Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 ist der Krieg für Millionen Menschen noch immer bittere Realität. Zerstörte Städte, getrennte Familien, traumatisierte Kinder und eine Gesellschaft im Ausnahmezustand prägen den Alltag. Doch neben Leid und Verlust gibt es auch eine andere Geschichte: die von Solidarität, gelebtem Glauben und konkreter Hilfe.
Mehr als 30 Millionen Euro für konkrete Hilfe
Das päpstliche Hilfswerk Kirche in Not hat seit Kriegsbeginn 1.256 Projekte in der Ukraine unterstützt – mit insgesamt mehr als 30 Millionen Euro. Ziel der Hilfe ist es, das kirchliche Leben im Land aufrechtzuerhalten und Menschen in existenzieller Not beizustehen. Gerade für viele junge Menschen stellt sich die Frage: Was kann Kirche in einem Krieg überhaupt bewirken? Die Antwort zeigt sich vor Ort – in Suppenküchen, Notunterkünften, Gesprächen und Gesten, die Mut machen.
Seit dem 24. Februar 2022 mussten Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Heimat verlassen. Während viele ins Ausland flohen, suchten andere Schutz innerhalb des Landes. In dieser Situation wurden Kirchen, Klöster und Priesterseminare zu Zufluchtsorten. Sie öffneten ihre Türen für Geflüchtete, organisierten Schlafplätze, verteilten Lebensmittel und boten seelsorgliche Begleitung an. Diese Orte sind bis heute wichtige Anlaufstellen – nicht nur für materielle Hilfe, sondern auch für Trost, Orientierung und Gemeinschaft.
Zuflucht hinter Klostermauern
Eine dieser Geschichten erzählt Julia aus Charkiw. Gemeinsam mit ihrer Familie floh sie vor den Kämpfen und fand Zuflucht in einem Kloster in der Westukraine. In einem Schreiben an „Kirche in Not“ beschreibt sie eine Zeit voller Angst und Unsicherheit – und zugleich eine Erfahrung, die ihr neue Hoffnung schenkte. Die Ordensschwestern hätten ihr nicht nur Unterkunft gewährt, sondern sie auch geistlich begleitet. Regelmäßige Gottesdienste, Gespräche und das Gefühl, nicht allein zu sein, wurden für sie zu einem „tiefen geistlichen Erwachen“. Julias Zeugnis steht stellvertretend für viele andere Menschen, die in kirchlichen Einrichtungen nicht nur überlebt, sondern neuen Mut gefasst haben.
Die Unterstützung von „Kirche in Not“ umfasst dabei sehr konkrete Maßnahmen. Lebensmittelhilfe und warme Mahlzeiten gehören ebenso dazu wie die Finanzierung von Generatoren und Treibstoff. In einem Land, in dem Stromausfälle zum Alltag gehören, sind funktionierende Generatoren überlebenswichtig – besonders im Winter. Klöster und Pfarreien, die als Notunterkünfte dienen, benötigen Heizung, Licht und Wasser. Ohne externe Hilfe wäre das oft nicht möglich.
Hilfe, die im Alltag ankommt
Ein Beispiel ist die Gemeinschaft der Elisabethschwestern in Tschornomorsk in der Region Odessa. Täglich bereiten sie bis zu 100 warme Mahlzeiten zu und verteilen zusätzlich Lebensmittelpakete an rund 60 Familien. Unter den Bedürftigen sind Geflüchtete, ältere Menschen, Familien mit Kindern und sogar Soldaten. Für viele ist diese Hilfe mehr als nur eine Mahlzeit – sie ist ein Zeichen, dass jemand an sie denkt.
Andere Ordensschwestern aus Odessa berichten, dass sie dank der Unterstützung Benzin und Öl kaufen konnten, um Stromgeneratoren und Heizungen zu betreiben. Eine Schwester absolvierte eine medizinische Fortbildung, um verwundete Soldaten und deren Angehörige professionell begleiten zu können. Hier wird deutlich: Hilfe bedeutet nicht nur Versorgung, sondern auch Qualifizierung und nachhaltige Unterstützung.
