Das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (Aid to the Church in Need, ACN) startet gemeinsam mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem ein neues, wichtiges Projekt für die christliche Minderheit im Heiligen Land. In einer Zeit, die für viele Familien voller Unsicherheiten steckt, übernimmt es die Schulgebühren für 800 christliche Kinder an katholischen Schulen in Israel und den Palästinensischen Gebieten. Für viele betroffene Eltern ist das nicht nur finanzielle Hilfe – es ist ein echter Hoffnungsschimmer.

Obwohl Christen im Heiligen Land zahlenmäßig die kleinste der drei großen Religionsgemeinschaften sind, ist die katholische Kirche dort paradoxerweise der größte konfessionelle Schulträger. „Mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche besuchen unsere Schulen“, betonte Davide Meli, Kanzler des Lateinischen Patriarchats, während seines Besuchs in der internationalen ACN-Zentrale in Königstein im Taunus.
Die katholischen Schulen genießen dabei nicht nur bei Christen einen guten Ruf: Auch viele jüdische und muslimische Eltern schicken ihre Kinder bewusst dorthin. „Unsere Schulen sind Orte, an denen Menschen verschiedener Glaubensrichtungen friedlich und respektvoll miteinander aufwachsen – und oft Freundschaften schließen, die sie ihr ganzes Leben begleiten“, erklärte Meli. Gerade in einer Region, die so häufig von Spannungen geprägt ist, habe das einen unschätzbaren Wert.
Schulen sichern die Zukunft – und verhindern Abwanderung
Wie George Akroush, Projektkoordinator des Patriarchats, hervorhob, sind die Schulen ein zentraler Grund, warum viele christliche Familien trotz aller Schwierigkeiten im Land bleiben. „Wenn Eltern ihren Kindern keine gute Bildung mehr ermöglichen können, steigt die Wahrscheinlichkeit stark, dass sie auswandern müssen“, sagte Akroush. Doch gerade viele junge Christen seien heute entschlossen, sich eine Zukunft im Heiligen Land aufzubauen – dort, wo ihre Wurzeln sind und wo ihre Gemeinschaft seit Jahrtausenden lebt.
Gleichzeitig stehen die Christen im Westjordanland und in Israel unter immensem Druck. Die Corona-Pandemie hatte den Pilger- und Tourismussektor – eine der wichtigsten Einnahmequellen für Christen – beinahe zum Stillstand gebracht. Kaum hatte sich die Lage etwas erholt, folgte eine neue Phase politischer Spannung und schließlich der Gaza-Krieg infolge des islamistischen Terrors. Die Auswirkungen seien dramatisch: „Im Westjordanland liegt die Arbeitslosenquote unter Christen bei 72 Prozent. Viele Familien sind praktisch mittellos“, erklärte Akroush. Die katholischen Schulen wiederum sind auf Gebühren angewiesen, um Lehrerinnen und Lehrer zu bezahlen, Gebäude zu erhalten und Materialien zu beschaffen.
Ein Schließen der Schulen sei jedoch absolut keine Option. „Eine Schule aufzugeben wäre, als würde man eine ganze Pfarrei schließen. Es wäre das Ende eines lebendigen christlichen Lebens vor Ort“, betonte der Projektkoordinator. Die Schulen seien Orte des Glaubens, der Gemeinschaft, der Stabilität – und oft der einzige sichere Anker für Familien.

„Option der Hoffnung“: Ein Schuldenerlass, der Mut macht
Vor diesem Hintergrund hat der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Inspiriert vom Heiligen Jahr 2025, in dem in der katholischen Tradition oft ein Schuldenerlass vorgesehen ist, rief er eine „Option der Hoffnung“ aus. Darin beschloss er, allen Familien sämtliche aufgelaufenen Schulden zu erlassen – mit Ausnahme des laufenden Schuljahres. Ein mutiger Schritt, der zwar für finanzielle Unruhe sorgte, aber aus seiner Sicht moralisch und pastoral notwendig war. „Dieser Schuldenerlass hat vielen Christen eine enorme Last von den Schultern genommen“, erklärte Davide Meli.
Die Wirkung des Beschlusses blieb nicht aus: Zahlreiche Einzelpersonen, Stiftungen und Organisationen hätten sich daraufhin bereit erklärt, die katholischen Schulen künftig stärker zu unterstützen – darunter auch „Kirche in Not“. Die wachsende Hilfsbereitschaft sei für viele Familien ein emotional wichtiges Signal. Sie zeige, dass die Christen im Heiligen Land nicht vergessen seien und dass die weltweite Kirche fest an ihrer Seite stehe.
„Viele unserer Familien hatten und haben große Sorgen“, betonte Meli. „Aber diese Unterstützung gibt ihnen Würde. Sie zeigt ihnen, dass die Kirche sie nicht im Stich lässt und sich um Christen in der Heimat Jesu kümmert. Denn Jerusalem ist letztlich die Heimat aller Gläubigen.“






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