Jeder von ihnen erzählt eine Geschichte – vom Streben nach ewigem Leben, von fernen Welten, rasanten Abenteuern oder einfach Torten zum Geburtstag. Die Dark Rides im Europa-Park gehören zu den besten der Welt – und sie selbst haben spannende Erlebnisse hinter sich. Wir werfen einen Blick auf die fünf bekanntesten Dark Rides des Freizeitparks.

Ihr Name klingt düster – ein Dark Ride ist aber, einfach gesagt, eine Fahrt durch eine inszenierte Themenwelt, die meistens drinnen stattfindet. Dunkel und mystisch, oder fantasievoll und fröhlich wird es vor allem dann, wenn die Fahrt thematisiert ist, eine Geschichte erzählt, an animierten Figuren vorbeiführt, Gerüche, Musik und Lichteffekte gezielt einsetzt. Dann wird ein Dark Ride zur Erlebnisreise für alle Sinne – einsteigen, es geht los.
Castello dei Medici: Neue Storyline für einen Klassiker
Unseren ersten Dark Ride entdecken wir schon am Anfang des Europa-Parks, mitten im Herzen des italienischen Themenbereichs. Das „Castello dei Medici“ – es hieß bis 2024 „Geisterschloss“ – ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1982 ein fester Bestandteil des Freizeitparks und hat daher für die treuen Fans eine besondere Bedeutung.
Nachdem ein technischer Relaunch an der Zeit ist, entscheidet sich der Europa-Park dazu, die Bahn nicht komplett umzugestalten, sondern ihr den ursprünglichen Charme zu bewahren und gleichzeitig neuen Glanz zu verleihen, mit neuer Technik und neuem Innenleben.

„Diese Attraktion ist ein wesentlicher Teil vom Erbe des Parks“, sagt Pierre Nelli, Designer bei MACK Solutions, der zusammen mit Bauleiter Julien Lauffenburger vor schwierigen Entscheidungen stand: Was soll bleiben und was soll gehen? „Es war eine sehr dynamische Baustelle und die Zeitvorgaben waren eine enorme Herausforderung“, resümiert Lauffenburger. Das Ergebnis der Umthematisierung kann sich auch nach Meinung vieler Fans sehen lassen:
Sofort als wir losfahren, kehren wir ein in das mystisch anmutende Anwesen von Lorenzo de Medici und werden mit einem schaurigen Lachen begrüßt. Lorenzo hat einen Plan mit seinen Gästen, die noch vergnügt am Tisch sitzen und im Ballsaal tanzen, und auch mit uns: Er will die Unsterblichkeit erlangen und sucht dafür Freiwillige, die mit ihm dieses waghalsige Experiment starten. Im Dachgeschoss enthüllt sich jedoch die schreckliche Wahrheit – Lorenzos Gier nach dem ewigen Leben hat schreckliche Folgen.
Allen Gästen ist das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als sie feststellen, dass der Tod sich einen nach dem anderen holt, auch Lorenzo – und schließlich visualisiert auch uns. Als Fahrgast endet unsere Fahrt in einem dramaturgischen Höhepunkt, in einem visuellen Höllenszenario, in das wir unfreiwillig hineingezogen werden. Der Spagat zwischen Tradition und Modernisierung ist oft ein Risiko, in diesem Fall eine Chance. Wie auch in unserem nächsten Dark Ride.

Piraten in Batavia: Auf der Jagd nach dem Feuertiger
Ausgerechnet der Feuertiger ist das Ziel unserer nächsten Reise – dabei hatte das Feuer am 26. Mai 2018 diesen Dark Ride zerstört. Bei dem Großbrand gingen nahezu alle Figuren und Szenen in Flammen auf, Erinnerungen an die Bahn von 1987 verglommen. Der Europa-Park machte sich bewusst, wie viele Emotionen in dem Piraten-Abenteuer steckten – und baute sie wieder auf, moderner, detaillierter und erzählerischer. Ein Kunstwerk sollte die Wasserfahrt werden, auch wenn niemand das Wort öffentlich gebrauchte – die „Piraten in Batavia“ sollten ein weltweites Signal senden: Seht her, wozu unsere Dark Rides imstande sind.
Der Feuertiger ist ein legendärer Dolch, das seinem Besitzer magische Kräfte verleiht und schon zahlreiche Seeräuber in seinen Bann gezogen hat. Auch der Abenteurer Bartholomeus van Robbemond, der mit der Entdeckung Batavias den „Adventure Club of Europe“ begründet, und sein Otter Jopie, gehen auf die gefährliche Reise und begegnen dort indigenen Völkern. Es zeigt sich, wie wichtig Offenheit und Hilfsbereitschaft ist – als unsere Abenteurer von dem Piraten Cortez gefangen genommen werden, befreien sie die Bewohner von Batavia und helfen ihnen. Eine mutige Kapitänin, die Bartholomeus ein weiteres Mal aus der Patsche holt, und der Sinn für das Gute im Menschen führen unsere Hauptfiguren schließlich zum Schatz.

