Wenn man sich mit den Themen auseinandersetzt, die an Depression erkrankte Menschen mit ihren Therapeuten besprechen, merkt man schnell, dass dies Dinge sind, mit denen sich viele Menschen aus eurem Umfeld einmal beschäftigen sollten. Der schlecht gelaunte Nachbar, die ewig unzufriedene Biologielehrerin, der pessimistische Kassierer oder die immer vom schlechten im Menschen ausgehende Freundin.
Mal ganz abgesehen davon, dass inzwischen sehr viel mehr Menschen als man denkt, bereits Hilfe in Anspruch genommen haben, sind es immer noch zu wenige. Und leider ist es oft der stille Leidende am Ende der Kette. Der Schwächste trägt die schwersten Symptome und ist meistens der, der zusammenbricht und so in Behandlung kommt, während der Auslöser weiter unbehandelt bleibt.
Ungelöste Konflikte und destruktive Verhaltensmuster

Psychische Erkrankungen, ungelöste innere Konflikte und destruktive Verhaltensmuster können dazu führen, dass Menschen ihr Leiden an andere weitergeben. Eine unbehandelte Depression, narzisstische oder soziopathische Verhaltensweisen, Abhängigkeit, selbst nur einzelne schlechte Eigenschaften, können das Gegenüber negativ belasten
Und die Gründe für das Auftreten dieser Verhaltensmuster, können ebenfalls durch das eigene Umfeld, sowie die Kindheit oder schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgelöst werden.,. In einigen Fällen sind die Auslöser genetisch bedingt. Die Veranlagung für Depressionen zum Beispiel ist tatsächlich genetisch vererbbar. Jedoch ist dies nicht der Punkt, den ich mit dem Erbe verdeutlichen möchte.
Unzufriedenheit am Arbeitsplatz
Viele Arbeitnehmer sind unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Wer viele Firmenwechsel hatte, weiß genau: “es ist überall gleich schlecht”. Dabei ist es irrelevant, ob wir von Industrie, Pflege oder Gewerbe sprechen. “Was zählt, sind die Kollegen. Wenn sie gut sind, hält man es aus.” Ein Satz, den man ständig hört, denn er ist wichtig und richtig. Wenn man zumindest mit netten Kollegen oder gar Freunden zusammen ist, hält man länger durch, bis man erkennt, dass nichts gut ist.
Vorarbeiter, die einen unterdrücken; Kollegen die einen sabotieren; Vorgesetzte, die zu viel Druck aufbauen; ganz oben der Manager, der das Wachstum der Firma auf Kosten der Arbeiter weiter sichern möchte. Den Arbeitsplatz sollte man nicht aushalten.
Jedoch traut sich kaum jemand darüber auch nur einen Gedanken zu verschwenden. „Ich muss funktionieren.“ „Meinen Job gut machen.“ „Mein Vorgesetzter ist ein Blödmann, aber trotzdem muss ich helfen den Betrieb aufrecht zu halten.“ „Auf keinen Fall darf ich arbeitslos werden.“
Selbstüberschätzung im (Arbeits-)Umfeld
Im Arbeitsumfeld trifft man häufig auf vollkommene Selbstüberschätzung, das Bedürfnis nach Bewunderung, geringe Empathie, dominantes, kontrollierendes Verhalten und systematisches Ausnutzen anderer für die eigenen Ziele. Wieso wiegen diese Eigenschaften häufig mehr als hervorragende Führungsfähigkeiten und soziale Kompetenz?
Nicht nur auf der Arbeit sind wir krankmachenden Systemen ausgesetzt. Es ist das Umfeld, in dem wir aufwachsen, dass unsere Denkweise prägt und unseren Charakter bildet. Und leider werden bereits dort häufig, in mehr oder weniger starker Ausprägung, Negativfloskeln und falsche Ansprüche weitergegeben. Jede Familie hat da ihre eigenen.
Manche lernen, dass sie übermäßig gut sein müssen, um ein schönes Leben zu bekommen oder auf jeden Fall besser sein müssen als alle anderen.
Andere, dass sie sich mit Ihrer Situation arrangieren sollen, weil eh nichts anderes vorbestimmt ist. Niemand sagt einem, dass man auch einfach etwas anderes tun kann als von ihm erwartet wird. Das es für jeden Wege gibt glücklich zu werden abseits der gesellschaftlichen Ansprüche.
Der Urdeutsche Wunsch nach Wachstum
Wir hören es jeden Tag in den Nachrichten, dass es Deutschland und somit den Menschen, die dort leben nur gut geht, wenn das Wirtschaftswachstum steigt. Aber ist das so?
Deutschland ist stolz auf seinen Fleiß, seine Pünktlichkeit, seinen Erfindergeist und Verlässlichkeit. Sind das die Dinge, auf die wir stolz sein sollten, die uns glücklich machen?
Fördert dieser Fleiß nicht nur die starken hierarchischen Strukturen, in denen Arbeitnehmer leicht ausgenutzt werden können und somit zu den geschätzten mehreren Millionen an Burnout erkrankten in Deutschland? Ist die geforderte Perfektion der Pünktlichkeit nicht der Grund für künstlichen Stress, der Körper und Geist schwächt und krank macht? (Die Bahn lassen wir da jetzt mal außen vor, bei der wäre es schön, wenn sie auf 1-2 Minuten verlässliche Pünktlichkeit bieten würde). Und muss man im Leben wirklich immer irgendetwas Großartiges erreichen? Dinge, die noch keiner vorher geschafft oder erfunden hat?
