„Ich bin nur eine Frau. Daher verstehe ich nicht viel von Politik“; ein Satz der zur Zeit des Nationalsozialismus oft als Ausrede für das Nicht-Auflehnen gegen das System verwendet wurde. Natürlich war das Frauenbild in den 1930er und 1940er Jahren noch deutlich anders als heute. Zudem charakterisierten die Nationalsozialisten ein Frauenbild im Sinne der Ideologie. Doch waren Frauen zur Zeit des Nationalsozialismusʾ wirklich so „unschuldig“ wie es nach dem Krieg noch lange Zeit dargestellt wurde?
Definition der Frau aus Sicht der NS-Ideologie
Die Definition des NS-Frauenbildes bestand darin, dass eine Frau für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig war; ein Bild, welches auch noch in der Nachkriegszeit bis hin zur zweiten Emanzipations- und Feminismuswelle als „Lebensart“ angesehen wurde. Allerdings unterscheidet sich das NS-Frauenbild vom späteren Frauenbild in einigen Punkten. Einer von ihnen war der, dass von einer Frau zur Zeit des NS erwartet wurde, möglichst viele Kinder zu bekommen – im besten Fall männliche Nachkommen für die Kriegsführung. Das „Ehrenkreuz der Deutschen Mutter“ wurde je nach Anzahl der geborenen Kinder an eine Frau verliehen. Das bronzene Mutterkreuz gab es ab vier Kindern, ab sechs Kindern das Silberne und das Goldene ab einer Zahl von acht Kindern.
Der grobe Schnitt der Frauen blieb zu Hause und warteten sehnsüchtig auf den Ehemann, Sohn oder Bruder, der an der Front war. Wenn sie auf Heimaturlaub zurückkamen, was in den Kriegsjahren nicht regelmäßig der Fall war, bekamen sie die Schrecken des Krieges in Form körperlicher Verletzungen und seelischer/psychischer Belastungen in direkter Form zu spüren. Doch was ist mit den Frauen, deren Männer nicht an der Front waren, sondern NS-Organisationen, wie der SS, der Gestapo oder der NSDAP-Zentrale angehörten? Hierzu später mehr.
Frauen wurden besonders nach Kriegsbeginn im Jahr 1939 immer öfter in Rüstungsbetrieben und an der sog. „Heimatfront“ eingesetzt; Allerdings waren sie auch zur Zeit des Krieges besonders als Krankenschwestern in Lazaretten gefragt. Der Begriff der „Heimatfront“ beschrieb nicht nur den Dienst der „Zurückgelassenen“, sondern vielmehr das Vorantreiben des nationalsozialistischen Gedankens und Handelns in den jeweiligen Heimatorten. Zudem wurde an die „Zurückgelassenen“ appelliert die Mobilisierung und die Kriegsmoral in der Heimat aufrechtzuerhalten.
Wie wurden sie zu dem, was sie „am Ende“ waren?
Das NS-Frauenbild besonders geprägt haben Damen wie Magda Goebbels, Emmy Göring, Getrud Scholz-Klink und Margarete Himmler. Sie waren zwar charakterlich sehr unterschiedlich, allerdings verband sie eine sehr wichtige Eigenschaften. Durch ihre Heirat mit einem hochrangigen Nationalsozialisten waren sie sich ihrer Selbst meist äußerst bewusst. Eine weitere Gemeinsamkeit, welche alle Damen hochrangiger Nationalsozialisten hatten, war die Tatsache, dass sie vor der Hochzeit mit besagten Männern mindestens ein Mal verheiratet und geschieden waren.
In manchen Fällen lernten die Frauen ihre zukünftigen Männer noch während der Ehe mit dem vorherigen Mann kennen und ließen sich dann scheiden. Doch was trieb sie dazu diesen Schritt der Scheidung und erneuten Heirat zu gehen? In vielen Fällen war die zweite Heirat keine Liebesheirat, sondern eine „rationale Entscheidung“ mehr Prestige und Aufmerksamkeit zu erhalten; mit mehr oder weniger Erfolg. Wie die Damen sich über die Zeit der Ehe mit einem Nationalsozialisten entwickelt haben, ist ebenfalls durchaus unterschiedlich. Wohingegen manche noch sehr viele Kinder bekamen, bekamen andere nur ein Kind oder blieben kinderlos; dies war vor allem der Fall, wenn bereits die erste Ehe kinderlos war.
Des Weiteren muss hervorgehoben werden, dass die Frauen die Ansichten und Ideologie ihrer Männer meistens voll und ganz unterstützten; anders wäre die Ehe nicht möglich gewesen. Fraglich ist nur, ob sie sie aufgrund von Prestige, Status oder materieller Bereicherung heirateten oder ob auch sie schon lange vor besagter Heirat überzeugte Ideologinnen gewesen sind?