Bei der Fahrt im neuen Dark Ride begegnen wir als staunende Schiffsmatrosen den Weisheiten, die die Stammesältesten weitererzählen. Wir durchschiffen farbenfrohe Welten und ein Detailreichtum, den es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Mal laut und rasant, mal leise und atmosphärisch – mehr als 100 Animatronics und eine aufwendig gestaltete Szenerie lassen diese Wasserfahrt weltweit einzigartig erscheinen. 700 Scheinwerfer und 300 Lautsprecher werden zentral gesteuert. Wenn das innere Feuer brennt, so scheint es, wird im Europa-Park aus der anfänglichen Katastrophe ein neues Abenteuer mit Happy Ending gemacht.

Madame Freudenreich Curiosités: Neues Geschäftsmodell für die Dinos
Fröhlich geht es in unseren dritten Dark Ride, bei dem uns nicht nur alte Fossilien begegnen, sondern tatsächlich lebendige Dinosaurier. Diese Art an Figuren wurde in der Vergangenheit in vielen Freizeitparks weltweit eingesetzt – auch unsere Dinosaurier im Europa-Park sind zwar nicht Millionen von Jahren, aber immerhin schon über 30 Jahre alt.
Aus dem damaligen „Universum der Energie“, das uns in eine Zeitreise in die Steinzeit versetzte, ist heute ein sehr viel persönlicheres, warmherzigeres Erlebnis geworden. Madame Freudenreich ist eine alte, gutmütige Dame, die am liebsten den ganzen Tag ihre Dinosaurier-Lieblinge verwöhnen möchte – mit Kuchen. Denn eine Geburtstagsfeier steht an, und alle Dinosaurier sind dafür feierlich eingekleidet.

Natürlich ist die Fahrt vor allem etwas für Kinder, aber sie ist mindestens genauso interessant für alle, die gerne unternehmerisch denken. Im Zuge der strategischen Entwicklung des Parks wurden 2018 sowohl die benachbarte „Eurosat“-Achterbahn als auch das „Universum der Energie“ stärker in den französischen Themenbereich integriert und thematisch angepasst.
Doch der Europa-Park ging noch einen Schritt weiter: Für den Dark Ride mit den geringsten Wartezeiten aller Attraktionen wurden Bücher entwickelt und verkauft. Demnächst folgt eine TV-Serie, die im Kinderkanal ausgestrahlt wird. Noch einmal zum Mitschreiben: Aus der – nach Wartezeiten bemessen – unpopulärsten Fahrattraktion wurde der Startpunkt eines völlig neuen Vertriebskonzepts. Dark Rides muss man sich leisten können – solche Innovationskraft allerdings auch.