Lebensbaum als Wegweiser
Was ist aus dem einem Baum geworden, den jeder Mensch in seinem Leben pflanzen sollte? Ein Lebewesen, das mit uns aufwächst und uns überaltert. Das noch da ist, wenn wir gehen und das für Familie und Freunde, Gemeinde da ist ohne, dass ich weiter etwas tun muss. Warum sind unsere Ansprüche so hoch geworden?
Ein alter Baum fand dafür diese Erklärung:
Unsere Großeltern und Urgroßeltern haben noch den Krieg miterlebt. Sie haben eine schreckliche Zeit mitgemacht, und anschließend haben sie unser Land wieder aufgebaut und es zu dem gemacht, was es ist. Ohne sie ginge es uns heute vielleicht noch nicht so gut.
Diese Kinder haben vieles Schreckliches mitgenommen, behalten und weitergegeben. Alles, was sie hatten, war die Hoffnung auf eine bessere, eine heile Zukunft. Dafür mussten sie hart arbeiten. Sie mussten sich vermutlich oft gegenseitig neuen Mut zusprechen, sich gegenseitig unterstützen und viele schwierige Momente überstehen.
Ein aufstrebendes Land
Für eine ganze Generationen lang, war das Leben geprägt von traumatischen Erinnerungen und dem Ziel, wieder zu dem zu werden, was die Eltern einem sagten, was man vorher gewesen war. Ein aufstrebendes Land, mit Innovationen, steigendem Wohlstand und gut laufender Wirtschaft. Dafür gebührt ihnen Dank. Sie haben ihr Leben geopfert, um das späterer Generationen zu verbessern.
Aber, heißt danken, dass wir nicht aufhören dürfen ihre Ziele zu verfolgen?
Der menschlicher Geist ist immer noch derselbe wie damals, obwohl das Bessere, dass sie erreichen wollten, längst da ist. Wir haben schon lange wieder alles, was wir brauchen; jegliche Lebensmittel, die wir möchten, stehen uns zur Verfügung. Es gibt ausreichend Wohnraum; ausreichend Arbeitsplätze für alle; die Wirtschaft steigt unaufhörlich.
Trotzdem wird Deutschland geleitet von Unzufriedenheit. Nichts ist ausreichend, alles muss besser werden. Jede Veränderung löst große Diskussionen aus. Mittelwertigkeit wird nicht akzeptiert und Ansprüche wachsen unaufhörlich.
Die Zahl der Erkrankten steigt unaufhörlich, die Stimmung im Land kippt immer weiter.
Weil es nicht passt. Die gleichen Ziele wie damals eignen sich nicht uns glücklich zu machen.
Denn wir sind kein Baum, der stetig wachsen kann mit nur ein bisschen Sonne und Regen.
Mit den Generationen ausgewachsen
Wir sind Menschen. Wir wachsen; in unseren ersten Lebensjahren sogar ziemlich schnell, bis wir nach ein paar Jahren ausgewachsen sind. Und genauso ist es auch mit einem Land.
Unsere Ur-/Großeltern haben das Land aufgebaut – die nachfolgenden Generationen haben es vorangebracht. Und nun ist es schon seit einiger Zeit ausgewachsen.
Weiteres Wachstum ist auf natürliche Weise nicht mehr möglich. Jeder Versuch unseren vererbten Ansprüchen dennoch gerecht zu werden, führt zu künstlichem Druck in allen Lebensbelangen, was wiederrum für Unzufriedenheit sorgt. Und diese befeuert erneut den Wachstumsgedanken, denn wenn das Ziel erreicht ist, so glaubt man, ist alles besser. Es ist ein Hamsterrad. Eins das sich bereits so schnell dreht, dass es beinahe zerbricht.
Halt an.
Halt inne und frag dich: Ist es nicht längst Zeit das Erreichte als Ziel anzuerkennen?
Reicht es nicht schon längst für alle, wenn wir es gerecht aufteilen?
Wir sind körperlich ausgewachsen, was jetzt nur noch wachsen kann ist der Verstand, der den Körper schützt.
Denn, wenn das Erreichte richtig genutzt wird, wird es nie Stillstand geben.
Man muss die Richtung regelmäßig wechseln und seine Ziele dementsprechend neu ausrichten. Wie der Baum, der immer so wächst, dass er Sonnenlicht abbekommt.
Ansprüche, die uns glücklich machen
Strecken wir nun also unsere Äste neu aus. Legen wir viel zu lange gelebte Ansprüche ab. Ersetzt “Wachsen” durch “Aufteilen”, “Besser werden” durch “Erreichtes nutzen”. Und ich will jetzt gar nicht Gefahr gehen, auch nur irgendwelche Floskeln zu verbreiten, aber wir brauchen mehr kleine Arbeitgeber, die gut mit Mitarbeitern umgehen.
Mehr Respekt, für das, was wir tun, auch wenn es nicht der Wiederaufbau Deutschlands ist.






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