Zum Jahresbeginn 1945 ertönte der Luftschutzalarm fast täglich, am Vormittag des 16. Januars war es bereits das 13. Mal. Jedoch konnte niemand auch nur ansatzweise ahnen was aus der plötzlichen, trügerischen Stille kommen wird. Der Luftschutzalarm um 21:28h kam zu spät und nur wenige Magdeburger konnten sich vor den Bomben retten. Dies war die dritte und zudem verheerendste Zerstörung in der Geschichte der Stadt Magdeburg.
Die Vorboten
Zwischen 1940 und 1945 kam es immer wieder zu Luftangriffen auf Magdeburg. Allerdings fielen diese tendenziell klein aus, galten eher der um Magdeburg liegenden Industrie und konnten zumindest teilweise von der Luftabwehr zurückgedrängt werden. Die Stadt und umliegende Industrie ist vor allem in den 1920er Jahren gewachsen und war zum Zeitpunkt des Zweiten Weltkrieges kein unbedeutender Ort. Für britische und amerikanische Bomber wurde es demnach zu einem immer bedeutenderen Ziel.
Bis in die letzten Monate des Kriegs war die Stadt größtenteils intakt. Am 16. Januar 1945 kam es zu zwei großen Luftangriffen; der erste war am Vormittag. 122 Flugzeuge der amerikanischen Luftwaffe (USAAF) bombardierten das Umland und zerstörten die Industrie; besonders traf es die Junkerswerke, das Krupp-Gruson Werk und kleinere Wohnorte, die sich in der Nähe befanden. Die Stadt Magdeburg blieb vorerst verschont und dessen Bewohner dachten sich sie seien wieder sicher und gingen wie gewohnt ihrem Alltag nach.
28 Minuten Zerstörung durch die Royal Airforce
Die wahrgenommene Sicherheit trog, denn bereits um 19:00 hoben voll beladene Bomber der Royal Air Force (RAF) in Britannien ab. Um 21:28h ertönte der Luftschutzalarm in Magdeburg, nur vier Minuten bevor die ersten Bomben fielen. Der Angriff kam unerwartet, denn die Bomberflugzeuge, die in Yorkshire abgehoben waren, schafften es mit Flugmanövern die deutsche Luftabwehr zu überlisten und überraschten somit Magdeburg. Die 370 Bomberflugzeuge warfen innerhalb von 28 Minuten 1000 Tonnen Brand- und Sprengladung ab. Die Kombination unterschiedlicher Ladungen der Bomben ließ die Häuser zunächst zusammenbrechen und anschließend niederbrennen. Es kam zu einem regelrechten Feuerorkan. 90% der Altstadt waren vollkommen zerstört, andere Stadtteile waren ebenfalls stark betroffen. Die am stärksten betroffenen acht Quadratkilometer brannten noch mehrere Tage.
Kaum ein Bewohner Magdeburgs konnte sich in Sicherheit bringen. Die Zahl der Toten kann nur schwer ermittelt werden und schwankt je nach Quelle. Fest steht allerdings, dass von 300.000 Einwohnern Magdeburgs 210.000, sofern sie überlebten, obdachlos wurden. Alle Überlebenden wurden ins Umland gebracht. Von einem Tag auf den anderen lebten nur noch 90.0000 Menschen in der Stadt. Die Zerstörung der Stadt war immens; sechs Millionen Kubikmeter Trümmer kamen am Ende des Krieges zusammen, was Magdeburg zur am drittstärksten zerstörten Stadt Deutschlands macht. Lediglich Dresden und Köln erfuhren eine noch verheerendere Verwüstung.

Quelle: Magdeburg, Rathaus, Kirche, Ruinen –
Foto: Rösener (Roesener), Bundesarchiv, Wikimedia Commons,
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© Maximilian Kühl
Gedenken und Erinnerung
In der Erinnerung Magdeburgs ist dieses Ereignis bis heute präsent; sowohl bei Zeitzeugen als auch in Form von offiziellen Gedenkveranstaltungen. Jedes Jahr läuten am 16. Januar um 21:28h viele Kirchglocken und gebühren 30 Minuten lang der Bombardierung und den Opfern des 16. Januar 1945. Auf dem Westfriedhof der Stadt werden Kränze zur Andacht an die Kriegsopfer niedergelegt.
Auch Zeitzeugen erinnern sich gut. Zum Beispiel war ich dabei als eine ältere Dame ihrer Urenkelin von ihrer Flucht vor den Bomben erzählte. Der Luftschutzalarm kam auch für sie überraschend. Die Familie musste in Windeseile die Stadt verlassen. Die Dame war zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind und wurde im Chaos von ihrer Familie getrennt. Auch sie kam mit anderen Überlebenden in das Magdeburger Umland. Sie hatte aber Glück und fand ihre Familie auf einem Gutshof außerhalb der Stadt am darauffolgenden Tag wieder. Allen war bewusst was geschehen war. Das in der Stadt wütende Feuer war weit aus der Ferne sichtbar. Die Familie war erleichtert, dass alle es rausgeschafft haben. Die Zeitzeugin zitierte die Worte ihrer Eltern: „Wir haben alles verloren“ sagte die Mutter, worauf der Vater antwortete: „Wir haben nichts verloren, denn wir haben uns alle. “






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