Porträt von Magda Goebbels aus dem Jahr 1933
Die „erste Dame des Reiches“? – Magdalena „Magda“ Goebbels, geb. Behrend, gesch. Quandt (* 11.11.1901 † 01.05.1945)
Magda Goebbels, von Hitler persönlich als „erste Dame des Reiches“ auserwählt, wurde am 11. November 1901 in Berlin geboren. Ihre Vita ist dahingehend besonders interessant, weil ihr Stiefvater Richard Friedländer, jüdisch war und sie 1906 adoptierte. Den Nachnamen Friedländer behält sie bis kurz vor der Heirat mit ihrem ersten Mann, Günther Quandt. Er verlangte, dass sie den jüdischen Nachnamen ablegen solle, weil er sie sonst nicht heiraten würde. Magda Goebbels nahm somit vorübergehend den Namen ihres Vaters Oskar Ritschel an, bevor sie den Namen ihres Mannes annahm. Die Ehe mit Günther Quandt wurde 1929 geschieden; möglicherweise aufgrund einer Affäre Magdas mit Chaim Vitaly Arlosoroff, einem Anhänger der Zionisten.
Joseph Goebbels lernte Magda über die Arbeit in der NSDAP-Parteizentrale Berlin kennen, welcher sie als Sekretärin zugeteilt war. Goebbels, zu dieser Zeit Gauleiter von Berlin, beförderte Magda kurze Zeit später zur Leitung seines Privatarchivs. In diesem Rahmen lernten sie sich weiter kennen und so kam es am 19. Dezember 1931 zur Hochzeit. Aus der Ehe Goebbels gingen fünf Kinder hervor; ein weiterer Sohn stammte aus Magdas erster Ehe.

Magda und Joseph Goebbels
An der Tatsache, dass der Familie Goebbels zunehmend bis dauernd öffentliches Interesse genoss, ist nicht zu zweifeln. Allein die fünf Kinder von Magda und Joseph Goebbels sind 34-mal in der Wochenschau zu sehen.
Als Frau des Gauleiters von Berlin und Reichspropagandaministers stand Magda Goebbels eine enorme Prestigestellung zu. Zudem fungierte sie aufgrund einer fehlenden Ehefrau Hitlers teilweise als „erste Dame“ und somit „Vorzeigefrau und -mutter“ des Reiches. Allerdings teilte sie sich diesen Titel oftmals mit der Frau Herrmann Görings, Emma Göring. Als offensichtlich wurde, dass das NS-System dem Untergang geweiht war, vergiftete Magda Goebbels ihre fünf Kinder mit Blausäure und brachte sich anschließend, gemeinsam mit ihrem Mann selbst um.
Emma „Emmy“ Göring, geb. Sonnemann, gesch. Köstlin (* 24.03.1893 † 08.06.1973)

Emma Göring im Jahr 1935
Emma Göring, geboren im Jahr 1899 in Hamburg, wuchs im Umkreis von vier Geschwistern als jüngstes Kind einer wohlhabenden Familie auf. Ihre Eltern finanzierten ihr eine Ausbildung zur Schauspielerin, dieser Tätigkeit ging sie lange nach. Im Jahr 1916 heiratete sie ihren Schauspielkollegen Karl Köstlin; die Ehe wurde allerdings zehn Jahre später geschieden. Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und „Reichsluftfahrtminister“, lernte sie durch ihre Schauspielkarriere kennen. Im Jahr 1934 verlieh er ihr den Titel einer „preußischen Staatsschauspielerin“ und holte sie nach Berlin. Dies ermöglichte ihr, neben der Bühnenschauspielerei, auch gelegentliche Auftritte in Spielfilmen, wie beispielsweise als „Frau Hedwig“ im Film „Wilhelm Tell“.
Mit der Heirat Görings am 10.04.1935 verabschiedete sie sich von der Schauspielkarriere. Am 02.06.1938 wurde die gemeinsame Tochter Edda geboren. Politisch ist Emma Göring nicht besonders in Erscheinung getreten; auch ein Eintritt in die NSDAP ist nicht einschlägig bewiesen. Wie schon bei Magda Goebbels erwähnt, wurden sowohl sie als auch Emma gelegentlich als „erste Frau des Reiches“ auserwählt, da Hitler nicht verheiratet war. In diesem Fall ist es nicht gleich ein politisches Agieren, aber dennoch eine eindeutige Positionierung. Des Weiteren führte dies bei beiden Frauen oft zur Konkurrenz.
Nach dem Krieg wurde sie, gemeinsam mit der Tochter Edda, festgenommen und 1948 in Garmisch-Partenkirchen verhört. Das Urteil lautete: Ein Jahr Arbeitslager, fünf Jahre Auftrittsverbot sowie Vermögensentzug bis zu 30%. Mit der Lagerleitung geriet sie immer wieder aneinander, da sie stetig ein Bild ihres Mannes aufstellen wollte. Sie starb nach langer Krankheit am 08.06.1973 in München.

Hochzeit von Hermann und Emma Göring im April 1935. Im Hintergrund erkannt man Adolf Hitler; er war einer der Trauzeugen des Hochzeitspaares
Teil 2 folgt in Kürze…
Fortführende Literatur
Herkommer, Christina: Frauen im Nationalsozialismus. Ein diskursgeschichtlicher Überblick, in: Theresienstädter Studien und Dokumente 14 (2007), S. 288-327.
Kompisch, Kathrin: Täterinnen. Frauen im Nationalsozialismus. Köln 2008.
Klinksiek, Dorothee: Die Frau im NS-Staat (= Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 44) Stuttgart, 1982.
Wiggershaus, Renate: Frauen unterm Nationalsozialismus. Wuppertal 1984.






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