Das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ist in gut einem Drittel der Länder weltweit bedroht, heißt es im Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ des internationalen Hilfswerks Hilfswerk „Kirche in Not“(ACN). Welche weiteren Ergebnisse der Bericht liefert und wie der Bedrohung entgegengetreten werden kann.

Dem am 21. Oktober vorgestellten Bericht zufolge kommt es in 24 Staaten, wie zum Beispiel Nordkorea, China, Indien oder Nigeria, zu Verfolgung von Anhängern verschiedener Religionen und Weltanschauungen; 38 Länder fallen unter die Kategorie Diskriminierung, darunter Ägypten, Äthiopien, Mexiko, Türkei oder Vietnam. Der Bericht erscheint alle zwei Jahre. Die Studie ist die einzige umfassende Analyse der Religionsfreiheit, die nicht von einer staatlichen Einrichtung kommt. Der Beobachtungszeitraum erstreckt sich von Januar 2023 bis Dezember 2024.
5,4 Milliarden Menschen leben in Umfeld, das Religionsfreiheit einschränkt
Laut „Religionsfreiheit weltweit 2025“ leben mehr als 5,4 Milliarden Menschen, also rund 65 Prozent der Weltbevölkerung, in einem Umfeld, das die freie Religionsausübung behindere oder massiv dagegen vorgehe. Wie viele Gläubige tatsächlich verfolgt würden, sei jedoch seriös nicht zu ermitteln.
„Heute ist das grundlegende Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht mehr nur gefährdet. Es wird inzwischen großen Teilen der Menschheit vorenthalten“, schreibt das Redaktionskomitee von ACN in der Zusammenfassung des Berichts. Insgesamt haben 13 unabhängige Journalisten und Menschenrechtsexperten Gesetzeslage, Vorfälle und Perspektiven in 196 Ländern im Hinblick auf die Religionsfreiheit untersucht.
Autoritäre Regime, Extremismus, Nationalismus und organisierte Kriminalität
Anders als in den Vorjahren stellt „Religionsfreiheit weltweit 2025“ als Hauptursache für Diskriminierung und Verfolgung das Verhalten autoritärer Regierungen und Regime in den Mittelpunkt. Der Bericht fasst 52 Staaten unter diese Kategorie, darunter neben China und Nordkorea auch Iran, Nicaragua, Saudi-Arabien oder Turkmenistan.
An der zweiten Stelle der Urheber religiöser Verfolgung steht der religiöse Extremismus, den der Bericht in 25 Staaten wie Afghanistan, Burkina Faso oder der Demokratischen Republik Kongo am Werk sieht.
Besonders die dschihadistische Gewalt destabilisiere nach wie vor ganze Weltregionen, heißt es in dem Bericht. Von der Sahelzone bis Pakistan breiteten sich dschihadistische Netzwerke aus. Darunter litten Christen, aber ebenso Muslime, die den Extremismus ablehnten. Nationalistische Bewegungen, die Herkunft an eine bestimmte Religionszugehörigkeit knüpfen, stehen an dritter Stelle der aktuellen Bedrohungen für die Religionsfreiheit. Die Studie sieht solche ethno-religiöse Strömungen unter anderem in Indien, Nepal, Sri Lanka oder im Heiligen Land.
Organisierte Kriminalität nimmt auch Gläubige ins Visier
Neu in die Ursachen-Liste aufgenommen wurde die Kategorie „Organisierte Kriminalität“, also bewaffnete Gruppen und Kartelle, die neben ihrem „Kerngeschäft“ auch Gläubige ins Visier nehmen, die sich ihrem Treiben entgegenstellen. „Religionsfreiheit weltweit 2025“ rechnet Haiti, Nigeria und Mexiko in diese Kategorie. In zahlreichen Ländern liegen mehrere Ursachen für Verletzungen der Religionsfreiheit vor, auf ein Ranking verzichtet der Bericht, da sich das Leid der Betroffenen nicht gegeneinander aufwiegen lasse.
24 Länder nimmt die Studie „unter Beobachtung“, darunter unter anderem Belarus, Ghana, Libanon, Mauritius oder Südsudan. Dort nähmen Intoleranz, Extremismus und staatliche Einmischungen in das religiöse Leben zu.
Im Krieg stirbt oft auch die Religionsfreiheit
Bitter fällt die Bilanz in Vergleich mit dem Vorgängerbericht aus dem Jahr 2023: In nahezu allen Ländern aus der Kategorie „Verfolgung“ oder „Diskriminierung“ habe sich die Lage verschlechtert. Lediglich in Kasachstan und Sri Lanka gebe es einige positive Entwicklungen, stellt der Bericht fest.
„Religionsfreiheit weltweit 2025“ arbeitet außerdem heraus, dass viele Flüchtlingsströme auf religiöse Verfolgung zurückgingen. Dies sei besonders in zahlreichen afrikanischen Staaten der Fall. In Staaten, in denen aktuell Krieg herrsche, gerate auch die Religionsfreiheit in Gefahr, weil Kirchen geschlossen würden oder die Verweigerung des Militärdienstes aus Gewissensgründen nicht akzeptiert werde.
Besorgt zeigt sich der Bericht über die weltweite Zunahme antisemitischer und antimuslimsicher Vorfälle besonders nach dem Hamas-Überfall in Israel und dem darauffolgenden Gaza-Krieg. Staatliche Behörden hätten hier vielfach unzureichend reagiert.
Frauen und Mädchen besonders betroffen von religiöser Gewalt
Besonders betroffen von religiöser Gewalt seien nach wie vor Frauen und Mädchen, die religiösen Minderheiten angehörten, so der Bericht. In Ländern wie Pakistan, Ägypten oder Mosambik sei es zu schweren Gewaltakten gegen Frauen wie Entführungen, Zwangsehen und -konversionen sowie sexuellen Übergriffen gekommen. Diese würden nach wie vor viel zu wenig strafrechtlich verfolgt.
Mehr christenfeindliche Vorfälle
Mit Blick auf die westlichen Staaten stellt „Religionsfreiheit weltweit 2025“ mehr christenfeindliche Vorfälle fest. Dazu zählten Vandalismus gegen Kirchen, Störungen von Gottesdiensten und Übergriffe auf Geistliche. Der Bericht kritisiert hier vor allem, dass es in einigen europäischen Staaten entgegen anderslautenden Verpflichtungen keine zentrale Erfassung solcher Vorfälle gäbe, so wie dies in Fällen von Antisemitismus und Islamophobie bereits flächendeckend üblich sei.
Religionen sind bedrängt, aber vital
Neben allen besorgniserregenden Entwicklungen stellt der Bericht aber auch eine ermutigende Tendenz fest: Trotz schlechter werdenden Rahmenbedingungen zeigten Glaubensgemeinschaften „unerschütterliches Engagement als Friedensvermittler, in der Nothilfe oder in der Seelsorge“.
In vielen Regionen seien Glaubensgemeinschaften wichtige Bildungsträger und förderten so sozialen Zusammenhalt und Dialog. Vor diesem Hintergrund sei „Religionsfreiheit kein Privileg, sondern ein grundlegendes Menschenrecht“.






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