Grand Prix EDventure: Der Dark-Ride zum eigenen Kinofilm
Und genau an diesen Trend schließt auch unser nächster Dark Ride an – „Grand Prix EDventure“ ist die passende Fahrattraktion zum dazugehörigen Kinofilm „Grand Prix of Europe“. Der Europa-Park geht damit, erstmals für einen europäischen Freizeitpark, neue markenwirtschaftliche Wege und vereint eigenes Fachwissen mit prominenter Expertise: Neben den Musikern Jan Delay und DJ BoBo, die zwei Filmfiguren ihre Stimmen verleihen, steuert auch der deutsche Oscar-Preisträger Volker Bertelmann den Soundtrack bei. Produzent des Kinofilms ist Michael Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Park Erlebnis-Resorts und Gründer von MACK Magic.
„Grand Prix of Europe“ ist somit zum beachtlichen Teil eine echte Inhouse & Friends-Produktion. Die Parkmaskottchen Ed & Edda starten im Film beim prestigeträchtigen 50. Rennen des europäischen Grand Prix quer durch Europa – passend zum 50. Geburtstag des Europa-Parks. Edda sieht darin die große Chance, ihr Idol Ed zu treffen und das angeschlagene Geschäft ihres Vaters zu retten. Im Dark Ride hat sie anfangs zwar noch Startschwierigkeiten, doch mit unserer Hilfe als Fahrgäste nimmt das Rennen Fahrt auf. Mit visualisierten Laser-Kanonen sammeln wir Punkte, indem wir auf markierte Ziele schießen. Technisch ist der Ride zwar weniger komplex als vergleichbare interaktive Fahrgeschäfte wie etwa im Phantasialand, doch als Werbeinstrument wirkt er umso effektiver.

Und noch etwas erzählt bei diesem Dark Ride eine besondere Geschichte – der Ort, an dem „Grand Prix EDventure“ gebaut wurde: Direkt neben der Silverstone-Piste wurde der interaktive Ride quasi in einem Keller unterhalb des beliebten Looping-Restaurants errichtet. Besonders ist die geometrische Form: Während der Kegel des Gebäudes nach oben ragt, stand für das Fahrgeschäft nur eine runde Fläche zur Verfügung.
Anders als die anderen Dark Rides im Park musste der Europa-Park hier eine ungewöhnliche Gebäudehülle nutzen – eine Herausforderung, die technisch bemerkenswert gelöst wurde. Die Gondeln drehen sich während der Fahrt um die eigene Achse, mal nach links, mal nach rechts, sodass das Schießen auf Ziele abwechslungsreich bleibt. Dadurch wirkt die Fahrt vielseitig und überraschend – es muss eben nicht immer alles rund laufen.

Snorri Touren: Vom Keller zum Werbe-Seller
Da ist es kein Zufall, dass unser letzter Dark Ride namens „Snorri Touren“ in einem provisorischen Keller entstand. Richtig gehört – aus einem Abstellkeller macht der Europa-Park einen kompakten Dark Ride, der noch dazu das größte und wichtigste Investitionsprojekt des Parks bewirbt: die Wasserwelt Rulantica. „Snorri Touren“ ist damit quasi eine Werbetour für den Rutschenpark und stellt den sympathischen kleinen Oktopus Snorri als seine Werbefigur vor.
Mit Snorri entdecken wir im Grunde nichts Weltbewegendes, kein Streben nach Unendlichkeit oder ein Rennen um den Sieg. Stattdessen begleitet er uns durch seine Unterwasserwelt: mal ängstlich vor den Wächtern von Rulantica, dann wieder vergnügt am Schlagzeug oder abenteuerlustig auf einem Drachen und auf einer Eisscholle. Die Botschaft zwischen den Zeilen wirkt: Rulantica ist einladend, entspannend und vielseitig – erfrischend im Vergleich zur „Welt dort oben“. Mit diesem Gefühl steigen wir die Treppen des Ausgangs hinauf – ein Besuch in Rulantica, gar keine so schlechte Idee!

An den fünf bekanntesten Dark Rides des Europa-Parks zeigt sich einiges: Die Kunst, Tradition und Moderne miteinander zu mischen. Der Mut, Katastrophen und Hindernisse als Chance zu begreifen. Die Fähigkeit, Liebe, Respekt und Achtung voreinander in den Erzählungen zu kultivieren. Und: Die einfache Gewissheit, dass ein Dark Ride allein noch lange nicht genug sein muss. Es kann auch ein Wasserpark, ein Kinofilm oder eine TV-Serie daraus erwachsen.
Dark Rides muss man sich leisten können, das steht fest. Die hohen Investitionskosten stehen am Anfang in keinerlei Verhältnis zu den Besucherzahlen und Werbemöglichkeiten. Doch schon an diesen Beispielen zeigt der Europa-Park: Wer sich Dark Rides leisten kann, kann auch mehr mit ihnen machen, sodass sie sich am Ende vielfach rechnen.






Vertrauen ist gut, Vorsicht ist besser: So fällt man nicht auf Cyber-Kriminelle rein!
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