Seelsorge gegen die seelischen Wunden des Krieges
Neben der materiellen Hilfe spielt die pastorale Begleitung eine zentrale Rolle. Krieg hinterlässt nicht nur zerstörte Gebäude, sondern auch seelische Wunden. Viele Menschen leiden unter Angstzuständen, Trauer, Schuldgefühlen oder Hoffnungslosigkeit. Priester, Ordensleute und pastorale Mitarbeitende stehen ihnen zur Seite – in Gesprächen, Gebeten und Gottesdiensten. Sie begleiten Trauernde, stärken Verzweifelte und helfen, Traumata zu verarbeiten.
Pfarrer Oleksander Ryepin aus Mykolajiw in der Südukraine beschreibt, wie seine Gemeinde monatelang Geflüchtete aus besetzten Gebieten aufnahm. Neben Lebensmitteln und Hygieneartikeln sei es vor allem darum gegangen, Würde und Zugehörigkeit zu vermitteln. „Gott ist auch in den einfachsten Gesten der Hilfe gegenwärtig. Der Schmerz verschwindet nicht – aber er verwandelt sich“, schreibt er. Diese Worte bringen auf den Punkt, was viele Menschen erfahren: Leid bleibt real, aber es muss nicht das letzte Wort haben.
„Die Liebe ist stärker als die Angst“
„Kirche in Not“ betont immer wieder die geistliche Dimension der Unterstützung. In zahlreichen Dankesbriefen berichten Ordensgemeinschaften und Pfarrgemeinden von der Gewissheit, inmitten von Bombardierungen und Stromausfällen nicht allein zu sein. Solidarität wird spürbar – auch über Ländergrenzen hinweg. Die Elisabethschwestern formulieren es so: „Die Liebe ist stärker als die Angst, stärker als der Tod.“ Dieser Satz fasst zusammen, was viele Christinnen und Christen in der Ukraine bewegt.
Auch aus Deutschland kommt kontinuierliche Unterstützung. Florian Ripka, Geschäftsführer von Kirche in Not Deutschland, erklärt: „Seit vier Jahren reißt die Hilfsbereitschaft für die Ukraine nicht ab. Dank dieser Hilfe bleibt die katholische Kirche in der Ukraine lebendig und handlungsfähig.“ Die Spenden ermöglichen es, schnell und unbürokratisch auf neue Notsituationen zu reagieren. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Krisenhilfe, sondern auch um langfristige Perspektiven.
Hoffnung trotz anhaltender Unsicherheit
Für junge Menschen stellt sich oft die Frage, wie Hoffnung in einem so langen Krieg überhaupt möglich ist. Die Berichte aus der Ukraine zeigen: Hoffnung entsteht dort, wo Menschen füreinander einstehen. Sie wächst in Suppenküchen, in Gesprächen, in gemeinsamen Gebeten. Sie zeigt sich in Generatoren, die Licht in dunklen Nächten spenden, und in Fahrzeugen, mit denen Seelsorger abgelegene Gebiete erreichen können.
Vier Jahre Krieg haben tiefe Spuren hinterlassen. Städte wie Charkiw, Mykolajiw oder Teile der Region Odessa sind immer wieder Ziel von Angriffen geworden. Viele Familien leben weiterhin in Unsicherheit. Und doch gibt es eine starke Sehnsucht nach Frieden und Rückkehr. Am Ende ihres Briefes schreibt Julia: „Jeden Tag träume ich von der Rückkehr in mein geliebtes Charkiw. Und wir werden zurückkehren. Der Krieg wird enden.“
Diese Hoffnung teilen Millionen Menschen in der Ukraine. Sie speist sich aus dem Glauben, aus Solidarität und aus der Erfahrung konkreter Hilfe. Über 30 Millionen Euro an Unterstützung sind mehr als eine Summe auf dem Papier. Sie stehen für warme Mahlzeiten, beheizte Räume, seelsorgliche Gespräche und neue Perspektiven. Sie stehen für die Überzeugung, dass Menschlichkeit auch im Krieg nicht verschwindet.
Hilfe, die bleibt
Der Ukraine-Krieg bleibt eine der größten humanitären Herausforderungen unserer Zeit. Doch die Geschichten aus Klöstern, Pfarreien und Gemeinden zeigen: Hilfe wirkt. Sie lindert Not, stärkt Gemeinschaft und schenkt Hoffnung. Und sie erinnert daran, dass Mitgefühl und Engagement einen Unterschied machen – Tag für Tag, seit inzwischen vier Jahren.






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