Wer nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, gerät schnell in Vergessenheit. Einladungen immer wieder ablehnen zu müssen, tut weh, aber noch viel schmerzlicher ist es, wenn man überhaupt keine mehr bekommt. Chronische Erkrankungen bringen ein hohes Risiko für Isolation – ein Punkt, der schnell übersehen wird.


Ich bin noch da…
Schule, Uni, Job – für viele selbstverständlich, für manche lästig, für andere unerreichbar. Gesellschaftlich wird erwartet, dass man seinen Teil beiträgt. Der Leistungsdruck ist oft hoch – teils sogar unerreichbar. Doch wie soll man das bewältigen, wenn der Alltag schon alle Kraftreserven aufbraucht? Jeden Tag Zuhause zu sein klingt nach Ruhe – ist es aber kaum. Denn während andere entspannen, kämpft man selbst gegen verschiedenste Symptome, Erschöpfung und das Gefühl, nicht genug zu sein.
Niemand möchte als Jammerlappen dargestellt werden, aber wovon soll man erzählen, wenn alle fragen: „Was hast Du denn heute gemacht?“ Da bleibt man eher still, obwohl der Körper schreit.
Kannst Du mich verstehen?
Wir Menschen brauchen Beziehungen. Das Leben ist nicht darauf ausgerichtet ganz alleine bestritten zu werden. Je nach Alter gibt es, bewusst oder unbewusst, allerdings Punkte, die man erfüllen sollte, um nicht durch das Raster zu fallen. Einladungen zu Partys, Hochzeiten, Abschlussfeiern etc. sind heiß begehrt und wer zu oft absagt, bekommt irgendwann keine mehr. Aber wie viele fragen wirklich nach, warum man nicht kommen kann? Wie viele bleiben, wenn sie hören, was wirklich los ist? Die Antwort ist individuell, doch als chronisch Kranker überlegt man sich oft sehr genau, wem man von Symptomen erzählt und bei wem man sich besser zurückhalten sollte; man möchte ja die Freundschaft nicht verlieren.

Du bist nicht allein
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – ein altes Sprichwort, das nicht immer stimmt. Gerade wenn man eine neue Diagnose bekommt, fühlt man sich oft überfordert und manchmal auch hilflos. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, ganz ohne Medikamente, die bei diesen Gefühlen helfen kann: der Austausch mit anderen Betroffenen. Egal, ob über Social Media oder einer lokalen Selbsthilfegruppe – diese Gespräche sind oft unbezahlbar. Auf einmal merkt man, dass man nicht alleine ist. Man wird auf einer ganz anderen Ebene verstanden und bekommt häufig hilfreiche Tipps. Gegenseitiges Mut machen und trösten verbindet, man hat einen Ort, wo man offen über seine Symptome sprechen kann und davon ausgehen darf, verstanden zu werden.

Zuhören hilft!
Wer bemerkt, dass sich ein Freund/Bekannter immer mehr zurückzieht, sollte vielleicht genauer hinhören. Selbstverständlich können auch ganz harmlose Gründe für dieses Verhalten verantwortlich sein, aber vielleicht verbirgt sich doch mehr dahinter. Wer zuhören kann, ohne zu urteilen, kann einiges bewegen und Hoffnung schenken.
Wenn Du eine chronisch kranke Personen in Deinem Umfeld hast, lade sie doch weiterhin ein – diese kleine Geste kann einen Unterschied machen zwischen Hoffnung und Einsamkeit.






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