haben mich daran erinnert, dass die Kirche weit genug ist für jede Stimme, jeden Rhythmus, jede Geschichte.
Der Glaube überwindet Grenzen.
Und manchmal wächst er gerade dann am stärksten, wenn er es tut.
Bridging Faith Across Continents: My Journey as a Ghanaian Catholic in Germany
I was born and raised in Ghana, between Sunyani and Accra, where faith was never silent. Catholicism was not just something we practiced on Sundays, it was something we lived. Church was colour, sound, movement, laughter. It was family. It was home.
Then I moved to Germany to Bochum and my faith met a different world.
Suddenly, Catholicism felt quieter. More restrained. Less about rhythm and more about reflection. Same Church. Same creed. Very different heartbeat. Living here for over a year has taught me something profound: faith does not change, but how we carry it does. This is my story of learning to hold one faith through two cultures.
From Dancing Feet to Folded Hands

In Ghana, Mass was an experience for the whole body. At parishes like Mary Help of Christians in Odumasi, worship could last two or three hours and no one complained. We sang in Twi and English, clapped, danced, and prayed loudly. Easter Vigils meant bonfires, drums, and voices rising together into the night. After Mass, we shared food. Church grounds became community grounds. As a boy, I felt like my soul was moving with God.
My first Mass in Germany, at St. Peter and Paul in Bochum, felt like stepping into another universe. Everything was precise. Quiet. Structured. Hymns came from books, carried by the organ. The Mass ended in under an hour. People greeted each other politely, no hugs, no laughter during the sign of peace. At first, I felt distant almost lonely.
But slowly, something shifted.
The silence began to speak. The structure invited depth. In a society where faith often survives under pressure from secular life, this order protects something sacred. Germany’s style of worship leans inward, encouraging contemplation rather than expression. I learned that reverence does not always need volume.
One Faith, Different Emphases
Catholic teaching is universal the sacraments, the Creed, the Gospel unchanged. Yet culture shapes what we emphasize.
In Ghana, sermons often speak directly to daily struggle: poverty, corruption, sickness, resilience. Faith is practical. Priests preach hope with action. I remember homilies that called us to help neighbours during floods, to feed the hungry, to show up for one another. Devotion to Mary and the saints is strong, often blended with cultural celebration. Faith builds community.
In Germany, teachings feel more analytical. Homilies explore conscience, ethics, social responsibility, climate justice, bioethics. Events like the MEHR Konferenz or Glaubensfestival focus on inner discernment, silence, and spiritual depth. The Church here wrestles openly with modern questions inclusion, identity, relevance through dialogue and reform.
Coming from a continent where the Church is growing fast, this challenged me. In Ghana, faith held me through hardship and community support even during COVID, when church became my anchor. In Germany, where I faced isolation as a newcomer, the focus on inner strength helped me mature spiritually and personally.

A Faith Deepened, Not Divided
Living between these two worlds has changed me. My faith is no longer just inherited it is chosen. I now cherish the silence of a German chapel and still long for the joyful noise of a Ghanaian Mass. Neither is better. Together, they have made my faith richer.
If you’re living far from home and missing the spiritual rhythm you grew up with, I’ve learned this: look for community. Attend gatherings. Seek spaces where cultures meet. Events like the MEHR Konferenz reminded me that the Church is wide enough for every voice, every rhythm, every story.
Faith crosses borders.
And sometimes, it grows strongest when it does.







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